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Das Wort zum Sonntag

Über Politik rede ich nicht gerne, schon gar nicht hier, das will ja keiner lesen. Aber diesmal muss ich eine Ausnahme machen, denn ich bin wütend.

Am Sonntag werde ich wählen gehen, und ehrlich gesagt: Ich empfinde dafür keine Leidenschaft. Ich möchte kein Mittelmaß wählen. Ich möchte nicht das kleinste Übel wählen. Ich möchte keine lobby-hörigen, überwachungsfanatischen, die Gesellschaft verwaltenden Hobby-Politiker und Berufs-Aufsichtsräte, nur weil es niemanden gibt, der sich wirklich um meine Interessen kümmert.

Was ich stattdessen will? Beginnen wir mal bei den Inhalten und beim
  • Arbeiten: Wir brauchen mehr Offenheit, mehr Teilzeit, mehr Gleitzeit, mehr Job-Sharing, mehr Home Office, mehr Verantwortung und Initiative des Arbeitnehmers, mehr Verantwortung des Arbeitgebers beim Thema Familie & Kinder, mehr Work-Life-Balance. Kurzum: Wir brauchen ein anderes Bewusstsein. Alle. Wir brauchen eine Wirtschaft, die der Gesellschaft dient - und nicht umgekehrt. Dazu muss eine Gesetzgebung die Rahmenbedigungen schaffen, es hilft ja nichts. Meinetwegen können wir den Kündigungsschutz lockern, meinetwegen soll ein Mindestlohn kommen, wenn die Voraussetzungen gegeben sind, dass Firmen sich zeitnah neuen personellen Erfordernissen anpassen können und Angestellte schnell wieder einen neuen Job mit fairem Gehalt finden - weil Eltern und Alleinerziehende nicht benachteiligt werden und weil man nicht auch für die letzte Klitsche 17 Zeugnisse und drei besiegelte Meisterbriefe braucht. Aber es muss ein Gesamtkonzept mit einer Grundidee her. Doch an ganzheitlichen Visionen mangelt's. Das merkt man auch bei:
  • Steuern & Abgaben: Ich weiß nicht, wie's Ihnen geht, aber ich bin unfassbar frustriert, wenn ich meine Gehaltsabrechnung lese. Doch dafür kriege ich ja auch viel - Bildung, Sozialleistungen, Autobahnen. Das darf man nicht vergessen. Aber es kann doch nicht sein, dass diejenigen, die viel haben, viel absetzen können und deshalb wenig zahlen, und diejenigen, die wenig haben, nichts absetzen können und deshalb gearscht sind; dass es sich für Mütter oder Väter nicht lohnt, Teilzeit arbeiten zu gehen und eine Wirtschaftsleistung zu erbringen; dass ich den Lohn, den ich durch Mehrarbeit erwirtschafte, nicht gleich wieder beim Finanzamt abliefern muss. Ich habe noch nie selbst eine Steuererklärung gemacht, ich raff' das einfach nicht. Das muss einfacher und gerechter werden. Das muss komplett durch den Fleischwolf. Aber an eine grundsätzliche Überarbeitung traut sich ja keiner ran.
  • Rente: Das Umlageverfahren des Generationenvertrags ist gar nicht mal schlecht. Die eine Altergruppe finanziert die andere - dadurch wird kein Geld angespart und muss dubios angelegt werden; niemand kommt auf dumme Gedanken, spekuliert damit herum und die Kohle ist am Ende weg. Ich glaube auch, dass es weiterhin funktionieren kann, denn trotz sinkender Geburtenraten arbeitet der Einzelne mittlerweile produktiver und erwirtschaftet pro Kopf mehr als noch vor 40 Jahren. Trotzdem könnte man das Ganze mal überarbeiten. Wie wär's mit einer Grundrente (für alle - weg mit den Pensionen), zu der man Bonuspunkte erhält: für Kindererziehung, für überdurchschnittliche Einzahlungen, für ehrenamtliche Tätigkeit und so weiter.
  • Bildung: Ich bin für Studiengebühren. Echt jetzt. Wieso soll meine Arbeitskollegin 500 Euro für ihre staatliche Kleinkindbetreuung zahlen - im Monat, nicht im Semester! -, und der erwachsene Mensch nicht ein Sechstel davon für eine noch komplexere Bildungsdienstleistung? Ich habe selbst studiert und dabei viel gearbeitet, das geht. Dann: Schulen, Kindergärten, das muss alles besser ausgestattet werden. Klar kostet das Geld. Aber diese Investition krieg ich doch am Ende durch weniger Bildungsverlierer und besser ausgebildete Jugendliche wieder raus. Wir brauchen die wenigen Kinder nämlich als innovative und produktive Gestalter mit hohem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Außerdem: Wenn der Arbeitsalltag und die bürokratischen Vorgaben heute Raum ließen für ehrenamtliche Tätigkeiten, wenn nicht alle immer nur ihr Hamsterrad am Laufen hielten, wäre vieles einfacher und die Stimmung besser, solidarischer. Dafür gibt's dann auch Rentenpunkte. Hey - wir können uns das leisten! Wir sind eine reiche Gesellschaft!
Natürlich gibt's noch weitere Themen. Umwelt, Energie, Außenpolitik, Bürgerrechte - aber es ist doch jetzt schon klar: Wer auch immer gewählt wird - es geht nur ums Verwalten, nicht ums Gestalten. Die Gesellschaft, die Wirtschaft, die Werte - das reale Leben verändert sich, aber auf der politischen Ebene bleibt alles, wie es ist.

