[>>]

Die Ketchup-Kinder und der Mann mit der Geige

Bei mir gegenüber wohnt die Ketchup-Familie. Sie heißt Ketchup-Familie, weil die Kinder eine ganze Menge Ketchup-Flecken auf ihrem Gesicht und ihrer Kleidung spazieren tragen und weil sie den Eindruck machen, als gäbe es bei ihnen nur Dinge zu essen, zu denen Ketchup passt. Wobei Ketchup natürlich zu allem passt, wenn man Kind ist, aber davon mal abgesehen.

Die Ketchup-Familie ist eine jener Großstadt-Familien, in der zwar keine Kinder verhungern, sie aber auch keine besondere Beachtung finden. So werden die drei Buben der Ketchups, nennen wir sie Marvin, Melvin und Justin, morgens auf die Straße geschickt und erst abends wieder reingeholt. In der Zwischenzeit laufen sie orientierungslos den Bürgersteig entlang, dreschen aufeinander ein, bis einer heult, oder sitzen einfach nur da und graben mit Stöcken in den Blumenrabatten, bis einer der Passanten mit ihnen schimpft.

Marvin, Melvin und Justin haben eine Mama und ein paar Männer, die vielleicht ihre Papas sind. Die Mama hat blond gefärbte Haare und trägt unter ihrem Top einen kleinen Hängebauch von den Schwangerschaften. Sie ist noch keine 30, aber ihre Gesichtshaut ist fahl und ihr Blick stumpf. Manchmal schubst sie die Kinder hinaus und ich sehe sie an der verglasten Tür des Mehrfamilienhauses, eine Kippe in der einen Hand, ihr Handy in der anderen. Es gibt Tage, da kehrt sie mit ihren drei Buben von einem unbekannten Ort zurück, die Kinder laufen vor ihr her, schlagen sich mit gefundenen Ästen und schreien "Fick dich!" durch die Straßenschluchten, während sie SMS tippt.

Wenn einer der Papas vorfährt, heften sich Marvin, Melvin und Justin an seine Beine, kaum dass er aus dem Auto gestiegen ist. Mit fahrigen Bewegungen fährt seine Hand über die Köpfe der Kinder. Aber eigentlich will er zur Ketchup-Mama, die die Treppe hinunter kommt, weil sie das Jubelgeschrei der Buben gehört hat. Die beiden gehen ins Haus, und während sie in der Wohnung sind, klingeln die Kinder vor der verglasten Haustür so lange, bis der Papa hinunter kommt und sie ausschimpft.

Seit einigen Wochen haben Marvin, Melvin und Justin einen neuen Freund, den Mann mit der Geige. Der Mann mit der Geige ist ein großer Asiate mit vollem, fast langem Haar und feinen Gesichtszügen. Er wohnt in einem der Appartments in der Nachbarschaft, die auf Zeit vermietet werden. Jeden Tag steht er an der Straße, den Geigenkasten über der Schulter, die Hände in den Taschen seiner Hose vergraben und wartet auf seinen Chauffeur. Es dauert immer nur wenige Minuten, dann kommen die Ketchup-Kinder und umschwirren ihn wie kleine Motten das Licht. Sie lieben ihn, denn er kniet sich hin, wenn er mit ihnen spricht, fragt nach, wenn sie ihm etwas erzählen und berührt sie vorsichtig am Arm, wenn er mit ihnen lacht. Jedesmal, wenn der Mann mit der Geige bei seinem Chauffeur ins Auto gestiegen ist, laufen die Ketchup-Kinder winkend neben dem Wagen den Bürgersteig entlang, bis er um die Ecke und auf die Hauptstraße gebogen ist. Dann gehen sie gesenkten Hauptes wieder zurück, setzen sich an ein Blumenrabatt und schlagen mit Stöcken auf die Pflanzen ein.

Ketchup-Familien

Davon gibt es viel zu viele, und sie werden immer mehr. Sehr schön beschrieben Nessy. Kind n°2 hat eine Ketchup-Freundin. Der ich zuhöre. Und auch nachfrage. Obwohl ich nicht immer hören will, was sie erzählt.

Dass sie immer mehr werden - das Gefühl habe ich auch. Vielleicht hängt es aber nur damit zusammen, dass ich in einem hübschen, behüteten Kleinstadtviertel aufgewachsen bin und ich sie nun in der Großstadt vermehrt wahrnehme.

