The Nessy Burbank Show

Begebenheiten in meinem Leben lassen mich vermuten, dass es auf dem Dachboden meines Hauses eine Regie gibt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mein Leben spannender zu gestalten.

Ich bin mir sicher, dort sitzen Menschen vor Monitoren und geben den Nachbarn Anweisungen, wann sie meinen Weg kreuzen sollen. Ab und an lassen sich die Leute da oben eine Pizza kommen, schmeißen Kippen aus dem Fenster, und wenn ich schlafe, blenden sie Werbung ein. Diesen komischen, zauseligen Junggesellen aus dem vierten Stock, der täglich Einkaufstüten durchs Treppenhaus schleppt, obwohl er alleine niemals so viel essen kann, haben sie angemietet, damit er ihnen Cola und Klopapier hochträgt. Und der papierdünne Opa von gegenüber, der jeden Morgen rauchend in Schlappen vor der Haustür steht, der Sonne beim Aufgehen zusieht und nur zwei Gesichtsausdrücke kennt, nämlich stumpf und sehr stumpf, ist eine Attrappe. Irgendwann, wenn es zu sehr windet, wird er vornüber aufs Gesicht kippen, und ich werde den kleinen, surrenden Motor in seinem Rücken sehen.

Was mich zu diesem Schluss kommen lässt? Immer, wenn ich meine Wohnung verlasse, treffe ich den Oberinspektor. Kehre ich in meine Wohnung zurück, treffe ich den Oberinspektor. Treffe ich ihn nicht, treffe ich den Mann mit dem kleinen, weißen Hund. Ich kann niemals unbehelligt durchs Treppenhaus gehen, egal zu welcher Uhrzeit. Und das - und jetzt kommt der Clou - obwohl ich diese Menschen jeweils fünf Minuten zuvor in ihr Auto steigen sah. Wie können sie weggefahren, aber gleichzeitig noch im Haus sein?

Ich gehe davon aus, dass in den Räumen über mir mindestens fünf Oberinspektor-Komparsen in der Maske sitzen. Verlasse ich meine Wohnung, gibt die Regie einem von ihnen über Funk Anweisung: "Sie tritt aus der Tür. Los, schnell die Treppe runtergehen. Gebeugt! Sie sind ein alter Mann! Faseln Sie wirres Zeug! Das Publikum will ein Gespräch!"

Wenn von den Oberinspektor-Komparsen zwei wegen eines gelben Scheins ausfallen, zwei gerade zum Mittag am Büdchen sind und der fünfte austreten ist, schicken sie den Mann mit dem kleinen, weißen Hund vor die Tür. Der Hund, er bellt nie. Ich wette, er ist innendrin hohl, eine batteriegetriebene Mechanik steuert seinen Schwanz, und nach Feierabend wird er shampooniert, ausgebessert und neu aufgeföhnt.

...und

die Batterien des Hundes werden geladen.

Ja, auch ich habe diesen Eindruck, dass wir nur virtuell in einem großen Computerspiel herumspuken. Speziell fällt mir dies auf, wenn ich mal wieder getrödelt habe und mir dachte: "Gibst du halt ein wenig Gas beim Autofahren, da holst du das schon wieder rein." Nichts da, der PC-Freak, der mich steuert, setzt da geschickt seinen "Ich fahre jetzt mit 45 vor dir her"-Joker ein, der, hätte ich Zeit zum Abwinken, garantiert NIE auftaucht.

Frau Nessy, prüfen Sie einfach mal Ihre Programmierung.

Ich sollte beginnen, mal was Überraschendes zu tun. Komische Dinge zum Oberinspektor sagen oder nachts aus dem Federbett aufspringen und ins Treppenhaus laufen.

Ich würde mir da keine Sorgen machen.

Die ganze Welt ist doch in einem Reagenzglas und wird von weißen Mäusen beobachtet, die mit uns Experimente machen. Es ist also alles ganz normal, so wie es sein soll...

