Mittwoch, 26. März 2008

Neundreiviertel

25einhalb_500
[gesehen in Burger, Oberbayern]
Wer hier wohl wohnt?

Helmut

"Helmut", wiederholt er, als ich ihm bedeute, dass ich seinen Namen nicht verstanden habe, "aber ich kann da nix für." Zwei Abende später erzählt er die Geschichte mit dem Schild und die Sache mit dem Frisör:

"Bei uns im Ort, da gab's den Helmut. Der hat uns allen die Haare geschnitten. Ehrlich gesagt: Er war ein Arsch. Ich mochte ihn nicht leiden. Und Haare schneiden konnte er auch nicht.

Wisst Ihr, meine Familie hatte damals ein Lebensmittelgeschäft. Über dem hing ein Schild: 'Frischwaren H. Lentze' - nach meinem Opa, der Heinz geheißen hat. Als mein Vater zur Welt kam, machten mein Opa und meine Oma einen Fehler und nannten ihn Franz, weshalb es dann irgendwann 'Frischwaren F. Lentze' hätten heißen müssen, als mein vater den Laden übernahm. Aber sie ließen das Schild einfach so und haben d'rauf gehofft, dass es niemand merkt.

Beim Enkel, also mir, sollte das 'H. Lentze' aber wieder stimmen, denn irgendwie ist es ja doch eine Schmach, so ein falsches Schild über der Tür hängen zu haben. Heinz, Hugo und Horst Lentze gab's allerdings schon im Ort, und als meine Mutter sich mal wieder die Haare machen ließ, fiel's ihr wie Schuppen von den Augen. Deshalb heiße ich wie diese Pflaume.

Ich habe ihn übrigens vor Jahren mal wiedergetroffen. Als ich gemeint habe, er hätte mir damals immer die Haare geschnitten, hat er nur 'Schschschschschschschsch!' gemacht und gesagt, er wäre jetzt Heilpraktiker, und seine Freunde wüssten nichts von seiner Vergangenheit."

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