Heute will man eigentlich nicht immer hören, was die Ketchup-Kinder erzählen, und später, wenn sie Ketchup-Erwachsene sind, will man es eigentlich auch nicht.

Aber vielleicht werden sie keine Ketchup-Erwachsene, wenn es mehr zuhörende Geiger gäbe? Eine kleine Chance gibt's vielleicht.

Auch zuhörende Klavierspieler würden wahrscheinlich helfen.

Dumm nur

dass man die so schlecht in den Geigenkoffer bekommt... (o;

Die Kinder? Die passen doch sogar in Blumenkästen.

wenn man früh genug dran denkt.

Ein schöner Text, der mich sehr nachdenklich stimmt. Ja, es gibt sehr viele Kinder, die so aufwachsen. Und die später einmal erwachsen sein werden. Finden sie dann etwas anderes, worauf sie mit Stöcken einschlagen können? Ich mag gar nicht daran denken...LG, WilderKaiser

Sicherlich finden sie etwas anderes. Die eigenen Ketchup-Kinder bieten sich geradezu an.

Die Kinder tun mir leid.
Hatten mal ähnliches direkt gegenüber - auf dem Land! Es war beinahe unerträglich mit Geschrei, Gezanke, Gehaue, Fäkalsprache. Dabei waren die Eltern der Mutter wirklich liebe und nette Menschen - ich habe sogar Tante zur Mutter gesagt. Wie das aus der Tochter werden konnte, hat niemand bei uns verstanden.

Genauso wie niemand so recht weiß, warum manche Ketchup-Kinder den Weg aus ihrem Ketchup-Dasein finden, während die meisten von ihnen dort bleiben, wo sie sind: unten.

Wenn man die Gründe genau wüßte, gäbe es die Ketchup Kinder vielleicht nicht mehr.

Ich weiß auch, dass Schokolade dick macht, und trotzdem bin ich ein Mops. Die gesamtgesellschaftlichen Möpse wird es auch immer geben. Dessen bin ich mir ziemlich sicher.

Eben drum. Weil man die Gründe nie ausmerzen kann und auch nie genau wissen kann, ändert sich auch níchts. Ansonsten würden wir einer Utopie leben.

Solche Kinder sind ganz ganz arm dran.

Und man hilft ihnen nur mit kostenloser Ganztagsbetreuung in der Schule und im Kindergarten. Wenigstens ein bisschen.
walter-von-der-vogelweide

Könntest Du bitte

bei uns Kultusministerin werden??

Für solche Kinder ja. Allerdings muss das nichtmal kostenlos sein, diese vernachlässigten Kinder kommen nichtmal annähernd alle aus der Unterschicht.

@Walter: Weißt Du, ich glaube, dass eine Kulturministerin mit Idealen allein nicht hilft, sondern dass sie sich aufreibt zwischen all den Großkopferten, die vor allem ihre eigenen Interessen verfolgen.

@Nachtblau: Emotionale Vernachlässigung gibt es in allen Schichten. Aber nur in der Unterschicht stößt sie auf eine Gemengelage von Problemen, deren entscheidenster Bestandteil nicht die finanzielle, sondern die kulturelle und intellektuelle Armut ist.

Das ist einfach nicht richtig. Ein reiches Kind kann genauso arm an Kultur und Intellekt aufwachsen. Die meisten dieser Kinder habe ich persönlich in der Grundschule unseres Bonzenviertels erlebt. Wer soetwas nur auf die Unterschicht bezieht, macht es sich zu einfach.

Mit kultureller und intellektueller Armut meine ich das grundsätzliche Fehlen an Möglichkeiten und unmittelbaren Angeboten, nicht deren tatsächliche Ausschöpfung und Nutzung.

Das Problem ist in den Schichten meines Erachtens unterschiedlich gelagert: Während es den Kindern der Unterschicht von vorne herein an Möglichkeiten fehlt, sich zu bilden, sie von ihren Eltern auf die Möglichkeiten nicht hingewiesen werden und diese ihnen selbst kein ädäquates Vorbild und keine Reibungsfläche bieten, haben Kinder aus anderen Schichten diese Möglichkeiten - aus finanzieller Sicht, aber auch, weil sie sie kennen und in ihrem Alltag erleben. Dass sie diese dann nicht nutzen und gegebenenfalls verrohen, liegt eher am emotionalen Aspekt der Vernachlässigung. Bei beiden Gruppen gleich ist das Desinteresse der Eltern.

