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Ende dieses Monats findet in Herrn Nessys Firma wieder ein Quartalsessen statt. Quartalsessen sind Zusammenkünfte gelangweilter Offiziere mit ihrem Bataillonskommandeur zwecks Selbstbeweihräucherung und gleichzeitiger Zusichnahme feiner Speisen. Die Anwesenheit der lieben Gattin wird stets gerne gesehen. Man möchte fast sagen: Je öfter die Angetraute auf dererlei Veranstaltungen zugegen ist und je devoter sie dabei zu den ordensgeschmückten Herren aufblickt, desto förderlicher wirkt sich das Mahl auf die Karriere des Partners aus.

Weil das so ist, bin ich während des Quartalsessens stets bemüht, das herzigste und unbedarfteste Wesen im ganzen Raum zu sein. Das Signal, das davon ausgeht: Die Ehefrau, die bewundernd zu ihrem Mann aufblickt, unterwirft sich nicht nur ihm, sondern auch dem Unbill, das seine Tätigkeit beim Verein mit sich bringt. Ergo: Der Gemahl gehört der Firma.

Die wichtigsten Regeln eines Quartalsessens sind deshalb:
  • Die gereichten Speisen sind außerordentlich köstlich.
  • Alle essen erst, wenn der Kommandeur isst.
  • Weil der Kommandeur zunächst viel redet, empfiehlt es sich, auf der Fahrt zur Veranstaltung ein belegtes Brot zu sich zu nehmen.
  • Nach der Vorsuppe kommt erstmal lange nichts, abgesehen von vielen wichtigen Worten über das Wohl und Wehe des deutschen Heeres, angefangen bei der Erfindung der Panzerhaubitze.
  • Über den Tisch hüpfende Salat-Croutinos dürfen nicht mit einem beherzten Stoß der Gabel eingefangen, sondern müssen vielmehr ignoriert werden.
  • Das emaillierte Bataillonswappen, das der Gatte geschenkt bekommt, ist total sexy und bekommt deshalb einen Ehrenplatz im Keller über dem ehelichen Federbett.
  • Je blöder eine Frau tut, desto mehr erfährt sie über den Charakter der anwesenden Hohen Herren.
  • Je mehr sie über den Charakter der anwesenden Hohen Herren erfährt, desto mehr hilft es ihrem Mann, sich dieses Wissen zunutze zu machen.
  • Blond ist in diesem Zusammenhang nicht hinderlich.
  • Alles ist ein Spiel.
Beim nächsten Mal gibt es übrigens Rehrücken. Ob es sich dabei um das seit Wochen durch die Kaserne hüpfende Wild handelt, dessetwegen eigens ein Förster einbestellt wurde, ist bislang nicht geklärt.

Klingt nach einem vergnüglichen Abend. Macht sicher mehr Spass als eine Zahnwurzelbehandlung.

Humor und ein gewisser Abstand sind der Schlüssel zu einem kurzweiligen Abend.

Meine Erfahrungen mit Offizieren haben gezeigt, dass sie grösstenteils für Ironie und Sarkasmus keine Antenne haben. Und einen Abend lang aufpassen müssen, was ich sage .. ich bewundere Dich jetzt schon!

Ich würde die Herren in drei Kategorien unterteilen:
1. der verbissene Karrierist (60%)
2. der Dienst-nach-Vorschrift-Tuer (30%)
3. der sarkastische Beobachter mit Hang zum Revoluzzertum (10%)

Es ist sehr wichtig, an einen Tisch mit einem hohen Anteil 3er zu kommen.

Ich

wäre alleine schon ein Dreiertisch. (Nicht von meinen Abmessungen her).

Bekäme ich dann Probleme mit dem Herrn Landesverteidiger?

