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Spaß mit Akademikern

These: Überschreitet der Anteil an Akademikern unter Partygästen den Wert von 50 Prozent, sinkt der Spaßfaktor um die doppelte Anzahl von Prozentpunkten, die der Akademikeranteil steigt. Das heißt bei 100 Prozent Akademikern null Prozent Spaß. Es gibt einfach viel coolere Dinge, als sich über koaxiale interferometrische Schichtdickenmessung oder das Geschlechterverhältnis auf der Fläche des alten Inka-Reiches nach dem peruanisch-bolivianischen Krieg von 1841 zu unterhalten. Da klinkt man sich nämlich schon beim Lesen geistig aus, oder? Na, wie viele von Euch zögern nun, diesen Beitrag zu Ende zu lesen?

Jetzt stellt Euch vor, Ihr werdet damit überfallen, während Ihr Euch nichtahnend am Buffet umseht. Als ich kleine Frühlingsrollen auf meinen Teller schaufele, steht plötzlich so ein Typ neben mir: Romanist mit Forschungsschwerpunkt Süadmerika. Mit einem Mal bin ich gefangen zwischen der Schlacht von Ingavi und einem Teller Rohkost, festgenagelt zwischen der Reinkarnation des antikonföderalen General Velasco und einem Zitronenkuchen. Kontrollierter Rückzug aus den umkämpften Gebieten: unmöglich. Einziger Weg: die Flucht nach vorn. Waffen: dumme Zwischenbemerkungen. Jedoch habe ich nicht mit dem langen Atem von General Velasco gerechnet, der nicht müde wird, der offenkundig unterbelichteten Nessy mit den einsam über den Teller rollenden Loempias die Zusammenhänge zwischen dem Friedensschluss von Pasco und emanzipatorischen Strömungen in La Paz zu referieren.

Kaum bin ich dem General entkommen, gerate ich in die Fänge von Fräulein Rottenmeier, ihres Zeichens Lehrerin der Fächer Philosophie und Französisch an einer achtzügigen Gesamtschule im Rheinischen. Dass das Bildungssystem dermaßen am Boden liegt, haben wir alle bereits geahnt, dass aber Einzelpersonen einen solch großen Anteil an seinem Niedergang haben, hätte ich nie zu vermuten gewagt. Die Revision und damit die Verbeamtung vor Augen nimmt Fräulein Rottenmeier sämtliches Unbill, das ihr knüppelharter Beruf mit sich bringt, in Kauf und wirft sich jeden Morgen mit dem Läuten der Glocke in die Schlacht um Bildung und Erziehung. Ihr Kampfgerät: die Fachdidaktik. Ihre Gegner: unkalkulierbar. Während sie wortreich Ursache, Fortgang und Folgen ihrer Scharmützel referiert, sehe ich mich versucht, ihr eine Fortbildung bei General Velasco anzuempfehlen.

Nach einer halben Stunde Schulfernsehen bleibt nur noch eins: die Flucht aufs rettende, weil stille Örtchen. Auf dem Weg ins gekachelte Zimmer überrascht mich Flip, der Grashüpfer. Behende springt er aus dem Arbeitszimmer und versperrt mir mit zwei seiner sechs Arme den Weg, während er über sein Dissertationsthema monologisiert: "Die Rolle japanischer Stellschirmmalerei bei der Reflexion des Gender-Problems im ausgehenden 19. Jahrhundert." Die kulinarischen Erfahrungen meiner China-Reise vor Augen, sehe ich Flip aufgespießt und in Erdnussöl geröstet vor mir, seine Ärmchen zappeln nur noch schwach in einer Manschette aus Bierteig.

Das Positive an dererlei Veranstaltungen: Meine Chancen, zum Ende meines Lebens als "Queen of Random Knowledge" geadelt zu werden, steigen. Darüber hinaus komme ich meinem Wunsch, Herrn Jauch einmal ohne Vorlesen der Antworten die Eine-Million-Frage zu beantworten, einen Schritt näher.

