Die Systematik Nessy'scher Ordnung
Seit wenigen Wochen gönne ich mir den Luxus einer Perle. Obwohl Agneta heute erst das zweite Mal da war - sie kam just herein, als ich mir leicht bekleidet gegen 8 Uhr die Haare föhnte und lief puterrot an -, habe ich bereits das getan, was ich mir zuvor geschworen hatte, nicht zu tun: aufgeräumt. Nun ja, das musste ich auch tun, schließlich muss der Boden, um ihn zu saugen, frei sein, was in meinem Haushalt kein unbeträchtliches Problem darstellt. Es ist nämlich so, dass ich mein Leben in Häufchen organisiere. Es gibt das Wäschehäufchen, das Geschirrhäufchen, das Bionade-Pfandflaschenhäufchen, das Dissertationshäufchen, das Zeitungshäufchen, das Kleinkramhäufchen, das Lesehäufchen vor dem Bett und das Häufchen mit den wichtigen Unterlagen, die dringend mal abgeheftet werden müssten. Das ist ein Ordnungsschema, das meine Mutter früher nie verstand, als das Wäschehäufchen noch das Barbiehäufchen und das Dissertationshäufchen noch das Legohäufchen war. Damals hieß es in sich überschlagender Kopfstimme: "Ich sagte aufräumen und basta! Sonst ist das Taschengeld für diese Woche gestrichen!" Ich verstand nicht recht, denn schließlich war aufgeräumt. Ich benötigte all diese Dinge, die wohlgeordnet und in hohem Maße systematisiert herumlagen schließlich täglich, warum sollte ich sie dann in Schränken wegschließen? Mittlerweile habe ich meine Ordnung perfektioniert, auch wenn es nicht so aussieht. Symptomatisch für die meinem Haushalt inne wohnende Ordnung ist die Sortierung von Büchern in diversen Regalen. Ich sortiere nach Genre, Gefallen und Aktualität. Das heißt: Krimis stehen im Flur oben, es sei denn, es ist ein schlechter Krimi, dann steht er vor dem Wohnzimmer unten. Aktuelle Romane finden sich im Wohnzimmer, es sei denn, sie sind langweilig, dann befinden sie sich vor dem Wohnzimmer oben. Weniger aktuelle stehen eine Reihe über den Krimis im Flur. Historische Romane haben ihren Platz im Flur unten, schlecht geschriebene liegen auf der Fensterbank, damit ich die dicken Schinken beim Lüften in den Fensterrahmen klemmen kann. Nennt man mir einen Buchtitel, finde ich ihn sofort, sehr zur Verzweiflung von Herrn Nessy, der keine bibliothekarische Ader besitzt. Deshalb habe ich meine Häufchen für Agneta auch nicht aufgelöst, sondern durch ordentliches Stapeln und räumliches Zusammenfassen lediglich besser kenntlich gemacht.
nessy - 17. Aug, 09:06
Ist ein Mitbewohner eigentlich auch Dein Freund?