Irgendwas ist immer
Wenn ich mich so umsehe bei den Endzwanzigern und Mittdreißigern in meiner Umgebung, entdecke ich viele Menschen, die unzufrieden sind.
Sie hadern. Sie hadern mit sich, den Umständen, dem Leben. Sie haben befristete Job, sind unterbezahlt, haben ein Schreikind, sind zu intelligent für einen Partner oder der Partner zu polygam. Sie fühlen sich wahlweise zu sehr ausgefüllt oder aber unterfordert - vom Job, von der Elternzeit, von der Ehefrau. Immerzu trauern sie vergangenen Gelegenheiten nach: dem verpassten Auslandssemester, dem Zivildienst im brasilianischen Urwald, dem Job in den USA oder der Jugendliebe, die nächsten Monat heiratet und sie auch noch eingeladen hat.
Die Frauen, sie wollen einen Maler, Lyriker, Lebenskünstler zum Freund, der mit ihnen Dinge tut, die sie alleine nicht wagen - ja, die sie nicht einmal denken würden zu tun. Oder nein, eigentlich möchten sie so einen Kerl nicht, denn das wäre ja eine Hallodri. Sie möchten stattdessen an die Hand genommen werden und im Windschatten der Unbekümmertheit eines anderen Menschen, eines aufregenden Mannes, leben, ohne dabei selbst unbekümmert zu sein. Das wäre toll - aber nur, wenn sie dabei nicht so schrecklich spontan sein müssten. Oder doch: Eigentlich wären sie gerne spontan, eigentlich wäre es ihnen gerne schnuppe, ob die Frisur sitzt, auch wenn sie dann nicht sie selbst wären. Ein bisschen möchten sie gerne jemand anders sein, jemand, der nicht diese unbestimmte Furcht fühlt, nur weil er keine Unfallversicherung abgeschlossen hat. Ein bisschen möchten sie - ja, was möchten sie eigentlich?
Die Männer, sie wünschen sich, Helden zu sein, keine großen Helden, das wäre ja zu viel verlangt und, wenn man es sich bei Licht besieht, auf Dauer auch zu anstrengend. Aber wenigstens Alltagshelden möchten sie sein, die das mit links erledigen, was ihnen derzeit so viel Mühe bereitet. Sie möchten kleine Helden sein - Heldchen, Heldiños - die einen tollen Job haben, die aufrichtig bewundert und ein wenig umsorgt werden, die mit Kraft, Grips und Geschick beeindrucken, die männlich sind, ohne dabei albern zu wirken. Kurzum - sie möchten als was wahrgenommen werden, was sie nicht sind: tollkühne Kämpfer und begnadete Liebhaber.
Doch anstatt auszubrechen aus ihrem Leben, und sei es nur, um einmal so richtig was Verrücktes zu machen, bei Rot über die Ampel zu gehen oder einen Kaugummiautomaten zu knacken, kaufen die Männer sich ein Motorrad. Ein Motorrad, vollkaskoversichert, falls es mal aus der Kurve ausbricht, wenn der Tiger, der in ihrer Brust schläft, kurz erwacht und sich räkelt. Die Frauen, sie gehen zum Friseur und kaufen sich ein neues Outfit, neue Schminke, als sei es das neue Äußere, das ein neues Inneres schafft, dabei ist es umgekehrt.
Viele von ihnen, die meisten, sind auf der Suche, und sie haben es sich in den Kopf gesetzt anzukommen. Doch sie kennen den Weg nicht, was vor allem daran liegt, dass sie ihr Ziel nicht kennen. Denn wenn sie es kennen würden, könnten sie den Weg dahin suchen.
Aber kann man überhaupt jemals im Leben ankommen? Es scheint viemlehr so, als käme man nie an, nicht mit 30, nicht mit 40, nicht mit 60. Jedenfalls nicht, wenn man materielle Werte als Maßstab nimmt, und das ist es, was sie alle tun um mich herum: Sie wollen Ehe, Kind, Haus, Baum, Auto, Urlaub, Karriere, noch ein Auto, noch ein Kind und sich dabei die Sorglosigkeit ihrer Teenagerjahre bewahren. Was sie bekommen, ist: Ehe, Kind, Haus, keinen Sex, Streit, keine Zuneigung, eine Flaute im Job, und es geht immer so weiter, ohne dass sie nach innen schauen, in ihre Herzen, und dort suchen, was sie außen nicht finden.