Die Möglichkeiten sind auch in der Unterschicht gegeben, vielleicht in etwas anderer Form, aber es gäbe sie.
Das Problem liegt ganz woanders, egal in welcher Schicht: man hat Kinder, aber man mag nicht sehen, dass Kinder nicht von selbst funktionieren, sondern dass man sie zum Lernen, zum Hausaufgabenmachen, zum sich halbwegs vernünftig Verhalten anhalten muss, und dass man das, was man von ihnen will, auch vorleben sollte.

Das sehe ich genauso. Der Wille, sich mit Kindern auseinander zu setzen, auch wenn es einem selbst viel abverlangt, ist der Knackpunkt.

In höheren Schichten scheint mir die Vernachlässigung reflektierter zu geschehen. Die Eltern hätten die Fähigkeit, sich besser zu kümmern, es fehlt nur der Wille. In den klassischen Unterschicht-Familien, über die wir reden, haben die Eltern es meist nicht anders erlebt und sind selbst nicht in der Lage, ihr Verhalten ohne Hilfe zu reflektieren oder zu verbessern.

Da ist es aber egal, ob Mutti beim Charityevent oder beim Saufen mit den Nachbarn ist ;)

Im Ergebnis ist es das, ja.

Allerdings ist es beim abgestumpften Oberschicht-Bubi wahrscheinlicher, dass mit Vatis Hilfe doch noch etwas aus ihm wird. Die Ketchup-Kinder haben nur ihre eigenen Kräfte.

Das ja, mit Geld kann man sich viel kaufen, deswegen auch die hohe Diskrepanz zwischen reich und arm bei PISA.

Das Gehalt eines Menschen (= der Eltern) korreliert aber auch mit seinem Bildungsgrad, insofern kann man die PISA-Ergebnisse von Kindern nicht allein auf die Finanzkraft der Eltern reduzieren, da diese gleichzeitig ein Indikator deren intellektueller Fähigkeiten ist - zumindest rein statistisch. Im Einzelfall muss es natürlich keinen Kausalzusammenhang geben.

Du glaubst also noch im Ernst, dass Abitur mit Intellekt zusammenfällt?

Ich glaube an einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen erreichtem Bildungsgrad und Intellekt, ja. Was aber nicht heißt, dass es keine unabhängigen Variablen gibt und ich mich der Diskussion über sie verwehre.

Wer die erreichten Leistungen eines Menschen allein auf dessen oder die Finanzkraft der Eltern reduziert, macht es sich genauso einfach wie derjenige, der behauptet, es gäbe keine anderen Einflussfaktoren als den Intellekt.

schöner text.

diese ketchup -kinder sehe ich oft in unserer ambulanz und sie sind oft unendlich einsam und leer und wissen mit ihrem leben null anzufangen. meist schule abgebrochen, manchmal drogen und dann diverse be-schulungsmaßnahmen durch den staat. dann auffällig geworden durch gewalt an sich oder andern.
die mutter gibt es zu dem zeitpunkt nicht mehr. sie hat ne neue ketchupflasche als samenspender erkoren und ist in eine neue ketchupstadt gezogen.

Die Tatsache, dass die Anzahl der Kinder immer mehr mit dem Bildungsgrad der Mütter korreliert, wird in diesem Land noch große Probleme bereiten. Nur scheint es populärer, sie zu verdrängen, anstatt mit einem wirkungsvollen Gesamtkonzept gegenzusteuern.

korrelation.