Der Herr Landesverteidiger und ich, wir würden uns gerne zu Ihnen gesellen. Es empfiehlt sich eine Ecklage weitab des Büffets. Dort ist man am ungestörtesten, hat den besten Blick aufs Geschehen und kann beim Gang zum Essen hier und da Kameraden anerkennend auf die Schulter klopfen oder (für Damen) sich bei der schwangeren Gattin des S3-Offiziers nach dem Befinden erkundigen.
walter-von-der-vogelweide

Für Geschäfte mit dem Verein

sind allerdings die Nummer drei eher störend "Ich hab das Pfichtenheft nicht gelesen - aber ich weiß was drin stehen müsste"
Dann lieber die Nummer zwei :-)
Beim Projekt-Trinken ist mir allerdings auch die 3 lieber ;-)

spitze! seit 150 jahren hat sich nichts geändert. nur wurde der rehrücken ca. 1910 im stehen zu sich genommen. es gibt einen schriftsteller namens ludwig renn, der das sehr schön beschreibt: blechhelm der galauniform zwischen die beine geklemmt (ablegen güldet nicht und auflassen auch nicht) und dann von der dame den teller halten lassen, um das zähe reh zu zersäbeln.
und diese unsäglich häßlichen geschenke! meine oma hat noch einen ganzen keller davon. der brüller war eine bodenvase aus einer polierten granatenhülse mit aufgenieteter widmung.
wobei es im ostblock lange russsiche toasts mit makellos deutsch vorgetragenen goethe- und heine-gedichten gab und wenn die fertig waren, mußten hundert gramm wodka auf ex im offizier entsorgt werden. gefahrenzulage gab es dafür leider nicht.

Uff! So schlimm ist es nun doch nicht mehr. Eher gleicht das Possenspiel jedem gezwungen-zwanglosen Post-Feierabend-Socializing in einem deutschen Unternehmen, nur dass die Herren alle den gleichen Anzug anhaben.

Die Damen bekommen übrigens mittlerweile einen Blumenstrauß, den man beim Verabschieden nicht vergessen darf.

zivildienst - die alternative.
da gab´s im altenheim einmal im jahr das obligatorische grillen auf dem parkplatz wahlweise im hof. in der mitte standen die rollis mit den omis, außenrum die angehörigen mit den roten und thüringern, die zivis standen am grill mit der zange und dem becksle. einzige gemeinsamkeit: der stabsunteroffizier die oberschwester und der bataillionsleiter heimleiter haben ewige ansprachen gehalten. glücklicherweise mit dem rücken zum grill. jeweils ein becksle mehr.

Gab es keine Blasmusik? Keinen Auftritt des örtlichen Männergesangsvereins, der noch einmal einen Funken vergessen geglaubter Leidenschaft in die Augen der Rolli-Omas zauberte?

aber latürnich, zumal der gauheimleiter selbst im kirchenblasorchester oder wie das heißt die tröte trat. für die leidenschaftsfunken waren aber eher die zivis zuständig. was rissen sich die omis um uns - was ist schon eine altenhelferin dagegen?

War die Tatsache, dass Sie im Rahmen pflegerischer-medizinischer Tätigkeit Objekt weiblicher Begierde wurden, ein Ansporn, bei der Berufswahl im Metier zu bleiben?

Ach Nessy. Genau wegen solchen Texten schau ich immer wieder gern bei Dir rein. Danke.

Ich glaube, das Dasein als Spielverderber macht mehr Spaß. :·)

Das ist das Dasein als Spielverderber. Am meisten Spaß macht nämlich nicht, das eine Match für sich zu entscheiden, sondern während der gesamten Saison kontinuierlich zu punkten. Das geht nur, indem man den Gegner in Sicherheit wiegt und seine Argumente langfristig für sich verwendet, ohne dass er es merkt.

liebe frau nessy,
mit großer freude lese ich ihre beiträge und fliege fast regelmäßig vor lachen,vom stuhl!
mußte aber mit großem bedauern feststellen, dass das zweierpack LEIDER für mich nicht erreichbar ist! ich hoffe, dass sie am design rumtüfteln, und nicht, dass das zweierpack vom netz ist??!!??