Sie hadern. Sie hadern mit sich, den Umständen, dem Leben. Sie haben befristete Job, sind unterbezahlt, haben ein Schreikind, sind zu intelligent für einen Partner oder der Partner zu polygam. Sie fühlen sich wahlweise zu sehr ausgefüllt oder aber unterfordert - vom Job, von der Elternzeit, von der Ehefrau. Immerzu trauern sie vergangenen Gelegenheiten nach: dem verpassten Auslandssemester, dem Zivildienst im brasilianischen Urwald, dem Job in den USA oder der Jugendliebe, die nächsten Monat heiratet und sie auch noch eingeladen hat.
Die Frauen, sie wollen einen Maler, Lyriker, Lebenskünstler zum Freund, der mit ihnen Dinge tut, die sie alleine nicht wagen - ja, die sie nicht einmal denken würden zu tun. Oder nein, eigentlich möchten sie so einen Kerl nicht, denn das wäre ja eine Hallodri. Sie möchten stattdessen an die Hand genommen werden und im Windschatten der Unbekümmertheit eines anderen Menschen, eines aufregenden Mannes, leben, ohne dabei selbst unbekümmert zu sein. Das wäre toll - aber nur, wenn sie dabei nicht so schrecklich spontan sein müssten. Oder doch: Eigentlich wären sie gerne spontan, eigentlich wäre es ihnen gerne schnuppe, ob die Frisur sitzt, auch wenn sie dann nicht sie selbst wären. Ein bisschen möchten sie gerne jemand anders sein, jemand, der nicht diese unbestimmte Furcht fühlt, nur weil er keine Unfallversicherung abgeschlossen hat. Ein bisschen möchten sie - ja, was möchten sie eigentlich?
Die Männer, sie wünschen sich, Helden zu sein, keine großen Helden, das wäre ja zu viel verlangt und, wenn man es sich bei Licht besieht, auf Dauer auch zu anstrengend. Aber wenigstens Alltagshelden möchten sie sein, die das mit links erledigen, was ihnen derzeit so viel Mühe bereitet. Sie möchten kleine Helden sein - Heldchen, Heldiños - die einen tollen Job haben, die aufrichtig bewundert und ein wenig umsorgt werden, die mit Kraft, Grips und Geschick beeindrucken, die männlich sind, ohne dabei albern zu wirken. Kurzum - sie möchten als was wahrgenommen werden, was sie nicht sind: tollkühne Kämpfer und begnadete Liebhaber.
Doch anstatt auszubrechen aus ihrem Leben, und sei es nur, um einmal so richtig was Verrücktes zu machen, bei Rot über die Ampel zu gehen oder einen Kaugummiautomaten zu knacken, kaufen die Männer sich ein Motorrad. Ein Motorrad, vollkaskoversichert, falls es mal aus der Kurve ausbricht, wenn der Tiger, der in ihrer Brust schläft, kurz erwacht und sich räkelt. Die Frauen, sie gehen zum Friseur und kaufen sich ein neues Outfit, neue Schminke, als sei es das neue Äußere, das ein neues Inneres schafft, dabei ist es umgekehrt.
Viele von ihnen, die meisten, sind auf der Suche, und sie haben es sich in den Kopf gesetzt anzukommen. Doch sie kennen den Weg nicht, was vor allem daran liegt, dass sie ihr Ziel nicht kennen. Denn wenn sie es kennen würden, könnten sie den Weg dahin suchen.
Aber kann man überhaupt jemals im Leben ankommen? Es scheint viemlehr so, als käme man nie an, nicht mit 30, nicht mit 40, nicht mit 60. Jedenfalls nicht, wenn man materielle Werte als Maßstab nimmt, und das ist es, was sie alle tun um mich herum: Sie wollen Ehe, Kind, Haus, Baum, Auto, Urlaub, Karriere, noch ein Auto, noch ein Kind und sich dabei die Sorglosigkeit ihrer Teenagerjahre bewahren. Was sie bekommen, ist: Ehe, Kind, Haus, keinen Sex, Streit, keine Zuneigung, eine Flaute im Job, und es geht immer so weiter, ohne dass sie nach innen schauen, in ihre Herzen, und dort suchen, was sie außen nicht finden.
nessy - 28. Apr, 11:28