sauber mathematisch formuliert: die anzahl der kinder korreliert negativ mit dem bildungsgrad der mütter.
es ist ein teilweise mieses geschäft mit dem kinderkriegen.ohne in stammtischpolemik zu verfallen, so erklärte mir neulich eine mutter mit hartz4 und ein mann ohne arbeit sie würden jetzt ihr 4tes kind erwarten, weil sie mit dem geld dafür besser über die runden kämen.
2 der andern kinder sind bei mir/uns in therapie.unglaublich um zuwendung heischend bemüht.seis mit dem konkurrieren um krankheiten in der geschwisterreihe -wie z.b. herzprobleme, die bei sich vernachlässigt fühlenden kindern oft eine rolle spielen.
mit der krankheit im herz meinen die kinder, da kriegen sie die mutter immer. anfangs stimmt diese rechnung, aber dann interessiert sich die mutter für dieses ketchup-kind absolut nicht mehr, so dass ihm in der pubertät bisweilen nur die kriminalität bleibt um zuwendung/aufmerksamkeit zu bekommen.
selbst die hochgeprießenen ADS-kinder, wo jede mutter meint eines zu haben, sind nur ein produkt unsrer gesellschaft. wenn das kind verhaltensauffällig ist,dann hat es ADS, dann kann man es beruhigt in die Hände eines Psychofuzzis geben und die verantwortung abgeben. es ist eine sagen wir mal-bequeme diagnose[für die mutter].ausnahmen bestätigen die regel.

solange akademischen müttern kein anreiz und keine unterstützung bei der aufzucht der kinder geboten wird ,die lukrativ erscheint, wird es dort langfristig in einer sackgasse enden. diese frauen entscheiden sich leider gegen ein kind.denn zum einen sind die arbeitsplätze nicht entsprechend und zum andern sind viele, viele krippenplätze komplett überfüllt.

ADS ... mmmh, ich habe keine fundierten Kenntnisse darüber, aber es scheint mir doch eher, als sei es eine Modekrankheit. Früher waren die Kinder auch zappelig oder fahrig oder beides, aber sie waren einfach so und irgendwie haben sie mit vereinten Kräften ihren Platz gefunden. Jetzt gibt es diesen Platz nicht mehr so richtig und die vereinten Kräfte auch nicht, und es gibt auch keine Jobs mehr für Träumer, für diejenigen, die in der Schule nichts können, aber praktisch viel drauf haben, und für diejenigen, die beides nicht beherrschen, aber ein großes Herz haben. Also gibt man den Kindern eine Pille, und dann wird es schon werden. Zumindest können sie dann besser geradeaus denken, und sie sind nicht mehr so anstrengend.

Und über das Dilemma der Akademikerinnen könnte ich ganze Bücher schreiben.

ADS

yep, du hast recht.ich habe fundierte kenntnisse darüber. es ist eine modekrankheit und eine ausrede der mütter für schlechte erziehung oder vernachlässigung.
hört sich gemein an, ist mir aber egal.ich ertrage diese hysterischen ununterbrochen redenden mütter mit ihren ebensolchen kindern manchmal nicht.

Frau Ketchup erinnert mich an meine eigene Nachbaring... nur dass ihre Kinder Justen (jawohl, mit "E"), Samantha und Sophie-Marie heißen. Weiß auch nicht wie der letzte Name zu Stande gekommen ist.

Justen mit "E", aber Nachbarin ohne "G". Verzeihung.

Ein paar Sachen stimmen nicht oder sind etwas überzeichnet, aber ansonsten sind sogar zwei der Namen identisch. Sie scheinen den Mitschüler vom kleinen Monster zu kennen, der allerdings auch ganz andere Seiten hat. Traurig, dass solche Realitäten, die Sie beschrieben haben, schon Stereotypen sind.

Marvibn, Melvin und Justin schenken mir zwar keine Blumen, wenn sie im Winter aber ihre Nasen an den Fenstern der Wohnung plattdrücken, winken sie mir zu, wenn ich vorbei gehe.

Ein ebenso schöner wie schauriger Text. Schön geschrieben, schön der kleine Lichtblick im tristen Grau, schaurig die Zeit im Grau. Auch in Düsseldorf stelle ich fast täglich fest, dass hier ganz viele Männer mit Geigen fehlen - obwohl man den Männern mit den Geigen nicht vorwerfen kann, dass die fehlen; die Vorwürfe gehen an andere.

Als langjährige Bewohnerin eines nördlichen Düsseldorfer Problemstadtteils kann ich das bestätigen.

Haltestelle 701, Mutter und Sohn stehen vor dem Häuschen. Sohn betrachtet interessiert die Schienen und fragt nach einer Weile mit Blick nach oben zu ihr: "Mama, wie stellt der Schaffner eigentlich die Weichen um?" Mama: "Halt die Fresse."

Ja, es ist nur ein Beispiel von vielen.

