Kampf mit der Kreatur
Wenn meine Perle kommt, bin ich meistens nicht zu Hause. Heute schon. Heute brachte meine Perle auch ihr Kind mit, ein herziges Mädel von sechs oder sieben Jahren mit einem roten Spängchen im Haar.
Das Kind ist ein durchaus aufgewecktes, denn es stellt direkt beim Blick auf den mütterlichen Arbeitslohn fest: "20 Euro kriegst du nur, Mama? Ich dachte, du würdest 60 oder 70 oder so kriegen. Ich will doch den Barbie-Motorroller." Gemeinschaftlich deponieren die Perle und ich das Mädel vor dem Kinderkanal, doch es hält das Kind nicht lange auf seinem Platz. "Kannst du hier auch Radio im Bad hören? Bei Familie *** hörst du doch immer Radio im Bad." Ja, mein Kind, auch ich habe Radio im Badezimmer. Ich habe sogar den Fernsehsound auf dem Klo. Das beeindruckt den kleinen Keks. "Dann kann ich Pipi machen und Tiny Toons hören?" So ist das. Aber obacht, die Box steht direkt hinter dir und wenn die Tiny Toons aus heiterem Himmel eine Schießerei anfangen, dann kann das schonmal zu einer schüchternen Blase führen.
Nach zwei Minuten verdächtiger Stille dann plötzlich ein lang anhaltendes, spitzes Kreischen aus dem Wohnzimmer. Das Perlenkind hüpft wild fuchtelnd durch den Flur. Eine handtellergroße (wenn nicht größere!) Wespe mit rasiermesserschafen Fühlern und Angriffslust in den Augen fliegt tobsüchtig summend hinter ihr her. Ich begreife den Ernst der Lage sofort. Ein Fall für Supernessy, Beschützerin kleiner Mädchen und Rächerin vorlauter Schisser! Todesmutig lenke ich die Aufmerksamkeit des Untiers auf mich. Mit gezielten Handbewegungen und einer durchdachten Wegabschneidetaktik locke ich es ins Schlafzimmer. Meine Perle wirft mir aus weiter Distanz ein Küchentuch zu und sich selbst schützend vor ihre Brut. Die Höllenwespe rasselt mit einem beherzten *plong* gegen die Fensterscheibe. Meine Chance! Mit meinem Gogo-Gadgetto-Wurfarm werfe ich das Küchentuch auf die Kreatur und knülle es zusammen. An der Handinnenfläche spüre ich das gefangene, verzweifelt um seine Freiheit kämpfende Monster. Soll ich zudrücken? Dem noch mitten in der Entwicklung seines Moralverständnisses steckenden Kind mit meiner Handlung zeigen, dass man seine Feinde töten muss, um sie zu besiegen? "Schnell!" rufe ich. "Fenster auf!" Meine Perle, mit einer Hand ihr Kind schützend, reißt mit der anderen das Fenster auf. Ich schüttele das Handtuch aus. Das Horrorinsekt fliegt benommen davon. Das Perlenkind schaut zu mir auf. "Puh, grad noch so", sagt es. Ja, das war knapp.
Das Kind ist ein durchaus aufgewecktes, denn es stellt direkt beim Blick auf den mütterlichen Arbeitslohn fest: "20 Euro kriegst du nur, Mama? Ich dachte, du würdest 60 oder 70 oder so kriegen. Ich will doch den Barbie-Motorroller." Gemeinschaftlich deponieren die Perle und ich das Mädel vor dem Kinderkanal, doch es hält das Kind nicht lange auf seinem Platz. "Kannst du hier auch Radio im Bad hören? Bei Familie *** hörst du doch immer Radio im Bad." Ja, mein Kind, auch ich habe Radio im Badezimmer. Ich habe sogar den Fernsehsound auf dem Klo. Das beeindruckt den kleinen Keks. "Dann kann ich Pipi machen und Tiny Toons hören?" So ist das. Aber obacht, die Box steht direkt hinter dir und wenn die Tiny Toons aus heiterem Himmel eine Schießerei anfangen, dann kann das schonmal zu einer schüchternen Blase führen.
Nach zwei Minuten verdächtiger Stille dann plötzlich ein lang anhaltendes, spitzes Kreischen aus dem Wohnzimmer. Das Perlenkind hüpft wild fuchtelnd durch den Flur. Eine handtellergroße (wenn nicht größere!) Wespe mit rasiermesserschafen Fühlern und Angriffslust in den Augen fliegt tobsüchtig summend hinter ihr her. Ich begreife den Ernst der Lage sofort. Ein Fall für Supernessy, Beschützerin kleiner Mädchen und Rächerin vorlauter Schisser! Todesmutig lenke ich die Aufmerksamkeit des Untiers auf mich. Mit gezielten Handbewegungen und einer durchdachten Wegabschneidetaktik locke ich es ins Schlafzimmer. Meine Perle wirft mir aus weiter Distanz ein Küchentuch zu und sich selbst schützend vor ihre Brut. Die Höllenwespe rasselt mit einem beherzten *plong* gegen die Fensterscheibe. Meine Chance! Mit meinem Gogo-Gadgetto-Wurfarm werfe ich das Küchentuch auf die Kreatur und knülle es zusammen. An der Handinnenfläche spüre ich das gefangene, verzweifelt um seine Freiheit kämpfende Monster. Soll ich zudrücken? Dem noch mitten in der Entwicklung seines Moralverständnisses steckenden Kind mit meiner Handlung zeigen, dass man seine Feinde töten muss, um sie zu besiegen? "Schnell!" rufe ich. "Fenster auf!" Meine Perle, mit einer Hand ihr Kind schützend, reißt mit der anderen das Fenster auf. Ich schüttele das Handtuch aus. Das Horrorinsekt fliegt benommen davon. Das Perlenkind schaut zu mir auf. "Puh, grad noch so", sagt es. Ja, das war knapp.
nessy - 12. Apr, 13:34

