Diabetes ist kein Zuckerschlecken

Supermarkt. Er, um die 70, braune Cordhose, schlufft, den Wagen schiebend, durch die Gänge. Sie, resolut auftoupiert, füllt tatkräftig den Wagen, den Einkaufszettel inspizierend. Als sie auf der Suche nach irgendwas um die Ecke biegt, schaut er kurz nach rechts, dann nach links, greift verstohlen zu Nusskeksen und versteckt sie unter Porree. Zwanzig Minuten später an der Kasse neben mir: Sie packt alles Zeugs aufs Band, während er den Wagen festhält und die Quengelware studiert. Unter dem Porree entdeckt sie die Kekse, wendet sich zu ihm um, streckt sich und raunzt: "Die bringst Du mal schön wieder weg! Oder willst Du noch mehr Zucker kriegen?" Er schreckt auf, sackt betreten in sich zusammen, greift enttäuscht die hingehaltenen Kekse und schlappt mit ihnen zurück gen Süßwarenregal.

ich glaube, das kommt drauf an, was man daraus macht. meine mami hat das seit sie 8 ist - und als sie klein war, war das wirklich nicht lustig. nix süßes, ständig im krankenhaus weil sie doch nicht richtig eingestellt war...

mittlerweile ist das alles kein problem mehr, nicht zuletzt wegen des fortschritts. sie hat ne insulinpumpe und ist glücklich, sich nicht mehr 3x täglich spritzen zu müssen, was nach 45 jahren leider auch den bauch in mitleidenschaft zieht. :( essen kann sie so gut wie alles, wenn sie nicht übertreibt.

und dass der arme kerl von einer packung kekse "noch mehr zucker" kriegt, stell ich mal in frage. der arme, tut mir richtig leid. am liebsten würd ich dem ne packung kekse schicken ;) siehst du den nochmal? :-D

Der arme Tropf stand total unter der Fuchtel seiner Alten. Leider seh ich den nicht mehr, sonst würd ich ihm eine Packung zustecken. Mit ganzen Nüssen. :-)

Das kann ja gar nicht sein. Wahrscheinlich wird da der Hund der Familie noch besser behandelt.

Ich hab nen Kollegen der pfeifft auf alle Ernährungsvorschriften weil er hat ja sein Insulin.
Erst ne Schweinshaxe und ein Eis und danach den "Schuss". Finde ich aber auch unverantwortlich.

@ obehave:

Es ist durchaus im Sinne einer vernünftigen Therapie, den Patienten zu raten zu essen was immer sie wollen. Das verhindert den Jo-Jo-Effekt: NIchts Essen - sich vollstopfen vor Heißhunger ....

Dann noch eine Frage:
Essen Sie nie etwas, worauf Sie gerade Lust haben?
Wenn doch, warum sollte ein Diabetiker darauf verzichten?

@wvs: nun das wusste ich nicht, daß Zuckerkranke im Sinne einer vernünftigen Therapie Essen dürfen was sie wollen. Mir wurde bisher immer erzählt, man müsse aufs Essen achten, was ja nicht ausschließt, dass man sich nicht gelegentlich auch richtig was gönnen darf.
So wie ich mir, nach wochenlangem Suchen, mittlerweile die von Ihnen empfohlenen schottischen Walkers Pure Butter-Cookies gönnen kann - ich hab sie nämlich käuflich erwerben können!

@ OhBehave ....

Ja, "Nichts ist beständiger als der Wandel" - das gilt vor allem für chronische Erkrankungen, denn je mehr man darüber lernt, desto besser kann man den Patienten raten .... es ist tatsächlich ein enormer Wandel eingetreten: Dank "Insulin" aus der Retorte (eigentlich Dank der genetisch veränderten Bakterien, die jetzt Insulin produzieren).
Hätte man diese Produktion nicht angeschoben, so wären heute 1/3 der Patienten in entwickelten Ländern und 4/5 derer in weniger entwickelten Ländern nicht in der Lage zu überleben, weil das Insulin immer weniger (verhältnismäßig zur steigenden Patientenzahl) wurde - und damit heute extrem verteuert wäre.

Ein Wort noch:
Prävention - d.h. "gesunde Ernährung" bereits im Kindesalter führt zu weniger Zuckerkranken - da müssen noch endlose Stunden an Aufklärung abgehalten werden, bis die Menschen das begreifen .....
off topic: Und, wie waren die Kekse?
Köstlich!
(Wagen Sie nicht, etwas anderes zu behaupten!)
:c)

off topic: köstlich! *Hand aufs Herz, das ist bei Schottischem immer dabei*

Gestern war ein interessanter Bericht im TV. Es ging darum, daß in der "Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel" aktuell an einer Neukonzeption der empfohlenen Ernährungspyramide gearbeitet wird und welchen Einfluss die Lebensmittelgrosskonzerne darauf nehmen ... uhhhaa HALT: zu nehmen versuchen, denn eine Bundesanstalt ist selbstverständlich unabhängig und läßt sich von keiner Lobby reinreden *hüstel* ... ein Sumpf! mehr sag ich nicht.

In einem Land ....

das sich von der FIFA - zwingend - vorschreiben läßt, welche Nahrung und Getränke in den Stadien verzehrt verkauft werden dürfen wundert mich überhaupt nichts mehr !!

Wo leben wir denn?
In einem Entwicklungsland?
In einer Bananenrepublik?

