Zweifel
Es gibt diese Tage, an denen ich darüber nachdenke, wie das mit dem Bloggen ist, warum ich das mache und ob ich es so weitermachen soll. Ob ich es überhaupt weitermachen soll oder ob es ich es anders weitermachen soll. Zum Beispiel, indem ich unter meinem Realnamen blogge und nicht mehr über Echtledersofas und Oberinspektoren schreibe, sondern über etwas, das die Welt revolutioniert oder wenigstens einen Zweck erfüllt. Denn, ach, so lautet ja der allgemeine Tenor, die deutsche Blogosphäre sei so voll von Belanglosem. Stöckchen und Katzencontent allerorten. Ein bisschen was ist dran an der Kritik, denn - mal an die eigene Nase gefasst - auch in meinem Kännchenblog gibt es nichts Anderes als konturlose Geschichten aus einem Leben, das jedes Leben sein könnte.
In diesen Stunden ist es wieder soweit: Ich sitze da und frage mich, ob ich das Bloggen nicht einfach sein lassen soll. Dieses öffentliche In-die-Welt-Hineinschreiben von Episoden, ein Erzähltippen von Geschichten und Gedanken, die meine sind und doch wieder nicht. Die in dem Moment gut und richtig sind, in dem ich sie verfasse, die aber jeder auf ewig lesen kann. Dadurch erlangen sie eine Allgemeingültigkeit, die sie nicht haben, genauso wie das Kännchen-Café und seine Besitzerin nicht ich, die Autorin, sondern nur Erzähler sind.
Doch für den Leser macht das keinen Unterschied. Der Leser kennt nur Nessy, und Nessy ist für ihn Autorin und Erzählerin zugleich. Wie soll er auch zu einem anderen Schluss kommen, schließlich kann er sich nur auf Basis dessen ein Bild machen, was er liest und hört, und nicht auf der Grundlage von Begebenheiten, die er nicht kennt, weil sie im Blog nichts zu suchen haben. "Beyond Nessy" - das habe ich einmal in einen E-Mail-Betreff geschrieben, denn es gibt ein "Darüber hinaus", im Verborgenen.
Und die Anonymität? Seien wir realistisch: Mit der Anonymität ist es, wenn es hart auf hart kommt, nicht weit her. Ich warte noch auf den Tag, an dem ich irgendwo stehe und jemand auf mich zukommt, der sagt: "Ich habe lange überlegt, woher ich Ihre Stimme kenne, aber jetzt weiß ich es ... sind Sie Nessy?" Was werde ich dann anderes sagen können als "ja"? Sicher, man kann nun argumentieren: Wer bin ich schon? Wieso sollte mich jemand von den paar hundert Leuten erkennen, die mein Blog ab und zu besuchen? Das wäre ja ein Zufall!
Aber die Welt ist kleiner, als sie allgemein erscheint, die Anzahl derer, die Blogs lesen, erst recht. Das zu unterschätzen, wäre wahrscheinlich einer der größten Fehler eines öffentlichen Schreibhansels. Ich selbst erkenne schließlich auch den ein oder anderen; sofort, mit ein bisschen Kombinationsgabe oder nach unbedacht preisgegebenen Informationen offenbaren sich plötzlich Identitäten. Wenn man auch nur ab und an oder auch öfters mit Menschen zu tun hat, die unter Garantie regelmäßig Blogs lesen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann jemanden gibt, bei dem der Zufall zuschlägt und gleichzeitig ein Groschen fällt. Am Ende stehe ich dann da, nackt, und der Entdecker beginnt, 21 Monate Kännchencafé nach etwas zu durchforsten, das sein Bild über mich schärfen könnte - in einem Blog, geschrieben von einer "Nessy", in deren Hemd ich mich allmählich nicht mehr wohl fühle.
Dann bin ich wieder am Anfang und überlege: Warum dieses öffentliche Niederschreiben bedeutungsloser Anekdoten, die niemandem nutzen, aber vielleicht irgendwann schaden, mit einem Nickname, der im Zweifel keinen Pfifferling wert ist?
Eine Frage, die ich beiseite schiebe, die ich mir aber wiederkehrend stelle. Ist es der Anfang vom Ende, wenn sie erst einmal existiert?
In diesen Stunden ist es wieder soweit: Ich sitze da und frage mich, ob ich das Bloggen nicht einfach sein lassen soll. Dieses öffentliche In-die-Welt-Hineinschreiben von Episoden, ein Erzähltippen von Geschichten und Gedanken, die meine sind und doch wieder nicht. Die in dem Moment gut und richtig sind, in dem ich sie verfasse, die aber jeder auf ewig lesen kann. Dadurch erlangen sie eine Allgemeingültigkeit, die sie nicht haben, genauso wie das Kännchen-Café und seine Besitzerin nicht ich, die Autorin, sondern nur Erzähler sind.