gruß vom krimifan

Am Design wird nicht getüftelt, aber wir sind bald wieder da.

wichtig ist auch in diesem spiel nicht der spielverderber zu sein, aber trotzdem frühzeitig das weite zu suchen, den sonst werden diese fürchterlichen lieder gesungen, von denen keiner so richtig weiß welche strophe den jetzt eigentlich noch gesungen werden darf und welche nicht.

fragen sie doch das nächste mal frau herman ob sie zeit hat, ich bin mir sicher sie würde sich dort sehr wohl fühlen.

Nee, nee, Du verwechselst da etwas. Auf diesen Veranstaltungen werden keine Lieder mit verbotenen Strophen gesungen. Das passiert, wenn überhaupt noch, beim Kanistersaufen auf dem Uffz-Abend. Es wandert aber eher ins Reich der gut gepflegten Bundeswehrlegenden ab.

wie gestern im privatfernsehen kolportiert wurde, heißt ihre neue talkshow aufm ndr "herman & göring"

Ah, Eva Braun Herrmann. Jaja. Jedes Wort über die Dame ist eines zu viel.

kann natürlich sein das solche lieder wohl eher auf dem uffz abenden gesungen werden und sage jetzt mal einfach das die höheren dienstgrade doch etwas intelligenter sind.

was wir doch alle hoffen.

legenden sind doch so dinge die jemand mal erzählt hat von dem der wahrheitsgehalt ziemlich niedrig ist oder?

Nein das ist keine legende.

und zum thema: ich hatte die "ehre", während des gwd bei solchen festivitäten als ordonanz ausschenkenderweise hinter der bar zu stehen. das beste war wirklich "mund halten und aufmerksam unaufmerksam sein". also die getränkewünsche der sich abfüllenden aufmerksam zu erfüllen und ansonsten unaufmerksam gegenüber der herren verhalten und äußerungen zu sein. und wehe, man wagte es, vor allem zu fortgeschrittener stunde, mit einer der damen, deren bekekste besitzer anwesend waren, nett zu plaudern. je nach pegel und kinderstube der herren gab es teils unschöne reaktionen.

Die Ordonanzen sind ein außerordentlicher Lichtblick an solchen Abenden, glauben Sie mir. Junge, fesche Herren, die erfrischend unbelastet ihren Dienst versehen. Meist sind sie sehr nervös, die armen Kekse, und müssen am Ende mit dem Kommandeur ein Glas klebrigen Kräuterlikör auf sich selbst heben.

@gulogulo
ich hatte auch einmal die ehre so eine ordonanz zu sein und wenn wir nicht gebraucht wurden hatten wir uns zu verpissen.
lichtblicke in form von frauen gab es keine und da haben wir uns über das essen hergemacht, es war übrigens lecker.
es lag wohl daran das wir nur Kantinenessen gewohnt waren.

wir mussten uns einmal über die getränke hermachen, auf befehl eines völlig zuen uo. aber diese jugenderinnerungen passen nicht wirklich zu frau nessys beitrag. ;-)

nein auch ich werde nichts weiteres erzählen über diesen netten schützenverein, denn ich möchte es mir nicht mit nessy verscherzen ;-)

Nur frei von der Leber weg, die Herren. Ich habe ein entspanntes Verhältnis zur Firma. Merkt man das nicht?

doch die lockere und entspannte einstellung ist ja auch schön nessy, nur habe ich jetzt keine fachlichen argumente mehr um zu provozieren.

Es ist das Wesen dergleichen geschlossener Gesellschaft ....

- manche nennen es ja auch fälschlich "Staat im Staate" - sich mit Ritualen eine bestimmte Norm aufzuerlegen.
Betrachtet man die Historie - und die "Firma" vorurteilslos, so kommt man zu dem Ergebnis, daß das Verhalten zwar 'fremd' wirkt, für die innere Geschlossenheit aber durchaus dienlich ist ....