Sie meinen, in Wirklichkeit werden wir von denen beherrscht, die wir glauben zu unterdrücken?
URi

Trommelschlumpf hat recht. So sicher wie die Antwort 42 ist.

Genau!

"Oh zerfrettelter Grunzwanzling... Dein Harngedränge ist für mich
Wie Schnatterfleck auf Bienenstich.
Grupp, ich beschwör Dich mein punzig Turteldrom.
Und drängel reifig mich mit krinklen Bindelwörden
Denn sonst werd ich Dich rändern in Deine Gobberwarzen
Mit meinem Börgelkranze, wart's nur ab."

*googlegoogle
Ist mal wieder so gar nicht meine Materie. 42, schon klar. Aber sonst: Lese ja nur Bücher mit Liebe.
*googlegoogle

Ah, vogonisches Liebesgedicht. Wie entzückend.

ohhh wie lange hab ich dieses liebliche gedicht nicht mehr gehört.

und was macht eigentlich Arthur Dent heute.

Männern, die Douglas Adams lesen, haftet ein wenig der Ruf der Verschrobenheit an. Wenn ich das an dieser Stelle einwerfen darf.

Och, da kann ich glaub ich mit leben. Das selbe wird über Leser von Terry Pratchett gesagt. Und den mag ich noch viel mehr als Adams...

Da ich Ihnen nicht zu nahe treten möchte, ist gut, dass Sie es selbst gesagt haben. Das Geständnis, er sei Terry-Pratchett-Leser, löst bei einer Frau eine mittelschwere Krise aus. Vor allem dann, wenn sie schon begonnen hat, ihn gut zu finden.

Sie liebe Frau Nessy brauchen nach diesem Eintrag hier gar nichts zu sagen von wegen Verschrobenheit und so gelle.

Sind sie derjenige, der glaubt im Dachboden des Hauses sitzt jemand der Regie führt oder Ich.

Verschrobenheit gehört zu den wichtigsten eigenschaften des Golom.

Sollte jedoch ihrem Golom die eigenschaft der verschrobenheit meines Golloms nicht gefallen, werde ich meinem Gollom befehlen diese eigenschaft sofort abzulegen.
*sei still du kannst Gollom nichts befehlen....*

Diese Argumentation kann ich schwerlich widerlegen. Aber vielleicht lässt sich in meinem Fall "verschroben" durch "fantasievoll" ersetzen ....?

Fantasievoll? Nee, das passt irgendwie nicht so richtig...

Frau Nessy, ihrer Aussage über Frauen und Pratchett-Leser muss ich wehement widersprechen. Meine holde, langhaarigere Hälfte ist durchaus angetan vom Pratchettschen Humor. Es scheint also Frauen zu geben, die auf "verschrobene" Männer durchaus positiv reagieren. ;)

Wobei man ja auch sagen muss, das Krauen im allgemeinen fomisch sind...

Vielleicht sollten sie selbst mal einen Pratchett lesen (wahlweise hören). Es gibt sogar welche mit Liebe drin.

@Lemonendres: Sie haben da aber einen aufmüpfigen Gollom. Dem sollte mal wieder gezeigt werden, wo der Hammer hängt...

das kommt mir bekannt vor. an sich ist es mir ja egal, ob ich wen im stiegenhaus treffe, aber wenn ich in der früh oder am samstag auch mal etwas später die zeitung aus dem postkastl holen will, muss das nicht wirklich sein, denn kurz nach dem aufstehen biete ich eine etwas unvorteilhafte optische erscheinung. fast immer taucht gerade dann jemand im stiegenhaus auf. und man hat ja so schnell a schlechte nachred. aber deswegen an der türe horchen, ob man draussen ein geräusch hört und dann erst rausgehen, wie es eine ehemalige wohnungsnachbarin gemacht hat - die ich in den ganzen vier jahren, die sie nebenan wohnte, nie gesehen habe - ist mir dann doch zu aufwendig.
mit diesem phänomen muss man also wohl leben lernen.

