Geschichten aus Kühlungsborn III

Marienkäfer - ich mag sie, auch in Scharen. Sie haben ein freundliches Gemüt und neigen nur selten zur Hektik. Ein einzelnes Käferchen vernascht außerdem bis zu 250 Blattläuse am Tag: Zeichen eines gesegneten Appetits und einer herzlichen Freude an kulinarischen Belangen. Ich fühle Seelenverwandtschaft.
Wenn ich nun in meinem Strandkorb sitze und es am Schenkel kribbelt, bin ich entzückt. Wieder ein neuer Freund! Wieder ein heiterer, unverdrossener Wanderer, der unbeirrt aller subkutanen Verwerfungen seinem Glück entgegenstrebt. Auch seine Kollegen von der Bodentruppe sind allzeit guter Dinge: Frohgemut marschieren sie durch den Himalaya menschlicher Fußstapfen. Wind, Wellen, Sandlawinen - Marienkäfer sind über alle Widrigkeiten erhaben. Krise? Nicht mit uns!
Gut - manchmal erwischt es einen von ihnen. Auf dem Gehsteig, auf dem Radweg, sie werden von Hintern zermalmt, zwischen Buchseiten eingeklemmt oder sterben ermattet und mit ausgestreckten Flügeln auf einem sonnigen Mauervorsprung. Auch ich habe schon unversehens ein paar Käfer getötet, zuletzt den Kameraden im Badezimmer, der durchs Waschbecken krabbelte, als ich gerade meine Zahnpasta ausspuckte. Steckste nicht drin.
Beim Googlen lese ich nun, welche Namen die Menschen dem Marienkäfer schon gegeben haben: Sprinzerl-Spranzerl, Huppawermel, Motschekiebchen, Himmelmietzchen, Herrgottswürmchen. Mir geht das Herz auf.
nessy - 10. Aug, 01:11