Geschichten aus Kühlungsborn I
Als ich mich gestern abend in den Sand kniete, um dieses Bild zu machen, fiel mir sofort eine Geschichte dazu ein.

"Geh vor und schau dir die Wellen an", sagt die Oma, gibt dem kleinen Jungen einen zärtlichen Schubs und schickt ihn den Steg hinaus zum Meer.
Der kleine Junge geht zwei Schritte vor, zaudert, bleibt stehen. Er blickt über seine Schulter zurück zur Oma. Sie lächelt. "Geh zu", sagt sie. "Dort vorne wartet eine Überraschung auf dich."
Langsam tastet er sich die Holzplanken entlang. Er möchte zum Meer, er möchte dort vorne an die Spitze des Stegs, er möchte es unbedingt, er ahnt, dass es dort etwas Besonderes gibt, (dass dort etwas Besonderes mit ihm geschieht) - seine Oma hat es ihm gesagt; seine Oma kennt die Welt. Deshalb geht er weiter. Der Trubel der Strandpromenade wird leiser, verklingt, verfliegt im Wind und in den klatschenden Geräuschen der Wellen. Die Musik, die aus dem Konzertgarten herüberweht, ist nur noch ein Mosaik aus Tönen. Doch er hat Angst.
Eine Welle schlägt von rechts gegen den Steg. Gischt spritzt auf. Er zuckt und beugt sich nach links, die Hände zur Abwehr gehoben; will den salzigen Tropfen ausweichen. Einen kurzen Moment steht der kleine Junge so da, im Schreck erstarrt. Dann beginnt er zu rennen, dem Wasser entgegen, als hätte die unruhige See seine Bedenken mit sich genommen und fortgeweht, dorthin, wo auch der Lärm des Strandes ist. Seine Sohlen trommeln im Lauf auf das Holz. Die Ärmel seiner Jacke schlackern neben seinem Körper; sie sind ein Stück zu lang, aber das wird sich geben, in wenigen Monaten schon.
An der Spitze des Stegs angelangt, bleibt der kleine Junge nicht stehen. Behende klettert er zwei Stufen hinauf, die sich in die Ostseeluft recken. Dann erst hält er inne. Regungslos verharrt er. Seine Brust hat er leicht vorgestreckt. Wie ein Denkmal, wie der Koloss von Rhodos steht der kleine Junge auf seinem Podest, beobachtet das tanzende Wasser und die weißen Wellenkämme. Mit jedem Moment, den er länger den Geräuschen des Meeres lauscht und den er länger den salzigen Wind auf seiner sonnenwarmen Haut spürt - mit jedem Moment fliegen seine Gedanken weiter fort aus der Wirklichkeit.
Und dann passiert das Wunderbare.
"Schau mal, Oma!", ruft der kleine Junge. Er wirbelt herum, sucht den Blick seiner Großmutter, findet ihn, wirbelt wieder zurück und tippt mit ausgestrecktem Zeigefinger gegen die Wolke über sich. Weiße wattige Pakete stieben auseinander und treiben davon, als habe jemand in ein Schaumbad gepustet.
Dann macht der kleine Junge, der nun kein kleiner Junge mehr ist, sondern ein Riese, ein Koloss, ein Weltenherrscher - er macht einen Schritt nach vorn, schaut sich zu seiner Oma um, ruft "Kuk mal, was ich kann!", wendet sich nach links und balanciert mit ausgestreckten Armen auf dem Horizont aus dem Bild hinaus.
Seine Großmutter hat es gewusst: Das Meer und die Abendsonne verzaubern die Welt.
Der kleine Junge geht zwei Schritte vor, zaudert, bleibt stehen. Er blickt über seine Schulter zurück zur Oma. Sie lächelt. "Geh zu", sagt sie. "Dort vorne wartet eine Überraschung auf dich."
Langsam tastet er sich die Holzplanken entlang. Er möchte zum Meer, er möchte dort vorne an die Spitze des Stegs, er möchte es unbedingt, er ahnt, dass es dort etwas Besonderes gibt, (dass dort etwas Besonderes mit ihm geschieht) - seine Oma hat es ihm gesagt; seine Oma kennt die Welt. Deshalb geht er weiter. Der Trubel der Strandpromenade wird leiser, verklingt, verfliegt im Wind und in den klatschenden Geräuschen der Wellen. Die Musik, die aus dem Konzertgarten herüberweht, ist nur noch ein Mosaik aus Tönen. Doch er hat Angst.
Eine Welle schlägt von rechts gegen den Steg. Gischt spritzt auf. Er zuckt und beugt sich nach links, die Hände zur Abwehr gehoben; will den salzigen Tropfen ausweichen. Einen kurzen Moment steht der kleine Junge so da, im Schreck erstarrt. Dann beginnt er zu rennen, dem Wasser entgegen, als hätte die unruhige See seine Bedenken mit sich genommen und fortgeweht, dorthin, wo auch der Lärm des Strandes ist. Seine Sohlen trommeln im Lauf auf das Holz. Die Ärmel seiner Jacke schlackern neben seinem Körper; sie sind ein Stück zu lang, aber das wird sich geben, in wenigen Monaten schon.
An der Spitze des Stegs angelangt, bleibt der kleine Junge nicht stehen. Behende klettert er zwei Stufen hinauf, die sich in die Ostseeluft recken. Dann erst hält er inne. Regungslos verharrt er. Seine Brust hat er leicht vorgestreckt. Wie ein Denkmal, wie der Koloss von Rhodos steht der kleine Junge auf seinem Podest, beobachtet das tanzende Wasser und die weißen Wellenkämme. Mit jedem Moment, den er länger den Geräuschen des Meeres lauscht und den er länger den salzigen Wind auf seiner sonnenwarmen Haut spürt - mit jedem Moment fliegen seine Gedanken weiter fort aus der Wirklichkeit.
Und dann passiert das Wunderbare.
"Schau mal, Oma!", ruft der kleine Junge. Er wirbelt herum, sucht den Blick seiner Großmutter, findet ihn, wirbelt wieder zurück und tippt mit ausgestrecktem Zeigefinger gegen die Wolke über sich. Weiße wattige Pakete stieben auseinander und treiben davon, als habe jemand in ein Schaumbad gepustet.
Dann macht der kleine Junge, der nun kein kleiner Junge mehr ist, sondern ein Riese, ein Koloss, ein Weltenherrscher - er macht einen Schritt nach vorn, schaut sich zu seiner Oma um, ruft "Kuk mal, was ich kann!", wendet sich nach links und balanciert mit ausgestreckten Armen auf dem Horizont aus dem Bild hinaus.
Seine Großmutter hat es gewusst: Das Meer und die Abendsonne verzaubern die Welt.
nessy - 7. Aug, 18:58
Ostsee?
Also wenn ich...
...aber eine tolle Geschichte.
Die Sonne geht ganz klar über der Pfalz unter!