Jauch: Wie hieß der peruanische Befehlshaber in der Schlacht von Ingavi im Jahr 1841?
Nessy: Ach, lesen Sie erst vor. Ich bin mir etwas unsicher.
Jauch: Sie kennen die Antwort??
Nessy: Habe ich mal auf einer Party aufgeschnappt.
Jauch: Also dann, A Ghomorra, B Gamarra, C Ghemurra oder D Gomera.
Nessy: Hach je. Wissen Sie, ich hatte schon so viel Erdbeerbowle getrunken.

Dann lasse ich Herrn Jauch zappeln wie Flip, und am Ende gibt's ein Feuerwerk.

Du warst noch nicht auf einer Germanistenparty. Die oben beschriebene Situation ist vielleicht was für die Aufwärmphase. Aber erst wenn man sich Adorno-Zitate um die Ohren haut, hat man den schwarzen Gürtel erlangt. :-)) LG, WilderKaiser

Ha, Adorno! Das ist ja Muttersprache. Interessant wird es erst, wenn die Partygäste sich gegenseitig mit Zitaten in den Sprachen ihrer Studienfächern übertreffen und gucken wie eine Kuh, wenn's blitzt, wenn man nicht weiß, was Abe Kobo mit seinem Frühwerk "Daiyon kampyōki" gemeint hat. Ich Kleingeist.

Naja, die schwankenden provenzalischen Einflüsse in der Entwicklung der mittelhochdeutschen Liebeslyrik haben manchmal auch einen leichten Elfenbeinturm- (und somit Stall-) geruch. :-(

Es beeindruckt die moderne Frau von Welt leider auch nur noch bedingt, wenn ihr Ritter ausschweifend Franz Grillparzer rezitiert. Das thrillt nicht wirklich.

They, the people

"Der Umstand, dass Intellektuelle meist mit Intellektuellen zu tun haben, sollte sie nicht dazu verführen, ihresgleichen für noch gemeiner zu halten als den Rest der Menschheit".
Ein Germanist+Adornozitierer
.....


Sehr schöner Text :>)

Adornozitierer? *rutscht nervös in Kopfstimme* Nehmen Sie es mir nicht übel, aber dieses Tatsache wiegt Ihr kompliment leider auf. ;-)
Orinoko

Siehste wohl

das kommt davon, wenn man sich statt angekündigter Passivromantik dann doch einer Akademikerfeier stellt.
Aber wo wären wir ohne Herausforderungen?

Immerhin schien das Buffet sehr anregend bestückt zu sein. Du hattest doch nicht ernsthaft vor auf der Toilette zu futtern?
Also für mich klingt das, als wärest du die Einzige auf der Feier, die in einer Partnerschaft lebt und alle anderen Singles ohne Wunsch nach Veränderung :-)

Anbei vielen Dank für den mir neuen Begriff der "Queen of random Knowledge". Den werde ich bestümmt noch gebrauchen können.

Nach vielen Stunden der Passivromantik war es angeraten, einer Geburtstagseinladung zu folgen. Und sei es nur als Grund, endlich die Zähne zu putzen und zu duschen.

Die Frühlingsrollen habe ich im Gespräch mit Fräulein Rottenmeier verzehrt, Möhren-Ingwer-Salat und Waldbeeren-Quark gleich im Anschluss. Und ja: Flip wird noch eine Weile Single bleiben, genau wie General Velasco. Das sind zwei Männer, die Paartherapeutin Dr. Nessy eindeutig als Spezialfall einstuft.
svenja (Gast)

na, kann Dich der Günther nun auch nach kulinarischen köstlichkeiten löchern?

*gg

Sushi war aus gestern abend. Insofern: nein. :-)

bilde dich nur weiter ;-) irgendwann geht es dir dann wie dem Protagonisten in dem wunderbaren Buch Rupien, Rupien , der alle Fragen der indischen Millionenshow aufgrund von zufälligen erlebnissen beantworten kann *bildungsbeflissen schauend*

Das Buch steht seit eben auf meiner Wunschliste. Vielversprechend.