Alle Beobachtungen ließen sich auch anders interpretieren - natürlich wären sie dann weniger spektakulär darzustellen und brächten die Leser lediglich dazu müde zu grinsen .... es würde mich sehr interessieren, liebe Frau Nessy, was Herr Nessy zu einer Diskussion wie dieser sagt:
Stimmt er Ihnen zu?
Lehnt er das Fazit ab?

Im Fall der Fälle (kriegerische Auseinandersetzung, für die nicht-gedienten Laien) muß sollte sich jeder Offizier der Stärken und Schwächen seiner vorgesetzten bzw. untergebenen Ebene klar sein:
Das kann Leben & Resourcen sparen .... und so betrachtet haben die Rituale durchaus einen 'tieferen' Sinn ....

Für überzogen und völlig unangemessen halte ich einige der Vor-Beiträge, in denen vereinzelt vorkommende Auswüchse gnadenlos verallgemeinert werden oder aus denen hervorgeht, daß es den Autoren (bar jeder Kenntnis der Vorgänge in einer Kaserne / in der Truppe) lediglich darum geht ihre nachgeplapperten Vorurteile breitzutreten. Arm.

Abschließend nur noch ein Gedanke:
Wer von den Schreibern - die hier so lässig über die Soldaten lästern - wäre denn bereit für die eigene Freiheit - z.B. sich hier äußern zu können - einzutreten, zur Not unter Einsatz des eigenen Lebens?

Dumme Sprüche sind wohlfeil .... das zumindest wird in der vorangehenden Diskussion wieder einmal deutlich ....

*schämt sich, verkriecht sich in sein internet-mauseloch, traut sich nicht mehr hervor, bedankt sich aber stillschweigend bei allen soldaten, die ermöglichen, dass wir hier so wohlfeil lästern können*
*erinnert sich der pinkelbeckenschwenkerei des zvilidienstes und fragt sich, ob er heute nicht disziplinierter und trinkfester und damit seiner stärken und schwächen mehr bewußt wäre, wenn er nicht verweigert hätte*

Zerknirschung ....

vorzutäuschen ist strafbar ;c) ....

Zwischen Schwarz und Weiß gib es natürlich viele Graustufen, das ist mir schon bekannt. Ich stehe der "Firma" - wie Frau Nessy zu sagen schreiben pflegt - sicher auch kritisch gegenüber.
Was mich stört ist die pauschale Verurteilung, die unkritische Übernahme von Vorurteilen .... ich kenne auch Geschichten - und einige davon habe ich selbst erlebt - in denen unfähige Vorgesetzte unsinnige Dinge tun oder befehlen. Wie aber zuvor auch anklang gibt es heute sicher mehr achtenswerte & ernsthaft sich bemühende Vorgesetzte als früher, als noch eine Generation führte, die in der alten Wehrmacht den "Schliff" bekommen hatte .... grausig, was man da erleben konnte!
Gerade weil sich vieles zum Besseren gekehrt hat finde ich es wichtig das Bemühen auch zu honorieren und nicht nur "Kasperltheater" zu rufen, wenn es um Soldaten geht ....

Spannend. Scheint beim Bund wie in der IT zu sein.

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Kaffeeklatsch

ich hab mich gerade weggeschmissen...
ich hab mich gerade weggeschmissen vor lachen!! ich...
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jepp, so sieht es aus....
jepp, so sieht es aus. aber ehrlich, ist eigentlich...
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Also meine eine muss...
Also meine eine muss ja ein wenig errötend zugeben,...
loewenzahn (anonym)
Manchmal bin ich ganz...
Manchmal bin ich ganz froh, dass ich kein Auto besitze.
graefin
@IXY: *notier* ......
@IXY: *notier* ... damit ich weiß wohin ich...
virtualmono

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T9
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