Traurigerweise ist das immerhin schon als Kommunikation zu werten. Noch schlimmer sind die Mütter, die ihr Kind überhaupt nicht wahrzunehmen scheinen. Wie ein Fremdobjekt kreiselt das kleine um den Elternteil herum, während letzteres demonstratives Desinteresse zeigt.
Man mag sich gar nicht vorstellen, wohin dieser Teufelskreis (wie man es gelernt hat, so gibt man es selbst weiter) noch führt.

Parallelgesellschaften.
j.bin_ich

schlimme Zustände, mir fehlen die Worte.


Ketchup-Kinder

Ein nettes Wort, das fast zu harmlos für diese Art Familie ist. Man fragt sich sofort, was in den Köpfen der Ketchup-Eltern vor sich geht... ob überhaupt... traurig, traurig...

Irgendwas wird schon vorgehen in ihren Köpfen. Ich habe das Gefühl, sie sehen Kinder eher so wie Pflanzen: Man füttert sie, sie wachsen, und es ist alles in Ordnung.

7 Fälle

ob überhaupt?

Fall 1:
Eben, da geht nichts vor, und das unabhängig vom Gesellschaftlichen Stande der Eltern.
Nachbarn der Freundin, "sozial schwach" eingestuft, schicken die Kinder zu bestimmten Zeiten raus, dort schreien sie unmotiviert herum, schlagen sich mit Metallstangen gegenseitig. Haben sie genug davon schlagen sie auf die Bäume ein. Sie nehmen die abgeschlagenen Äste und schlagen auf Blumen, Zäune und Gartenmöbel ein.
Einige werfen mit Steinen nach Vögeln oder Katzen.
Abends werden die wieder in die Wohnung gelassen, der Spuk hat ein Ende.

Fall 2:
Familie in gehobener Einfamilienhausgegend, BMW X5 vor der Tür. Winter. Hoher Schnee.

Gehe mit Freundin an dem Haus vorbei, in dessem Vorgarten drei Kinder (10-12 Jahre) lärmend mit Gartenspaten den Schnee platt schlagen. Ein Junge sieht uns und schleudert Schnee mit dem Spaten auf uns. Beim zweiten mal ist er so dicht an uns herangekommen, das der Spaten fast auf dem Kopf meiner Freundin landet.
Auf meinen Auspruch, das man dir (dem Jungen) dafür mal eine kräftige Orfeige geben müsste und ob ihm nicht klar wäre, das er hier jemanden verletzen könnte, kam nur: "Das ist mir egal, ich darf ALLES, schlagen darf ich ihn auch nicht, er holt sonst seinen Papa, der ruft den Anwalt an und dann bekomme ich viel Ärger"
Naja, hab ich mir gedacht, Kinder schlägt man auch nicht, aber dem Vater sollte man für so eine Erziehung wirklich ne kräftige Ohrfeige verpassen.

Fall3:
Hochwertiges Neubaugebiet, gut verdienende, rechtschaffende, konservative Leute.
Das Auto parkt 30cm von der Hauswand entfernt. Kind kommt von der Schule nach Hause, geht nicht dort vorbei wo gar ein Panzer vorbeikäme, sondern quetscht sich sammt Ranzen durch die enge Lücke an der Hauswand vorbei. Auto weist oberflächliche Kratzer (die aber wieder auspoliert werden konnten) auf. Beschwerde bei der Mutter führt zu unkontrolliertem, hysterischem Geschrei. Das ist nur ein Kind, und meines darf alles. - Diskussion nicht möglich, Argumente prallen ab.

Fall4:
Helgoland Fähre. Schönes Wetter.

Ketchup Mutter mit Kind. Das Kind ist wild und laut.
Mutter:"Wenn du nicht SOFORT die Klappe hälst, rufe ich die POLIZEI, die nimmt dich dann mit und SPERRT DICH EIN. (wie deinen Vater)

Fall 5:
Kunsthandwerker Markt. Stand mit Glaskunst.
Dort kann man gute Gesellschaftstudien machen.
Es fallen einerseits Eltern mit unglaublich höflichen Kindern auf, die fassen die Glasobjekte vorsichtig an, fragen vorher natürlich, freuen sich, alles bestens. Auch die die Eltern zeigen Geistige Reife im Gespräch.
Anderseits dann Kinder, die auch mal die Dinge anfassen wollen. Aus dem off hört man es aber brüllen "FASS DAS NICHT AN" "DUMMES KIND"!!!!
Dann gibt es solche die fassen alles grob an, lassen die Dinge absichtlich herunterfallen, benehmen sich wie Idioten und die Eltern stehen dümmlich grinsend dabei und finden das alles in Ordnung.
Auf den Hinweis, das ein solches Verhalten sich nicht ziert, reagieren die Eltern mit Unverständniss, sie haben es wohl selber nicht besser gelernt.