In einer Bananenrepublick würden wir - wörtlich genommen - wahrscheinlich noch gesund leben. Meines Erachtens wird viel zuviel Bohei ums Essen gemacht. Solang man sich ausgewogen ernährt, gute Sachen kocht, Obst isst und nicht nur Zuckercola trinkt, ist alles in bester Ordnung. Ab und an Sport, ausreichend Bewegung - mehr braucht's nicht. Und ob man jetzt fünf Kilo leichter oder schwerer ist, ist eigentlich auch wurscht, solange nix aus dem Rahmen läuft.

@wilderkaiser: Falls die Mutti einen Hund hat, wird der wahrscheinlich im Gegensatz zum Mann mit Pralinen vollgestopft.

Dank moderner Diabetes-Therapie ....

und ausgereifter Meßtechnik - es klang ja zuvor bereits an - muß kein Diabetiker mehr auf "Süßes" verzichten, wenn die Einstellung stimmt und die Schulung ordentlich war: Die Diabetiker (heute politisch korrekt: "Menschen mit Diabetes") lernen, wie sie mit Insulin die zu sich genommene Menge kompensieren - dabei helfen ihnen die Meßgeräte, die mit hoher Präzision die Blutwerte bestimmen, z.B. die ACCU Chek Geräte Aviva und Compact+ .... wenn dann noch eine Stechhilfe dazu kommt, die winzig kleine Stiche macht, nicht mehr große Löcher wie früher, etwa das ACCU Chek Multiclix, dann wird die Haut auch nicht so schnell hornig wie früher .... mit einer Insulin-Pumpe (z.B. ACCU Chek Spirit) ist das alles noch viel problemloser, denn es wird eine basale Menge Insulin gegeben und bei Bedarf kommt ein sogenannter "Bolus" - eine Einmaldosis - hinzu ....

Leider sind viele Beteiligte im Gesundheitswesen noch nicht da angekommen, wo die Therapiemöglichkeiten schon sind .... da hilft es Betroffenen, sich an Selbsthilfeorganisationen zu wenden, wie z.B. den "Deutschen Diabetiker Bund", kurz: DDB, der Hilfe von Betroffenen für Betroffene anbietet und in jedem Bundesland vertreten ist ....

Auch die Apotheken können raten & helfen: Immer wenn ein Patient sieht "BARMER Hausapotheke" kann er dort Hilfe und Antworten auf alle Fragen rund um den Diabetes bekommen .... das Motto lautet:
"Leben. So wie ich es will."

- "Ja", kann man da nur sagen, man kann - wenn man sich informiert und für seine Rechte als Patient eintritt ....

Mensch, so ein ernstes Thema isses geworden - dabei hab ich nur kurz aufgeschrieben, was ich im Supermarkt erlebt habe. In Anbetracht dessen, dass Diabetes zur Volkskrankheit wird, wahrscheinlich auch notwendig. Ein großes Rätsel ist mir ja, was passieren muss, dass eigentlich bewegungsfreudige Kinder durch Vernachlässigung der Eltern Altersdiabetes bekommen. Komische und bedauernswerte Gesellschaft hier bei uns ...

"Volkskrankheit" ....

trifft es schon ganz gut:
Derzeit gibt es ca. 7 Mio. Diabetiker, davon ca. 10% Typ I (früher: "juveniler Diabetes") - der Rest demnach Typ II (früher: "Altersdiabetes").

Gegen Typ I - häufiger Ausbruch nach Virusinfektionen im Kindesalter - kann man nichts machen, denn die Ursachen sind nach wie vor unbekannt. Lediglich die Substitution mit Insulin hält diese Patienten am Leben .... Der Zuwachs in dieser Gruppe ist seit Jahren stabil, also unabhängig von der Ernährung (im Gegensatz zu Typ II)

Das Problem ist der Typ II im Kindesalter durch erhebliches Übergewicht schon bei Kindern um 10 - hier kommt es zu einem Versagen der Insulinproduktion weil diese Kinder einfach fett (!) sind, also mehr als 30% Übergewicht haben. Abhilfe würde eine gesündere Ernährung mit ausgewogenen Nahrungsanteilen bringen: 30% Eiweiß, 30% Kohlehydrate, davon mindestens die Hälfte als schwer verdauliche Faseranteile wie z.B. in Gemüse, dann noch 30% Fett (incl. des so verteufelten Cholesterins, aber auch hoch-ungesättigte Fette aus Fisch, mindestens zweimal pro Woche) - der Rest kann dann aus Obst unterschiedlichster Zusammensetzung bestehen, das ist weiter oben von nessy schon ganz richtig festgestellt worden ....

Zum Ausgangspunkt zurück:
Jährlich kommt derzeit eine weitere Million "Menschen mit Diabetes" - vor allem sehr junge Patienten - dazu.

Bewegungsmangel und Fehlernährung:
Das sind die Hauptursachen, die bekämpft werden müssen!

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Trackbacks zu diesem Beitrag

panthol.twoday.net - 3. Jun, 00:32

Interessantes Thema ....

(bei: nessy) Dank moderner Diabetes-Therapie... [weiter]

Kaffeeklatsch

Frankfurt
klingt ja schon mal SEHR vielversprechend! Ruhrgebi et...
Jekylla
Ich hätte dieses...
Ich hätte dieses Jahr ganz sicher noch Berlin...
nessy
Das, Frau nessy,
geht eindeutig nicht so weiter! Ich hätte dieses...
Jekylla
Der
Elektrozaun dient lediglich der Roestung der Kaffeebohnen....
pathologe
Das habe ich mir als...
Das habe ich mir als Student abgewöhnt. Ging ganz...
nessy

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