Macht es den Eindruck, ich sei paranoid, wenn ich sage, in meiner alten Wohnung habe ich auch dann und wann das Ohr an die Tür gelegt, bevor ich rausging? Dort wohnten nämlich sehr absonderliche Nachbarn. Zum Beispiel die Frau direkt neben mir mit der Katze, dem kleinen Hund, den drei Hasen, dem Mann, der ständig ein- und auszog, und dem Schäferhund des Mannes, die mir jedesmal, wenn ich sie traf, erzählte, dass ihr Darm an der Bauchdecke festgewachsen sei?

den eindruck macht es nicht, das ist nachvollziehbar. aber ich könnte als umkehrschluss daraus folgern, ich sei absonderlich. ;-)

Vielleicht haben Ihre Nachbarn auch nicht die Angewohnheit, sie festzuquatschen und politische Statements von ihnen einzufordern, wenn sie mit wildem Haar und vom Nachtschlaf umränderten Augen die Zeitung hochholen. Dann ist Ihre Sorglosigkeit verständlich.

Vielleicht

sollten Sie sich, Frau Nessy, im voraus abgestimmt von Herrn Nessy während Ihrer Hausdurchquerungen anrufen lassen. Um dann laut ins Handy zu rufen: "Was, Mohammed, es passt nicht in den Koffer? Die Drähte sind zu lang? Wie soll ich das dann am Bahnhof unterbringen?"

Das garantiert zumindest Abwechslung in den Personen, die Sie demnächst be- und ausfragen...

redhaus gibts zum glück nur eines, und der wohnt im nebenhaus. ein 80jähriger, der den hausmeister gibt und auch gerne abends ums haus schleicht. aber der hat inzwischen zum glück begriffen, daß ich "keine zeit" habe. außerdem ist er nicht mehr so gut zu fuß, dem kann man also leicht entkommen. ;-)

@Herr Pathologe: Zur optischen Unterstützung hätte ich eine blaue Burka. Das Ding besteht zwar aus Vollplaste, stinkt, und durch das Gitterchen sehe ich meine Umwelt nur rudimentär, aber ich sehe ein, dass man für die Mission Opfer bringen muss.
@Herr Gulo: Ah, ein weiterer Oberinspektor. Ich bin ja fest davon überzeugt, dass die Herren irgendwo gezüchtet und dann in Hausfluren ausgesetzt werden.

ah eine regenburka? mit dazu passenden gummistiefeln?
frau nessy, das war ein wunderschöner beitrag. und sie sind nicht gaga, wenn sie das ohr an die tür legen, bevor sie ins treppenhaus treten. ich mache das auch und habe beschlossen, daß das ganz normal ist...

Das beruhigt mich. Bleiben nur noch 49 andere Gründe, warum ich gaga sein könnte.

Regenburka mit Spritzschutz. Sie sagen es.
Arno (anonym)

Mist. Jetzt müssen wir uns einen neuen Pizzalieferanten suchen.

Wechseln Sie einfach zwischen China-, Döner-, Pizza- und Burgertaxi und lassen Sie sich von dem Zausel zwischendurch mal Miracoli kochen. Das ist unauffälliger.

Mach mal halblang

Liebe Frau Nessy,

ich will ja nicht stänkern, aber wie du über den armen Mann mit der Kippe vor der Haustür herfällst ist nicht nett. Seit ich Nachwuchs habe stehe ich auch immer unten vor der Tür. Und die beiden Gesichstausdrücke sind doch wohl sehr leicht zu erklären:

stumpf: arschkalt und die Kippe schmeckt noch nicht
sehr stumpf: arschkalt und es ist die letzte Kippe.

Ich verlange hiermit die Ehrenwiederherstellung aller in Schlappen, draussen stehender Männer die drinnen nicht rauchen dürfen.

Viele Grüße
Dein Mitschreiber

Hast Du auch so karierte Herrenpantoletten?
(Überlegt gut, was Du antwortest, falls Du möchtest, dass ich jemals wieder von Dir träume.)

auch bei truman gab´s eine tür in der kulisse
- einfach den mut haben, frau nessy. den mann könnense ja mitnehmen (so der nicht auch ferngesteuert ist).