Doch für den Leser macht das keinen Unterschied. Der Leser kennt nur Nessy, und Nessy ist für ihn Autorin und Erzählerin zugleich. Wie soll er auch zu einem anderen Schluss kommen, schließlich kann er sich nur auf Basis dessen ein Bild machen, was er liest und hört, und nicht auf der Grundlage von Begebenheiten, die er nicht kennt, weil sie im Blog nichts zu suchen haben. "Beyond Nessy" - das habe ich einmal in einen E-Mail-Betreff geschrieben, denn es gibt ein "Darüber hinaus", im Verborgenen.
Und die Anonymität? Seien wir realistisch: Mit der Anonymität ist es, wenn es hart auf hart kommt, nicht weit her. Ich warte noch auf den Tag, an dem ich irgendwo stehe und jemand auf mich zukommt, der sagt: "Ich habe lange überlegt, woher ich Ihre Stimme kenne, aber jetzt weiß ich es ... sind Sie Nessy?" Was werde ich dann anderes sagen können als "ja"? Sicher, man kann nun argumentieren: Wer bin ich schon? Wieso sollte mich jemand von den paar hundert Leuten erkennen, die mein Blog ab und zu besuchen? Das wäre ja ein Zufall!
Aber die Welt ist kleiner, als sie allgemein erscheint, die Anzahl derer, die Blogs lesen, erst recht. Das zu unterschätzen, wäre wahrscheinlich einer der größten Fehler eines öffentlichen Schreibhansels. Ich selbst erkenne schließlich auch den ein oder anderen; sofort, mit ein bisschen Kombinationsgabe oder nach unbedacht preisgegebenen Informationen offenbaren sich plötzlich Identitäten. Wenn man auch nur ab und an oder auch öfters mit Menschen zu tun hat, die unter Garantie regelmäßig Blogs lesen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann jemanden gibt, bei dem der Zufall zuschlägt und gleichzeitig ein Groschen fällt. Am Ende stehe ich dann da, nackt, und der Entdecker beginnt, 21 Monate Kännchencafé nach etwas zu durchforsten, das sein Bild über mich schärfen könnte - in einem Blog, geschrieben von einer "Nessy", in deren Hemd ich mich allmählich nicht mehr wohl fühle.
Dann bin ich wieder am Anfang und überlege: Warum dieses öffentliche Niederschreiben bedeutungsloser Anekdoten, die niemandem nutzen, aber vielleicht irgendwann schaden, mit einem Nickname, der im Zweifel keinen Pfifferling wert ist?
Eine Frage, die ich beiseite schiebe, die ich mir aber wiederkehrend stelle. Ist es der Anfang vom Ende, wenn sie erst einmal existiert?
nessy - 4. Sep, 01:02

Ich zitiere an dieser Stelle mal den Herrn Niggemeier, der es der allgmeinen Ansicht nach ja wissen muss:
"... schafft etwas, wozu Blogs wunderbar geeignet sind: Es gibt mir die Illusion, jemandem nahe zu sein, den ich nicht kenne und von dem ich (scheinbar) fast nichts weiß. Es lässt mich Anteil nehmen an seinem Leben und davon berührt werden."
Ich weiss nicht, ob Dich das jetzt beinflussen kann, ich weiss eigentlich nicht mal, ob es das soll, aber ich wollte schon lange mal sagen: Du machst das ganz wunderbar hier. Merci dafür.
Stefan Niggemeier hat sehr Recht mit dem, was er sagt. Auch wenn die Übereinstimmung real - virtuell bei Blogs bei Weitem größer ist, ist es ein bisschen wie bei der Wahrnehmung von Serienschauspielern: Der Schauspieler ist die Rolle, und die Rolle ist der Schauspieler.
Aber: das spielt ja überhaupt keine Rolle.
Interessanterweise trenne ich da - ich habe zwei sehr gute Freundinen, die eine bloggt unter einem Pseudonym, die andere unter ihrem Namen.
Bei der ersten lese ich ein Blog, lese Gedanken von jemandem, aber es bleibt bei einem Kunstnamen, bei der zweiten schaue ich im Blog, wie es ihr geht. Krass, wenn man so drüber nachdenkt.
Und: meine Macke, das so zu trennen kann man bestimmt nicht verallgemeinern.
Die Trennung kann ich gut nachvollziehen.