Es ist in der Tat so. Das unnützeste Wissen sammle ich bei solchen Gelegenheiten oder beim Gucken nutzloser Fernsehdokumentationen. Die Möglichkeiten, damit Leute zu beeindrucken, sind allerdings beschränkt.

sag das nicht - ich habe da einen bekannten, der sein ganzes (Halb)wissen aus dem regelmäßigen Hören von Radiosendungen hat - und dann hängen ihm die Mädels - wie oben beschrieben - an den Lippen (oder sind unsäglich genervt)

Dieses hält Nachfragen nicht Stand. Blenderwissen. Das wurmt mich, und irgendwie fühle ich mich auch schlecht den Leuten gegenüber, die sagen: "Boah, was Du alles weißt." Denn im Grunde weiß ich nichts. Nichts über das hinaus, was ich gerade gesagt habe. Es gibt dann die Leute, die wichtig drauflos reden und so tun, als wüssten sie mehr, aber im Grunde nur Quark erzählen. Das liegt mir nicht.

Wow!

Eine umwerfend toll geschriebene Studie.

Mich wundert irgendwie nicht, dass Sie sofort als exzellente Gesprächspartnerin erkannt und belegt werden.

:-)

Leider bin ich immer dann auf Intellektuellenparties, wenn ich viel lieber den ganzen Abend dumme Sprüche reißen würde. Wenn mir allerdings mal nicht nach dummen Sprüchen ist, sind keine Leute mit Grips in der Nähe. Blöd, das.

Eine These, die sich an dem Abend bestätigt hat: Männern gefällt es, Frauen mit ihrem Wissen zu beeindrucken. Ein bisschen blöd tun, mit den Rehaugen interessiert-bewundernd plinkern, während man sich ungeschickt ein Salatblättchen auflädt, schon nimmt der Jäger die Fährte auf.

Hach. Beschränktheit vortäuschen und dann, ganz zum Schluss, eine intelligente Frage stellen, die seinen Vortrag konterkariert - das ist der ultimative Dolchstoß. Das aber jetzt unter uns.

Fies, ich weiß. Mache ich auch nicht. Nie.

Ich hoffe ich ende nicht genauso wie diese Speichellecker : |. Wissen das die Welt nicht braucht, so würde ich deren Aussagen deuten. Und dafür vergeuden manche ihre Gehirnzellen, unglaublich ...

Wir könnten uns immerhin über Dein Aquarium unterhalten. :-P
Orinoko

Hach, hab ich doch oben ganz vergessen, auf ein von mir sehr geschätztes Werk hinzuweisen, welches mittlerweile in drei Fortsetzungen zu haben ist.
Das Handbuch nutzlosen Wissens nämlich, Band I - III.

http://www.amazon.de/Das-ultimative-Handbuch-nutzlosen-Wissens/dp/3423202068

Auf das der Partyspaß keine Ende nehme :-D

Die gesammelten Schotts tuns es auch. Gepaart mit Dr. Ankowitschs Universal-Handbuch komme ich auf jeder Klugscheißer-Party zurecht.

ich geh nicht mehr auf akademikerpartys. leider wissen auch banker und werber alles und alles besser. aber ich ja auch, hab ja schließlich studiert...

Banker und Werber, oh ja. Und PR-ler. Und Zahnärzte erzählen immer nur von Wurzelfüllungen. Irgendwie sind doch alle Berufsgruppen schlimm, wenn sie geballt auftreten.

akademikerINNEN

am schlimmsten sind die AKADEMIKERweiber ohne arbeit. und wenn ich nie ne frau krieg, so eine kommt mir nicht mehr über die bettkante.amen.