Ferngesteuert ist Herr Nessy wohl nicht, aber manchmal hält er Warenpackungen hoch und sagt, wie gerne er dieses oder jenes isst.

mensch nessy. machs doch nicht so kompliziert. kaufste dir nen schmuckes einfamilienhaus im sauerland und das problem ist geritzt!

Sollte ich irgendwann mal ein Einfamilienhaus im Sauerland haben, dann ist der Deal, dass Du vorbeikommst und Sauerbraten kochst.
Orinoko

Braten...

höre ich da mein Stichwort?
Es kommt zu spät, die `Karlssöner´ vom Dach haben mir gestern schon remoted heute Grünkohl zu machen.
Nessy (anonym)

Grünkohl ... mmmmh!

Als ich allerdings das letzte Mal Grünkohl selbst zubereitet habe, war mir danach total schlecht.

Hm. Ich treffe nie jemanden, obwohl ich ganz oben wohne und die Wahrscheinlichkeit damit am höchsten ist, dass man jemanden trifft. Ob die alle immer erfolgreich ihr Ohr an die Tür pressen?

Vielleicht hören die Leute die Schreie, die aus Ihrer Wohnung dringen.

Oder

es irritiert der seltsame Geruch...

Vielleicht hat der ja auch seinen Wirkungsbereich vergrößert.

So einen brauche ich auch. Besonders morgens, wenn ich zerzauselt zum Postkasten gehe.

Sind sie denn schon mal mit der Leiter ganz hoch zum Himmel gestiegen und haben angeklopft? Wenn es hohl klingt, sollten Sie sich Gedanken machen.

Immer, wenn ich hinaufsteigen möchte, machen sie Sturm.
Lars (anonym)

Aber, Frau Nessy Burbank,

Sie wissen schon:
Dass Sie paranoid sind, bedeutet nicht, dass Sie nicht hinter Ihnen her sind...

Woll... ;-))

Schon die zweite schlaflose Nacht Ihretwegen.
"Woll! ... Woll! ... Woll!" rufen sie mir immer vom Dachboden aus zu ....

http://trixicola.blogspot.com

Ich glaube, Du brauchst Urlaub..

Habe ich bald.

Haben Sie kürzlich die Truman Show gesehen?

Wie, Truman ist eine Show?

//*ruft übern Gartenzaun: "Truman, komm mal bitte her und sag mir, dass das nicht wahr ist!"

Good morning, and in case I don't see ya, good afternoon, good evening, and good night!

Pass nur auf, dass du nicht vom Scheinwerfer getroffen wirst!

Nessy (anonym)

So ein bisschen ist ein Blog ja wie eine Truman Show. Nur dass man selbst der Regisseur ist.

Nessy ich liebe dich!
Gott, war das schön zu lesen!!!

*huch

Du hast jetzt aber nicht grad Dein Coming Out mit mir?

;-) doch klar *schmatz*

nein.
MaryVane

derartig tolle Blogeinträge wecken in mir einmal mehr das Bedürfnis, endlich eine eigene Wohung zu besitzen, in einem Altbau mit skurrilen Nachbarn. Ist es ein Altbau?

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Kaffeeklatsch

ich hab mich gerade weggeschmissen...
ich hab mich gerade weggeschmissen vor lachen!! ich...
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jepp, so sieht es aus. aber ehrlich, ist eigentlich...
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Also meine eine muss...
Also meine eine muss ja ein wenig errötend zugeben,...
loewenzahn (anonym)
Manchmal bin ich ganz...
Manchmal bin ich ganz froh, dass ich kein Auto besitze.
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@IXY: *notier* ......
@IXY: *notier* ... damit ich weiß wohin ich...
virtualmono

Keks dazu

T9
Aktuellstes, dem Telefonino beigebrachtes Wort: Gänseblümchen

Mood

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