Kommentiert
Roman schreibt über Trennungen, und ich habe dazu kommentiert:
Es ist wie damals in der Schule, wenn man von der vorderen in die hintere Bank wechselte, damit alle mal gut sehen und alle mal ungestört abschreiben konnten. Manchmal, wenn ein Geruch oder ein Geräusch oder eine unbedarfte Erzählung Dritter flüchtige Erinnerungen weckt, kehrt die alte Liebe, die tot geglaubte Zuneigung, die verlorene Freundschaft zurück in die erste Reihe, bleibt dort eine Weile und verschwindet dann wieder in die hintere Bank, um dort zu schlafen, bis sie erneut geweckt wird. Es sind Momente voller Intensität, wenn die Gefühle sich nach vorne trauen. Es ist erhebend und irritierend zugleich, wenn sie mir streberhaft zublinzeln, mir mit eifrigen Fingern ins Gesicht schnipsen, als wüssten sie die Antwort auf eine Frage, die ich nicht gestellt habe.
Mit der Wärme, die sich breit macht, spüre ich stets ein zartes, aber schmerzhaftes Stechen, das sanft eine unbestimmte Melancholie nährt. Von seiner Stelle in meinem Herzen flüstert mir mein Vertrauter zu: "Es wird uns nie wieder geben." Die Einsicht, dass es im Leben keine Wiederholung gibt, dass die zweite Chance, wenn sie sich überhaupt bietet, nur die Illusion einer Möglichkeit und nicht das Original sein kann, macht einen kurzen Moment lang traurig. Doch dann fasse ich mir ein Herz und flüstere erhobenen Hauptes zurück: "Aber es gab uns. Das allein ist, was rückblickend zählt."
Ja, es ist so. Einmal empfundene Zuneigung hört nicht auf, es sei denn, man beginnt, den anderen zu verabscheuen, aber wann geschieht das schonmal? Meist bleibt man doch verbunden, und das Interesse am anderen aufrichtig, auch wenn der Lebensweg kein gemeinsamer mehr ist. [...]Trenne ich mich von einem Menschen oder geht der Kontakt zu ihm verloren, gibt es diese Stelle in meinem Herzen. Es ist, als ob ein "Reserviert"-Schild dort stünde, das es unmöglich macht, den Platz anderweitig zu vergeben. Freilich, die Bedeutsamkeit der Empfindungen lässt mit der Zeit nach und rückt aus dem Fokus der Einflussnahme und unmittelbaren Wahrnehmung. Doch die Zuneigung - eine Abneigung hat sich noch nie entwickelt, noch nicht einmal Gleichgültigkeit - bleibt existent.
Was am Ende meist bleibt, ist eine Sammlung schöner Momente. Trotz allem. Trotz des Wissens, dass es nicht zu einem längeren Miteinander gereicht hat. Dieses Scheitern im Angesicht des so greifbaren Glücks ist es, das die Sache so bitter macht.
Es ist wie damals in der Schule, wenn man von der vorderen in die hintere Bank wechselte, damit alle mal gut sehen und alle mal ungestört abschreiben konnten. Manchmal, wenn ein Geruch oder ein Geräusch oder eine unbedarfte Erzählung Dritter flüchtige Erinnerungen weckt, kehrt die alte Liebe, die tot geglaubte Zuneigung, die verlorene Freundschaft zurück in die erste Reihe, bleibt dort eine Weile und verschwindet dann wieder in die hintere Bank, um dort zu schlafen, bis sie erneut geweckt wird. Es sind Momente voller Intensität, wenn die Gefühle sich nach vorne trauen. Es ist erhebend und irritierend zugleich, wenn sie mir streberhaft zublinzeln, mir mit eifrigen Fingern ins Gesicht schnipsen, als wüssten sie die Antwort auf eine Frage, die ich nicht gestellt habe.
Mit der Wärme, die sich breit macht, spüre ich stets ein zartes, aber schmerzhaftes Stechen, das sanft eine unbestimmte Melancholie nährt. Von seiner Stelle in meinem Herzen flüstert mir mein Vertrauter zu: "Es wird uns nie wieder geben." Die Einsicht, dass es im Leben keine Wiederholung gibt, dass die zweite Chance, wenn sie sich überhaupt bietet, nur die Illusion einer Möglichkeit und nicht das Original sein kann, macht einen kurzen Moment lang traurig. Doch dann fasse ich mir ein Herz und flüstere erhobenen Hauptes zurück: "Aber es gab uns. Das allein ist, was rückblickend zählt."
nessy - 29. Jun, 12:04
