Change Management

Nein, ich habe keinen Urlaub. Es ist nur so viel zu tun, dass ich nicht zum Bloggen komme.

Gestern, auf der Heimfahrt im Auto, als ich den Tag und seine Entscheidungen an mir vorbeiziehen ließ, habe ich einmal durchgezählt, welchen personellen Umfang das neue Projekt hat: Insgesamt sind es an die 120 Menschen, die ab Herbst für mich arbeiten und von denen ich einige schon jetzt, andere sehr bald mittel- und unmittelbar koordinieren werde. Diese Zahl hat mich dann doch erstaunt.

Nur die Spitze des Projekts schaut Eisberg-gleich aus dem Wasser. Die meiste Arbeit treibt unter der Oberfläche, jetzt wie auch in Zukunft, und ich stecke gerade in einem spackigen Neopren-Anzug, um abzutauchen und dort mal nach dem Rechten zu sehen.

Meine Zeit verbringe ich derzeit in Besprechungen. Ich rede und höre zu, erkläre und lasse mir erklären, führe Telefonate, schreibe Mails, male Organigramme, rekrutiere und sortiere mein wachsendes Personal, bastele Hierarchien und Zuständigkeiten, richte Ansprechpartner ein, baue mir Experten auf und delegiere an Assistenzen, was ich eben delegieren kann, wovon sich später heraustellt, dass es undeligierbar ist.

Aus eigener leidvoller Erfahrung weiß ich, dass die größte Herausforderung einer Umgestaltung und Neu-Erfindung in der Kommunikation liegt. Mir ist bewusst, wie drängend das Bedürfnis der Teilhabe in Zeiten der Veränderung ist. Man kann die Menschen nur für Dinge begeistern, an denen sie aktiv teilhaben: All jene, die mitwirken sollen, müssen anfassen und plastisch wahrnehmen können, was demnächst kommen mag. Sie müssen sich einbringen dürfen. Sie müssen die Konsequenzen für sich abschätzen können. Sie brauchen Perspektiven und Orientierung. Sie möchten einen Grund haben, weshalb sie mir Vertrauen schenken.

Nicht immer funktioniert das. Nicht immer ist jedem Einzelschicksal gedient. Aber letztendlich gelingt es gut, alle mitzunehmen.

Warum es gelingt? Ich denke, man muss nur offen sein für Fragen und Bedürfnisse und nicht nur sagen, dass man sie ernst nimmt, sondern es tatsächlich tun. Wenn man hinhört, merkt man, dass viele der Ideen und Wünsche, die vorgebracht werden, sinnvoll sind und dass es gute Gründe gibt, sie zu beherzigen. Oftmals stellt sich bei mir Dankbarkeit für diesen und jenen Tipp, für Einwände, Vorschläge und Hinweise ein.

Change Management nennt sich das wohl, was ich derzeit betreibe. Wie viele andere Dinge ist es nichts, was mir jemals jemand beigebracht hat. Wenn ich nur das täte, was mir in Unterrichten gelehrt wurde, würde ich recht wenig tun. Das Wichtigste ist eben nicht das Wissen, das in Büchern steht, sondern das Lernen durch Handeln. Das merke ich dieser Tage mehr denn je.

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