Fall6:
Ein Kind scheisst in Kundentoilette das Klo voll, das auch unter der Klobrille Scheisseklumpen kleben (wie auch immer das geht?). Mutter des Kindes reagiert wie in Fall 3. Das ist doch nur ein Kind, das darf das. Gegenargumente werden furienhaft hysterisch beantwortet.
Wie wohl das Klo bei diesen Leuten zuhause aussieht?

EDIT:
Fall7:

Kind hat in der Schule im Kunstunterricht mit viel Hingabe ein Bild gemalt. Mutter holt Kind von der Schule ab. Kind läuft freudestrahlend der Mutter entgegen um ihr das tolle Bild zu zeigen.
Mutter: "Was ist denn das für ein Scheiss" und wirft es in die nächste Strassenmülltonne...

Fazit:

Ich denke das allgemein viele Menschen nur damit beschäftigt sind, intensiv an nichts zu denken.
TimoBeil (Gast)

Wie Wahr - ähhh VIVA

Hallo Nessy,

wie kommt es, das Du öfters wirklich "unnette" Tatsachen so nett beschreibst, das dem Leser nur durch deine Wortwahl das Grinsen kommt, der Sachverhalt an sich aber so gruselig ist, das man garnicht wissen will, was später aus den Akteuren wird.

Dafür meine Hochachtung, mach weiter so ;-)

Ps: Neulich bin ich beim zappen in einer "Hochzeitdoku" gelandet - bin mir relativ sicher, das mindestens einer der "Prominenten" Darsteller das Abitur hat. Leider hab ich nicht sofort weitergezappt und könnte dementsprechend viel schreiben, ob es nun die Aktrice ist, die einen "Rettet die Welt durch weniger Co²" Konzert mitmoderiert - während der "zukünftige" zur gleichen zeit an einem "Auto-Rennen" durch den öffentlichen Berliner Stadtverkehr veranstaltet...

Einer der beiden hat ganz sicher Abi gemacht, vielleicht sogar beide, bin mir nicht sicher, ob durch solche "VorBILDER" die Generation "Ketchup" erst enstehen konnte.

Viva la Vida (es lebe das Leben)

Es war bestimmt die Hochzeit von Frau Gülcan. Allerdings kann ich mich weder zur ihr noch zu Herrn Kamps qualifiziert äußern, weil ich die Sendung höchstens eine Minute verfolgt habe. Es war eine Szene, in der sie in einem Sahnebaisser-haften Kleid steckte und vier schnatternde Weiber ihre Meinung dazu abgaben, mit Stimmen im Ultraschallbereich. Habe jetzt noch ein leises Fiepen in den Ohren.

Doof ist halt cool.

Ich habe lange überlegt, ob und was ich schreiben sollte. Aber es fällt mir nichts ein. Solche Geschichten machen mich sprachlos und traurig, da sich hier mal wieder an denen versündigt wird, die doch gar nichts dafür können, daß es sie gibt.
Und es sind, meinem Empfinden nach, so viele und es werden, ebenfalls meinem Empfinden nach, immer mehr.
Dabei kann es so einfach sein, seinem Kind ein positives Bild von sich und der Welt zu vermitteln. Zuhören, Zeit nehmen, ein bißchen von sich geben. Man bekommt doch so viel zurück.
Ich verstehe diese Menschen nicht. Auch nicht, warum sie gleich so viele Kinder bekommen müssen.
Manchmal sind mir Menschen widerlich.

Dass es mehr werden, ist auch mein Eindruck, aber vielleicht liegt es einfach nur an meiner Wohnlage und dass ich viel S-Bahn fahre.

Weshalb gerade diejenigen, die schon ein Kind nicht seelisch gesund großkriegen, immer noch zwei oder drei weitere bekommen, ist mir auch ein Rätsel. Vielleicht wegen romantischer Vorstellungen vom Familienleben? Fehlender Weitsicht? Lust auf Kindergeld? Verantwortungslosem Umgang mit Verhütungsmitteln? Oder einfach, weil sie es wollen? Mmmh.

