@Walter: Weißt Du, ich glaube, dass eine Kulturministerin mit Idealen allein nicht hilft, sondern dass sie sich aufreibt zwischen all den Großkopferten, die vor allem ihre eigenen Interessen verfolgen.
@Nachtblau: Emotionale Vernachlässigung gibt es in allen Schichten. Aber nur in der Unterschicht stößt sie auf eine Gemengelage von Problemen, deren entscheidenster Bestandteil nicht die finanzielle, sondern die kulturelle und intellektuelle Armut ist.
Das ist einfach nicht richtig. Ein reiches Kind kann genauso arm an Kultur und Intellekt aufwachsen. Die meisten dieser Kinder habe ich persönlich in der Grundschule unseres Bonzenviertels erlebt. Wer soetwas nur auf die Unterschicht bezieht, macht es sich zu einfach.
Mit kultureller und intellektueller Armut meine ich das grundsätzliche Fehlen an Möglichkeiten und unmittelbaren Angeboten, nicht deren tatsächliche Ausschöpfung und Nutzung.
Das Problem ist in den Schichten meines Erachtens unterschiedlich gelagert: Während es den Kindern der Unterschicht von vorne herein an Möglichkeiten fehlt, sich zu bilden, sie von ihren Eltern auf die Möglichkeiten nicht hingewiesen werden und diese ihnen selbst kein ädäquates Vorbild und keine Reibungsfläche bieten, haben Kinder aus anderen Schichten diese Möglichkeiten - aus finanzieller Sicht, aber auch, weil sie sie kennen und in ihrem Alltag erleben. Dass sie diese dann nicht nutzen und gegebenenfalls verrohen, liegt eher am emotionalen Aspekt der Vernachlässigung. Bei beiden Gruppen gleich ist das Desinteresse der Eltern.
Die Möglichkeiten sind auch in der Unterschicht gegeben, vielleicht in etwas anderer Form, aber es gäbe sie.
Das Problem liegt ganz woanders, egal in welcher Schicht: man hat Kinder, aber man mag nicht sehen, dass Kinder nicht von selbst funktionieren, sondern dass man sie zum Lernen, zum Hausaufgabenmachen, zum sich halbwegs vernünftig Verhalten anhalten muss, und dass man das, was man von ihnen will, auch vorleben sollte.
Das sehe ich genauso. Der Wille, sich mit Kindern auseinander zu setzen, auch wenn es einem selbst viel abverlangt, ist der Knackpunkt.
In höheren Schichten scheint mir die Vernachlässigung reflektierter zu geschehen. Die Eltern hätten die Fähigkeit, sich besser zu kümmern, es fehlt nur der Wille. In den klassischen Unterschicht-Familien, über die wir reden, haben die Eltern es meist nicht anders erlebt und sind selbst nicht in der Lage, ihr Verhalten ohne Hilfe zu reflektieren oder zu verbessern.
Allerdings ist es beim abgestumpften Oberschicht-Bubi wahrscheinlicher, dass mit Vatis Hilfe doch noch etwas aus ihm wird. Die Ketchup-Kinder haben nur ihre eigenen Kräfte.
Das Gehalt eines Menschen (= der Eltern) korreliert aber auch mit seinem Bildungsgrad, insofern kann man die PISA-Ergebnisse von Kindern nicht allein auf die Finanzkraft der Eltern reduzieren, da diese gleichzeitig ein Indikator deren intellektueller Fähigkeiten ist - zumindest rein statistisch. Im Einzelfall muss es natürlich keinen Kausalzusammenhang geben.
Ich glaube an einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen erreichtem Bildungsgrad und Intellekt, ja. Was aber nicht heißt, dass es keine unabhängigen Variablen gibt und ich mich der Diskussion über sie verwehre.
Wer die erreichten Leistungen eines Menschen allein auf dessen oder die Finanzkraft der Eltern reduziert, macht es sich genauso einfach wie derjenige, der behauptet, es gäbe keine anderen Einflussfaktoren als den Intellekt.
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Könntest Du bitte
@Nachtblau: Emotionale Vernachlässigung gibt es in allen Schichten. Aber nur in der Unterschicht stößt sie auf eine Gemengelage von Problemen, deren entscheidenster Bestandteil nicht die finanzielle, sondern die kulturelle und intellektuelle Armut ist.
Das Problem ist in den Schichten meines Erachtens unterschiedlich gelagert: Während es den Kindern der Unterschicht von vorne herein an Möglichkeiten fehlt, sich zu bilden, sie von ihren Eltern auf die Möglichkeiten nicht hingewiesen werden und diese ihnen selbst kein ädäquates Vorbild und keine Reibungsfläche bieten, haben Kinder aus anderen Schichten diese Möglichkeiten - aus finanzieller Sicht, aber auch, weil sie sie kennen und in ihrem Alltag erleben. Dass sie diese dann nicht nutzen und gegebenenfalls verrohen, liegt eher am emotionalen Aspekt der Vernachlässigung. Bei beiden Gruppen gleich ist das Desinteresse der Eltern.
Das Problem liegt ganz woanders, egal in welcher Schicht: man hat Kinder, aber man mag nicht sehen, dass Kinder nicht von selbst funktionieren, sondern dass man sie zum Lernen, zum Hausaufgabenmachen, zum sich halbwegs vernünftig Verhalten anhalten muss, und dass man das, was man von ihnen will, auch vorleben sollte.
In höheren Schichten scheint mir die Vernachlässigung reflektierter zu geschehen. Die Eltern hätten die Fähigkeit, sich besser zu kümmern, es fehlt nur der Wille. In den klassischen Unterschicht-Familien, über die wir reden, haben die Eltern es meist nicht anders erlebt und sind selbst nicht in der Lage, ihr Verhalten ohne Hilfe zu reflektieren oder zu verbessern.
Allerdings ist es beim abgestumpften Oberschicht-Bubi wahrscheinlicher, dass mit Vatis Hilfe doch noch etwas aus ihm wird. Die Ketchup-Kinder haben nur ihre eigenen Kräfte.
Wer die erreichten Leistungen eines Menschen allein auf dessen oder die Finanzkraft der Eltern reduziert, macht es sich genauso einfach wie derjenige, der behauptet, es gäbe keine anderen Einflussfaktoren als den Intellekt.