Also diejenige, die den Doktortitel durch Heirat erworben hat?

neue variante

ja die auch.auf diese genre bin ich noch gar nicht gestoßen.
nein mein objekt des abschusses sind diejenigen die irgendwas sinnloses studiert haben mit oder ohne abschluß- sich nen mann für die kröten nehmen. die kröten ausgeben und jedem sagen,sie HÄTTEN karriere gemacht wenn nicht die kinder usw.

alleinerziehende mütter können das auch.[arbeiten und geld verdienen.die fragt gar keiner, die müssen]

und weil sich diese form nicht-arbeitender akademikerinnen ständig aufspielen ,da ausgeruht und gut versorgt, nerven sie mich kolossal.
nen mann für die kohle haben und DEN frauen ,die arbeiten, sagen, wos im leben lang geht.
das ist mein feindbild nr.1

das ist mein feindbild nr.1

Ich merk's. :-)
Die Identifikation mit dem Mann geht meiner Erfahrung nach soweit, dass sie sich nicht nur seinen beruflichen Erfolg auf die Fahne schreibt, sondern nach einer Trennung erstmal den VHS-Kurs "Wer bin ich? Selbstfindung für Einsteiger" belegen muss.

köstlich.

und den vhs-kurs zahlt der Alte ex? und sie sind fast psychotherapeutinnen nach dem kurs?
ja das kenne ich auch.
abschalten,aus-knopf drücken.sonst überfiele mich
unstillbares erbrechen.

Bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen, meine Meinung steht schon fest.

Toll sind auch Partys mit einer abnormalen Häufung von Informatikern oder solchen, die es werden wollen.

Informatiker können unterhaltsam sein. Können.
Markus (Gast)

Sofern Sie dem Typus "Ich werde/bin Informatiker, weil mich das Thema interessiert" angehören. Gegenteil des Typus "Ich werde/bin Informatiker weil, meine soziale Verödung nur diesen Beruf zulässt. Vielleicht noch Pathologe oder Finanzbeamter."

Aber Vorsicht, Herr Markus!
Markus (Gast)

Ups! Vertschuldigung. Zu meiner Rettung: Vermutlich gibts auch unter Pathologen eine entsprechende Teilung in 2+x mögliche Gruppierungen. Einen guten Finanzbeamten habe ich. Auch wenn mein Pathologe gut sein wird, die Chancen mit ihm gut klar zu kommen werde ich kaum beeinflussen können ;). In diesem Sinne: No Offense!

Mit meinem Pathologen halte ich's wie mit dem Bestatter. Wer mich tot nackt sieht, sollte es lebendig nicht getan haben.

Na, da nehmen Sie mir ja jede Perspektive jetzt.

;-)))

Bei Ihnen könnte ich doch glatt schwach werden und gegen meine Prinzipien verstoßen. ;-)

das kommt auch gut.

ich bin informatiker. wow. brust raus und beim wachsen zusehn. ich kenne das zu genüge.
ich sag dann immer: "ich bin ein kleines würstchen."
dann haben mich FAST alle lieb.

Lieber über die emanzipatorischen strömungen in la paz oder falsifikationsprobleme der generativisten plaudern als auch nur eine minute uninformierten oder banalen smalltalk ertragen.

Beides gleich unterhaltsam.

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Kaffeeklatsch

Oh, ist das schön! Vielleicht...
Oh, ist das schön! Vielleicht ist es dann noch...
nina (Gast) - 17. Dez, 15:55
So ähnlich
http://redders.wordpress.c om/2009/12/14/ich-wurd-sie -nie-hergeben/
Marco (Gast) - 17. Dez, 07:47
Sie könnten ja auch...
Sie könnten ja auch den Jetzigen behalten und...
nessy - 16. Dez, 11:41
Wunderschön! Ich...
Wunderschön! Ich möchte auch mal solche...
LeilaCouleur - 15. Dez, 23:45
Ich bin auch schon mehrfach...
Ich bin auch schon mehrfach anlässlich von Hamburgbesuchen...
lordfoltermord (Gast) - 15. Dez, 18:23

Keks dazu

T9
Aktuellstes, dem Telefonino beigebrachtes Wort: schnorcheln

Mood

Kundschaft

Kaffeemühle

 

Pächter

Im Geschäft seit 1443 Tagen.
Letzte Bestellung: 17. Dez, 15:55

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