Gruseln auf Polaroid
Soeben habe ich einige Kinderbilder von mir abfotografiert. Da ich keinen Scanner besitze beziehungsweise der meines Vaters aufgrund einer komplexen Computerkrankheit, der ich mich näher auf den Grund zu gehen weigere, nicht betriebsbereit ist, ist dies eine gute Möglichkeit, gelb-braune 70er- und 80er-Jahre Bilder digital zu sichern. Wenn ich wieder daheim bin, werde ich sie ordentlich bearbeiten und aufhübschen. Während ich als Kind ja ein ganz süßer Fratz war - sieht man von der Mireille-Madieu-Gedenkfrisur ab -, habe ich mich als Teenager stets gefragt, warum mich die Jungs aus meiner Klasse und vor allem aus den Klassen über mir nicht haben wollten. Rückblickend wird mir beim Durchblättern der Fotoalben jedoch Einiges klar. Lilane Cord-Hochwasserhosen, Smiley-T-Shirts und pulloverne Wollsäcke schmückten meinen Körper. Die Haare hingen entweder zottelig ins Gesicht oder waren dermaßen mit Haarspray an die Kopfhaut betoniert, dass selbst Windstärke 12+ ihnen nur ein leichtes Wippen abtrotzte. Das war alles anderes als süß. Auch nicht erotisch, wie ich damals im Hinblick auf amerikanische Vorabendserien gemutmaßt hatte. Wie gut, dass ich diese Zeit überwunden habe. Obwohl - wer weiß, was ich in 20 Jahren denke, wenn ich mir Fotos aus 2006 ansehe?
nessy - 26. Aug, 14:27