Arachnophobia

Es ist ein Sommertag Ende der 80er, als wir in einem kleinen bayerischen Ort ankommen, dessen Namen ich vergessen habe. Wir sind mit unserem silbernen Audi 100 auf dem Weg nach Italien, mein Vater, meine Mutter und ich, und beschließen, hier zu übernachten.
Die Pension hält zwei Zimmer für uns bereit: ein großes mit einem Ehebett für meine Eltern, ein kleineres für mich. Die Wände beider Räume sind mit Holzpaneelen verkleidet; eine Tatsache, die im Verlauf der Nacht noch von Bedeutung sein wird.
Gegen 22 Uhr gehen wir schlafen: meine Eltern in ihrem Zimmer, ich in meinem. Ich lege mich auf den Bauch und lese noch ein Buch, und wie ich es zu vorgerückter Stunde zuklappe und hinaufsehe zur weiß getünchten Decke, zum Jesus am Holzkreuze und dem in Öl gegossenen Alpenpanorama über dem Federbett, sehe ich eine dicke Spinne, wie sie sich nur einen halben Meter über meinen Kopf an die Wand klammert. Ihr Körper ist fett, fleischig und behaart, ihr Hintern gemustert, ihre Beine lang und borstig.
Ich tue, was kleine Mädchen in solch einem Augenblick tun: Ich springe von der Matratze auf, halb kreischend, halb wimmernd, und laufe zu meinem Papa. "Eine Spinne, eine Spinne!", muss ich gerufen haben.
Der Herr Papa ist not amused. Er hat sich doch schon auf die Nachtruhe eingerichtet und ist zu dererlei Kinkerlitzchen nicht mehr aufgelegt. Doch in meiner Mutter schrillt der Alarm, der nur in Müttern schrillt. Mit schreckgeweiteten Augen starrt sie auf das schreiende Kind. Sie weiß: Hier geht es um Leben und Tod.
Seufzend erhebt mein Vater sich, greift zwei Zeitungsseiten und folgt mir in mein Schlafgemach. Er wirft nur einen kurzen Blick auf die Spinne, dann sagt er sowas wie "Oha, da brauchen wir was Größeres". Er schlurft zurück ins Ehegemach, wo die Mutter zwischen Federn und Daunen um das Leben von Mann und Tochter bangt, greift das Neue Testament vom Nachtschrank, kehrt in mein Zimmer zurück und wirft es in Richtung der Kreatur. Die, wieselfink und mit dererlei Praktiken offenbar vertraut, huscht hinter die Holzverkleidung. Ihre haarigen Beine trappeln über die Rauhfaser, und wer genau hinhört, kann ein verärgertes "Ssssss" aus ihrem Maul vernehmen.
Aufgelöst weinend hocke ich auf der Bettkante.
"Die kommt nicht wieder", sagt mein Vater, streichelt mir, leicht behutsam, leicht hilflos den Kopf.
In diesem meinem Alter ist der Vater Gott, und was Gott sagt, stimmt, also lege ich mich hin. Er deckt mich mit dem weißen Federbett zu. Ich greife meinerseits zum Neuen Testament und halte es abwehrbereit auf meiner Brust. Mein Vater streichelt mir noch einmal über die Wange, dann lässt er mich allein mit den Gefahren den Nacht. Nach Minuten der Angst schlafe ich erschöpft ein.
Gegen 1 Uhr wache ich auf. Ich bin sicher, es war eine höhere Macht, die mich so vor dem Schlimmsten bewahrt hat, denn direkt auf meiner Brust, unter meinem Kinn, neben der Bibel, hockt die fette, fleischige, behaarte Spinne mit ihrem gemusterten Hintern und den borstigen, langen Beinen. "Jetzt ist Krieg! Jetzt ist Nahkampf! Mann gegen Mann!"
Langsam hebe ich das Neue Testament, um dem Tier das Lebenslicht auszublasen. Auge in Auge liegen wir uns gegenüber. Jeder lauert auf seine Chance und die Bewegungen des anderen. Plötzlich greift das Monster an, läuft mit flinken, trappelnden Schritten über meine Brust und meinen Hals, wo es kitzelt und krabbelt, dann mein Ohr entlang über die Matratze, um hinter ihr zu verschwinden. Hinter der Matratze! Nicht hinter dem Bett oder der Holzverkleidung, nein: Zwischen Matratze und Bettgestellt versteckt sich die Spinne, um dort fortan auf mich zu lauern.
Das ist zu viel für mein Kleinmädchenherz. Schreiend packe ich meine Bettdecke, laufe zu Mama und Papa und werfe mich dort auf die Besucherritze. Meine Mutter hatte es sofort gewusst: In bayerischen Nächten werden Kinder gefressen.
Die Pension hält zwei Zimmer für uns bereit: ein großes mit einem Ehebett für meine Eltern, ein kleineres für mich. Die Wände beider Räume sind mit Holzpaneelen verkleidet; eine Tatsache, die im Verlauf der Nacht noch von Bedeutung sein wird.
