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Geschichten aus Kühlungsborn V

Für das Gewissen, den Rücken und die Linie findet morgens vor dem Frühstück therapeutisches Joggen statt. Kühlungsborn ist der ideale Ort dazu: Vorne Meer, hinten Wald, da hat man quasi das ganze freudvolle Programm.

Im Fernsehen sieht Joggen am Meer immer frisch, dynamisch und motivierend aus. Niemand hat mir gesagt, dass es dort auch Wind gibt, Gegenwind. 2,5 Kilometer lang. Und das vor dem Frühstück.

Es ist falsch, wenn Sie vermuten, dass ich auf dem Rückweg dann ja Rückenwind habe und das energetisch ein Nullsummenspiel ist. Denn auf dem Rückweg geht es durch den Stadtwald, der sich parallel zur Strandpromenade hinter der Hotelzeile erstreckt. Und der im Übrigen vollkommen windstill ist.

Auf der Karte sieht das alles ganz einfach aus: Vom Hotel aus links die Promenade hoch, zweimal links, durch den Wald zurück, links, und schon bin ich zurück am Hotel.

Im Gegensatz zur Karte ist es aber in der Wirklichkeit so, dass Straßen gesperrt sind und neu geteert werden, Waldpfade einen Bogen machen und auf Weggabelungen mit Schildern enden, die voneinander weg zeigen und auf denen trotzdem beidesmal "Strand" steht.

Ich habe mich also verlaufen. Circa zehn Kilometer lang, eine Stunde und zwölf Minuten - in einem Kurort von der Größe eines mittleren, großstädtischen Parkplatzes.

Dumme Sache, sagen Sie vielleicht.
Aber passiert halt.
Einmal.

Am zweiten Tag ein prüfender Blick auf die Karte. Evaluation der Fehler. Neue Chance und: Man sollte meinen, ich hätte bei meinem ersten, eineinviertelstündigen Tripp alles gesehen, den gesamten Ort durchquert, jede Straße durchkreuzt, mir markante Wegmarken gemerkt - nä! Rechts von mir gibt es noch jede Menge Wohngebiet, da geht noch Einiges. Also: Wieder verlaufen, diesmal in die andere Richtung.

Ich denke nun, dass therapeutisches Strandkorbsitzen auch einen heilsamen Effekt hat.

Heilsamer Effekt mag sein -- aber es fehlt das Abenteuer!

Demnächst als Fernsehserie: "Lost in Kühlungsborn".

Was hätten

sie denn zu erzählen gehabt: Ich war in Kühlungsborn und bin im Strandkorb gesessen...

Wir hätten keine Bilder im Kopf von einer fast ertrinkenden Frau Nessy, von einer im Wald ausgesetzten, von einer, die dieses Ostseebad jetzt kennt wie ihre Westentasche. Wir wüssten nichts über viele Marienkäfernamen, von verunsicherten Tischnachbarn und von traumhaften Sonnenuntergängen.

Für uns macht dieser Urlaub Sinn... *g*

Vielen Dank, aber

auch vom Strandkorbsitzen kann ich erzählen. Denken sie nur an die vielen Menschen, die mit mir im Strandkorb sitzen: kleine, große, dicke, dünne, nackte, angezogene, sonnengebräunte und gut durchgebratene ...

Wie viele

Leute haben denn in ihrem Strandkorb so Platz?!

Gedanklich nehmen die übrigen Badegäste alle neben mir Platz und erzählen mir aus ihrem Leben.

Der

Apfel faellt nicht weit vom Stamm. Es muss doch einen Grund haben, dass Herr Nessy solche Verlaeufe dienstlich absolviert und Sie nun quasi auch in den Genuss kommen. Anpassung der Ehepartner in Verhalten, Aussehen und Orientierungsfreiheit?

Wenn ich Herr Nessys Apfel bin, ist in unseren Kindern aber später mal der Wurm drin.

Verlaeuft

sich der Wurm dann ebenfalls? Oder vergeht er?

verzerrtes Wort: *gick*er

Ich kann Handy mit GPS sehr empfehlen. :)

(Obwohl es ohne auch Spaß macht - man lernt die Gegend besser kennen.)

also, das mit dem Gegenwind ist doch ganz einfach, vom Hotel rechts abbiegen, dann nochmal rechts, duch den windstillen Wald, rechts an den Strand und mit Rückenwind Richtung Frühstücksbuffet.

@Frau Mone: Ich sag's nur ganz leise, weil es ein bisschen intim ist, aber ich habe keine Taschen an meiner Laufhose. Sogar die Zimmerkarte musste ich mir in den ... also ... unters T-Shirt stecken. Für ein Handy ist dort kein Platz mehr.

@Herr Stefan: Schon klar. Hatte ich auch gedacht. Deshalb bin ich am Tag drauf rechts abgebogen und habe mich rechts vom Hotel verlaufen. Aber ob Sie's glauben oder nicht: Ich hatte schon wieder Gegenwind!

Entscheidungshilfe

GOTO "outside_hotel"
IF "windrichtung" = "von_rechts" GOTO "links"
IF "windrichtung" = "von_links" GOTO "rechts"
ELSE GOTO "random"

Ach selbst im Urlaub kann ich es nicht lassen.....

@Frau Nessy: Die Problematik kenne ich, aus selbigem Anlass - schweißgetränkte Unterwäsche ist auch für nix gut, außer 'nem anständigen Wolf. Das soltle auch bekannt sein, denke ich.
Aber die Damen und Herren, die Laufhosen und -shirts entwerfen, haben wohl alle jemanden daheim, der ihnen nach dem Sport mit einem Erfrischungsgetränk in der einen und einem Handtuch in der anderen Hand die Tür öffnen, denn es stellt sich schon als schwierig heraus, nur den Haustür- und Wohnungsschlüssel in dieses Winzbeutelchen an der vorderen Innenseite zu quetschen - um dann unterwegs den Mitmenschen den Eindruck zu vermitteln, man fasse sich gerne ans Gemächt - dabei prüft man nur kurz, ob der Schlüssel noch da ist. Eine kleine Tasche mit Reißverschluss am Hintern oder, wie bei meinen Fahrradtrikots, hinten am Shirt, das wäre mal toll!

@Herr Stefan:
Das Script hat einen Bug.
IF = "nessy"= "go_rechts" WIND "go_links"
IF = "nessy"= "go_links" WIND "go_rechts"
Von einer Sekunde auf die andere!

@Herr Banger: Gibt es! Es gibt Radler-/Laufhosen mit Reißverschlusstaschen auf dem Hintern und Shirts mit Reißverschlusstaschen am Rücken. (Hatte ich aber nicht mit, sondern ich hatte meine schickste Hose mit, die, die die schlankesten Waden macht. Und wie das so ist mit den schicksten Sachen: Sie sind am unpraktischsten.)

@Nessy:

schickste Hose = figurformendes Neopren?

Eine körbertetonte, dem Teint schmeichelnde, kurz unter dem Knie endende Hose, die die Gliedmaßen optisch streckt, Beinfreiheit lässt und gleichzeitig den Hagelschaden an den Oberschenkeln würdevoll bedeckt.

Aha.

Wenn Sie bereits Sonnenbrand haben: eine knallrote, "körbertetonte" Stuetzstrumpfhose mit abgeschnibbelten Fuessen.
Koerbe, Tonnen, ist da Freud versteckt?

Da ist noch ein bisschen Teint versteckt.
Mein Denken ist meinen Fingern wie immer voraus. Ist wichtig, damit sie zum Beispiel nicht in eine Säge kommen.

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