Die Diskussion dürfte schnell ins poitisch Unkorrekte abdriften, fürchte ich.

Das darf aber kein Grund sein, sie nicht zu führen.

Schade das Mama diesen Geigenmann nicht auch liebt....

Selbst wenn, fürchte ich, dass der Geigenmann Mama nicht lieben würde.
Thomas (Gast)

wir haben es in der Hand !

Fein beobachtet, Nessy

… und es überhaupt wahrnehmen, ist der erste Schritt zur Veränderung.
Aber die Geigen-Männer dieser Welt machen uns vor, wie es geht:

Hinwendung
Zeit widmen
Perspektive geben
Werte vermitteln
An das Machbare glauben
Strukturen schaffen, die Halt geben
Lieben

Erziehe mit Schlägen und Du wirst Gewalt ernten
Gib ihnen Süßes und sie sind kurzfristig still
Erkläre ihnen, wie Gummibärchen gemacht werden und Du wirst sie fesseln
Mach mit ihnen Gummibärchen selbst und Du hast sie auf Deiner Seite
Spiel mit Ihnen in Projekten Marktwirtschaft und Handel und sie werden verstehen
Zeig ihnen Deine Grenzen und Werte und sie sind in der Lage nachzuahmen
Lass sie erleben, was mit Achtung und Liebe zu erreichen ist,
dann…..

Klingt nach Binsenweisheiten. Und klingt einfacher, als es ist. Aber genau darum geht's.
Der Bernd (Gast)

Gerade frage ich mich, wie viele der schlauen Kommentatoren und Kommentatorinnen hier selbst Kinder haben.

Ich weiß von etwa der Hälfte, dass sie Kinder haben. Aber was möchtest Du mit dem Kommentar sagen? Dass Kinderlose jegliche Meinung über die Verwahrlosung von Kindern - überhaupt über alles, was Kinder betrifft - verwehrt bleiben sollte?
j.bin_ich

die Frage möchte ich beantworten

Ich selbst habe eine Tochter im Alter von 6 Jahren, eine Stieftochter im Alter von 16 Jahren und einen Stiefsohn im Alter von 20.

Noch als ich kinderlos war, entsetze mich das verwahrlosen manche Kinder sehr.

Also lieber Bernd, was tut dies zur Sache. Sind deine Kinder verwahrlost und du bist der Meinung, nur wer eigene Kinder hat darf sich eine Meinung machen und sein entsetzen aussprechen?

Fassungslosigkeit einer Mutter

Trackback URL:
http://nessy.twoday.net/stories/4073055/modTrackback


Kaffeeklatsch

irgendwie verdammt makaber...
irgendwie verdammt makaber O.o
ratatosk - 6. Dez, 15:12
"Friedhof der Kuscheltiere"...
"Friedhof der Kuscheltiere" las ich seinerzeit mit...
nessy - 6. Dez, 14:58
Dagegen hätte ich...
Dagegen hätte ich jetzt nichts. Ich flippere gerne,...
nessy - 6. Dez, 14:01
Nichts gegen das Grab...
Nichts gegen das Grab des Luden, der nebenher fünf...
nessy - 6. Dez, 13:59
... und auf dem Grabstein...
... und auf dem Grabstein kleben wohl verteilte Kleckse...
nessy - 6. Dez, 13:57

Keks dazu

T9
Aktuellstes, dem Telefonino beigebrachtes Wort: schnorcheln

Mood

Kundschaft

Kaffeemühle

 

Pächter

Im Geschäft seit 1432 Tagen.
Letzte Bestellung: 6. Dez, 19:03

Hinterzimmer
Ich brühe Ihnen gerne persönlich einen Kaffee auf: die.liebe.nessy [bei] gmail [punkt] com

Formalitäten der Verköstigung
Lieber Kaffeehausgast, Sie dürfen die Inhalte dieses Blog nicht ohne meine Erlaubnis vervielfältigen, verbreiten und öffentlich aufführen. Ich distanziere ich mich von denjenigen Inhalten dieser Website, die ich nicht selbst produziert habe. Kommentare mit werblicher Absicht sind kostenpflichtig. Pro Kommentar stelle ich eine Pauschale von 600 Euro (zzgl. MwSt., Anwaltkosten und Bearbeitungsgebühr) in Rechnung.