Der Hühnerclub auf Dienstreise

Gestern war ich mit meinem Hühnerclub auf Dienstreise. Meine Damen-Handballmannschaft und ich hatten eine Tour in die Kölnarena zwecks Schauens der WM-Spiele um Platz fünf bis acht gebucht. Bereits drei Tage zuvor hatte die Mannschaftsführerin in einer Rundmail passende Bekleidung (Mannschafts-Shirt), Marschgepäck ("Mädels, Verpflegung wie früher auf Klassenfahrt!") und Fan-Ausstattung ("Moppel bringt Schminke mit! Cremt Euch vorher gut ein!") eingefordert.

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Morgens um elf ging's los. Kameradin #1, Lehrerin, gab den Startschuss: "Hat jeder seinen Nebenmann? Dann folgt dem Deutschlandfähnchen! Und zusammenbleiben, Mädels!" Der einzige Mann, der sich getraut hatte, uns zu begleiten, durfte die Kühltasche tragen. Wir standen noch am heimischen Bahnsteig, als schon die ersten Korken knallten. Kameradin #2 hatte eine neue Limo aufgetan: Damenbier mit Tequila-Flavour ("Ist bisschen warm, ersetzt dann den Kaffee heute morgen, woll?"). Mein Einwand, dass wir doch erstmal frühstücken sollten, verhallte ungehört, woraufhin #2 bereits auf der einstündigen Fahrt nach Köln schlecht wurde:

#2: Ey, Nessy, ist nur vom Rückwärtsfahren, ich schwör!
Nessy: Solange der Jürgen* nicht kommt.
#2: Der Jürgen war schon lange nicht mehr da.
Nessy: Kennt dein neuer Freund den Jürgen eigentlich schon?
#2: Nee, aber er würde mir bestimmt die Haare aus dem Gesicht halten.

Flüssige wie auch feste Nahrungsmittel hatten zur Kölnarena - wie überraschend! - keinen Zutritt, was dazu führte, dass die Gruppe sämtliche Genussmittel vor dem Durchqueren der Sicherheitskontrolle verzehren musste. Radler, Stauder, Stullen, Schokoladenhörnchen, Prinzenrolle, Multivitaminsäfte, Gummipfirsiche und andere bewusstseinsverändernde Drogen - alles musste weg. Die Folge: Bedürftige, die im Schatten der Arena ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln pfandpflichtiger Flaschen bestritten, besannen sich auf ihr ökonomisches Gespür, schränkten ihren Tätigkeitsradius rigoros ein und umlagerten uns mit Handkarren.

Wir saßen auf dem Südostrang. Über uns befand sich nur noch die Hallendecke. Im Fernsehen hätte man mehr gesehen, doch die Analyse sportlicher Darbietungen war nicht das Ziel der Butterfahrt.

#2: Wie hieß der Isländer, der gerade das Tor geworfen hat?
#3: Snorri.
#4: Stell dir mal vor, du musst den Namen beim Sex stöhnen.
#2 und #3: [im Duett] Oh, Snorri! Ja! Ja!
#1: Ich habe mir heute extra die Beine rasiert.
#4: Für Snorri?
#1: Für M.!!! Meinen Neuen!!! [rollt mit den Augen]
#2: Wie kommst du jetzt von Snorri auf M.?
#1: Mir fiel nur grad unsere erste Nacht ein ... und der Snorri ... ich meine ... direktes Spiel, schnörkelloser Wurf, schnelles Tor ... also jetzt im übertragenen Sinne ... du verstehst?!

Heute Nachmittag dann

Finaaaaaaaaaaaaleeeeeeeeeeee,
oooooooooooohhhhhoooooooooooooooooooooo,
Finaaaaaaaaaaaaaaaallleeeeeeeee,
ohohoho!!!

Nicht in der Kölnarena, aber in der Kneipe. Natürlich mit den Hühnern und in voller Fanmontur. Mehr als ein Mann ist diesmal auch zugegen. Wir müssen uns also ein bisschen zügeln mit unseren Albernheiten fachkundigen Spielbeobachtungen.
* Besuch vom Jürgen, und du musst würgen.

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