Wie ich Jesus annagelte
Im Gespräch mit Mann² und beim unbeständigen Flackern funzeliger Adventsbeleuchtung erinnerte ich mich jüngst an den Tag zurück, wie ich Jesus ans Kreuz nagelte.
Als ich an das Grab meiner Oma trat, sah ich es sofort: Jesus war schlecht aufgestellt. Mit dem Kopf nach unten baumelte er von dem kleinen, hölzernen Kreuz, das im Erdreich steckte, die Arme ausgebreitet wie ein Trapezkünstler. Hilflos hing er dort zwischen welken Stiefmütterchen und der viel gehegten Zuchtrose. Mit einem Ruck zog ich das Kreuz aus dem Humus, woraufhin Jesus, seine weltlichen Charakterzüge auslebend und der Massenträgheit folgend, gänzlich den Halt verlor. Kopfüber bohrte er sich zwischen die Flora.
Daheim in der Garage lagerte er erst einmal zwei Tage ein, um sich von dem Schock zu erholen. Auch ich musste mich sammeln, schließlich galt es, einen ketzerischen Akt zu vollziehen. Als ich am dritten Tage zu ihm trat, lag er noch immer da. Es führte kein Weg drumherum: Der Heiland musste wieder angenagelt werden. Also griff ich den Hammer und die Nagelsammlung und machte mich ans Werk.
Passende Nägel zu finden war nicht einfach: Hatten sie den richtigen Durchmesser, waren sie zu lang. Waren sie kurz genug, wackelte Jesus bedenklich. Einmal rutschte ich mit dem Hammer ab und schlug ihm heftig auf die Hand. Eine glückliche Fügung verhütete Schlimmeres.
Am Ende war ich fast ein bisschen stolz auf mich. Besser hätte es kein Pharisäer machen können. "Passt, wackelt und hat Luft", sagte ich mir, fuhr zum Friedhof und steckte ihn wieder zu den Stiefmütterchen.
Als ich an das Grab meiner Oma trat, sah ich es sofort: Jesus war schlecht aufgestellt. Mit dem Kopf nach unten baumelte er von dem kleinen, hölzernen Kreuz, das im Erdreich steckte, die Arme ausgebreitet wie ein Trapezkünstler. Hilflos hing er dort zwischen welken Stiefmütterchen und der viel gehegten Zuchtrose. Mit einem Ruck zog ich das Kreuz aus dem Humus, woraufhin Jesus, seine weltlichen Charakterzüge auslebend und der Massenträgheit folgend, gänzlich den Halt verlor. Kopfüber bohrte er sich zwischen die Flora.
Daheim in der Garage lagerte er erst einmal zwei Tage ein, um sich von dem Schock zu erholen. Auch ich musste mich sammeln, schließlich galt es, einen ketzerischen Akt zu vollziehen. Als ich am dritten Tage zu ihm trat, lag er noch immer da. Es führte kein Weg drumherum: Der Heiland musste wieder angenagelt werden. Also griff ich den Hammer und die Nagelsammlung und machte mich ans Werk.
Passende Nägel zu finden war nicht einfach: Hatten sie den richtigen Durchmesser, waren sie zu lang. Waren sie kurz genug, wackelte Jesus bedenklich. Einmal rutschte ich mit dem Hammer ab und schlug ihm heftig auf die Hand. Eine glückliche Fügung verhütete Schlimmeres.
Am Ende war ich fast ein bisschen stolz auf mich. Besser hätte es kein Pharisäer machen können. "Passt, wackelt und hat Luft", sagte ich mir, fuhr zum Friedhof und steckte ihn wieder zu den Stiefmütterchen.
nessy - 7. Dez, 10:45