Gegen 22 Uhr gehen wir schlafen: meine Eltern in ihrem Zimmer, ich in meinem. Ich lege mich auf den Bauch und lese noch ein Buch, und wie ich es zu vorgerückter Stunde zuklappe und hinaufsehe zur weiß getünchten Decke, zum Jesus am Holzkreuze und dem in Öl gegossenen Alpenpanorama über dem Federbett, sehe ich eine dicke Spinne, wie sie sich nur einen halben Meter über meinen Kopf an die Wand klammert. Ihr Körper ist fett, fleischig und behaart, ihr Hintern gemustert, ihre Beine lang und borstig.
Ich tue, was kleine Mädchen in solch einem Augenblick tun: Ich springe von der Matratze auf, halb kreischend, halb wimmernd, und laufe zu meinem Papa. "Eine Spinne, eine Spinne!", muss ich gerufen haben.
Der Herr Papa ist not amused. Er hat sich doch schon auf die Nachtruhe eingerichtet und ist zu dererlei Kinkerlitzchen nicht mehr aufgelegt. Doch in meiner Mutter schrillt der Alarm, der nur in Müttern schrillt. Mit schreckgeweiteten Augen starrt sie auf das schreiende Kind. Sie weiß: Hier geht es um Leben und Tod.
Seufzend erhebt mein Vater sich, greift zwei Zeitungsseiten und folgt mir in mein Schlafgemach. Er wirft nur einen kurzen Blick auf die Spinne, dann sagt er sowas wie "Oha, da brauchen wir was Größeres". Er schlurft zurück ins Ehegemach, wo die Mutter zwischen Federn und Daunen um das Leben von Mann und Tochter bangt, greift das Neue Testament vom Nachtschrank, kehrt in mein Zimmer zurück und wirft es in Richtung der Kreatur. Die, wieselfink und mit dererlei Praktiken offenbar vertraut, huscht hinter die Holzverkleidung. Ihre haarigen Beine trappeln über die Rauhfaser, und wer genau hinhört, kann ein verärgertes "Ssssss" aus ihrem Maul vernehmen.
Aufgelöst weinend hocke ich auf der Bettkante.
"Die kommt nicht wieder", sagt mein Vater, streichelt mir, leicht behutsam, leicht hilflos den Kopf.
In diesem meinem Alter ist der Vater Gott, und was Gott sagt, stimmt, also lege ich mich hin. Er deckt mich mit dem weißen Federbett zu. Ich greife meinerseits zum Neuen Testament und halte es abwehrbereit auf meiner Brust. Mein Vater streichelt mir noch einmal über die Wange, dann lässt er mich allein mit den Gefahren den Nacht. Nach Minuten der Angst schlafe ich erschöpft ein.
Gegen 1 Uhr wache ich auf. Ich bin sicher, es war eine höhere Macht, die mich so vor dem Schlimmsten bewahrt hat, denn direkt auf meiner Brust, unter meinem Kinn, neben der Bibel, hockt die fette, fleischige, behaarte Spinne mit ihrem gemusterten Hintern und den borstigen, langen Beinen. "Jetzt ist Krieg! Jetzt ist Nahkampf! Mann gegen Mann!"
Langsam hebe ich das Neue Testament, um dem Tier das Lebenslicht auszublasen. Auge in Auge liegen wir uns gegenüber. Jeder lauert auf seine Chance und die Bewegungen des anderen. Plötzlich greift das Monster an, läuft mit flinken, trappelnden Schritten über meine Brust und meinen Hals, wo es kitzelt und krabbelt, dann mein Ohr entlang über die Matratze, um hinter ihr zu verschwinden. Hinter der Matratze! Nicht hinter dem Bett oder der Holzverkleidung, nein: Zwischen Matratze und Bettgestellt versteckt sich die Spinne, um dort fortan auf mich zu lauern.
Das ist zu viel für mein Kleinmädchenherz. Schreiend packe ich meine Bettdecke, laufe zu Mama und Papa und werfe mich dort auf die Besucherritze. Meine Mutter hatte es sofort gewusst: In bayerischen Nächten werden Kinder gefressen.
nessy - 9. Mrz, 17:18

Warten Sie auf den Tag, an dem er Sie zu ungünstiger Stunden anruft und Dinge sagt wie "Ich hab sie mir gekauft, die geile Kiste! 240 Pferdchen und ein Heck wie ein Weib. Wenn ich sie anmach, schnurrt sie wie eine Katze. Die hat Feuer im Arsch, das merkste sofort! Pure Energie! Wenn ich sie dann hart rannehme, heult sie auf und geht ab wie eine V2-Rakete. Die ist heiß, Baby, unglaublich ..."
An dieser Stelle unterbrechen Sie und fragen ... - Sie wissen schon was, ja?
Gute Idee, aber ...