Falls nötig, wird mit Ach und Krach ein Gesetz gestrickt, und noch eins und noch eins, das Verfassungsgericht kassiert das dann ein. Am Ende bleibt ein hingefrickelter Kompromiss, der keinem dient und dessetwegen man als Bürger nur noch ein weiteres Formblatt ausfüllen muss. Aber man hat ja was getan und kann ein Häkchen dran machen.

Meine Volksvertreter sind so weit weg von mir und meinem Leben - das ist erstaunlich und erschreckend. Es ist nur ein Randaspekt, aber allein, wenn ich sie von der "Internetcommunity" reden höre - als bestünde diese "Internetcommunity" aus fremdartigen Wesen, die nur als Schatten in dunklen Kellern und nicht als ernst zu nehmende Bürger existierten. Halloooo! ... //*winkt ... ich bin's, Nessy, die "Internetcommunity"! Eine steuerzahlende Arbeitnehmerin, ein normaler Mensch, auch bei Licht, mit Familie, Hobbies, Werten, Wünschen und Zielen. Ich bin's! Ein Wähler!

Oder wie sehen Sie die ganze Sache so?
hammwanich (Gast)

Sehr schön!

Wo kann ich denn jetzt hier ankreuzen?

Praline (Gast)

Ja, bei Ihnen würde ich auch mein Kreuz machen. Eigentlich bräuchten wir Menschen wie Sie in der Politik; aber ich fürchte, daß Idealisten schon im Vorfeld scheitern. Die werden dann im Ortsverein auf Kassenwart- oder Schriftführerposten abgeschoben, damit sie die anderen beim Verwalten und bei der Machtausübung und dem Machterhalt nicht stören.

Im vergangenen Jahr habe ich mich lange mit jemandem unterhalten, der aus der Politik ausgeschieden ist und sich für eine Karriere in der Wirtschaft entschieden hat.

Er sagte sinngemäß, dass wegen zu viel Vereinsmeierei, Altherrengebahren und inhaltsleeren Profilierungsschwätzern nur die mittelmäßigen Gernegroße mit Geltungsdrang in der Politik blieben und dort erst kommunal-, später landespolitisch Karriere machten. Die, die wirklich etwas könnten, würden aus Frustration (und natürlich auch wegen größerer finanzieller und persönlicher Anreize - aber bei Weitem nicht nur) in die Wirtschaft gehen und eben von dort aus Politik machen. Das funktioniere müheloser.

Klare Worte eines vielleicht unmoralischen, aber ehrlichen Wirtschaftsvertreters und Politikaussteigers.

ad Nessy

Ja, leider stimmt das ohne wenn und aber.

Hast du sehr schön gesagt. Traurig nur, dass sich nichts ändern wird. Ich finde das so frustrierend.

Zwar denke ich manchmal, dass wir verwöhnt sind. Es gibt genügend Länder, in denen die Menschen nicht einmal wählen dürfen - oder sich für den Wahlgang in Gefahr begeben. Wir hingegen meckern nur rum. Andererseits bedeutet Kritik (und damit nicht zuletzt die Nutzung der Meinungsfreiheit) ja nicht Geringschätzung der Privilegien.
PizMumm (Gast)

Sie sind ja gar nicht so alt

, wie Sie in den Kommentaren beschrieben werden. Nein, Sie sind noch jung. Geniessen Sie es! Später, wenn Sie erwachsen sind, läuft es, wie es Wolfgang, verdammt lang her, gesagt hat: Nicht resigniert, nur reichlich desillusioniert - ein bißchen etwas habe ich kapiert.

Aber ist nicht genau das das Schlimme?

Ich meine - okay: Den Schritt von blauäugig-jugendlichem Eifer zu einer gelassenen Bodenständigkeit machen wir wohl alle durch. Aber wenn Desillusion heißt, keine Ideale mehr zu vertreten und enttäuscht im Status Quo zu verharren, dann bleibe ich lieber unbedarft.
PizMumm (Gast)

Der Desillusionierte tut bedarft was er will und kann und hütet sich vor der Quijoterie.

*Goldene Ehrennadel für intellektuelle Satzbastelei*
Riffer

Volle Zustimmung

Da die etablierten Parteien Sie im Grunde gar nicht vertreten, erlaube ich mir Sie zu fragen, ob Sie mit einem kleinen Teilaspekt auch schon zufrieden gestellt wären?
Die Piratenpartei (www.piratenpartei.de) trat bei Ihnen zwar nicht zur Kommunalwahl an, ist aber durchaus auf der Liste der Bundestagswahl zu finden und würde sich über Ihre Zweitstimme sehr freuen. Die Piraten vertreten eine Linie, die Ihnen und uns anderen Bloggern und Bloglesern liegen dürfte. Dazu habe ich noch diese Video-Empfehlung: http://www.wikio.de/video/1693377
Im übrigen treten die Piraten für die sogenannte 'Liquid Demokratie' ein, will sagen, es soll zu jeder Zeit und in jeder Entscheidung der Bürger mitwirken können. Die Piraten sind eine sehr junge Partei aus im Schnitt sehr jungen Mitgliedern - sie haben (glücklicherweise) noch (und hoffentlich auch nie!) kein Warenhaus aus Wahlversprechungen von denen die Hälfte dann bei Koalitionen eh über Bord geworfen wird. Sie treten für die Themen ein bei denen sie sich auskennen. Ich persönlich wähle lieber den Fachhändler, als ein Warenhaus, denn der kennt sich aus.

Für die Vergabe der Erststimme würde ich Ihnen einen Besuch auf http://www.abgeordnetenwatch.de/projects/kandidatencheck/popup.html empfehlen.

Diese Hilfs-Instrumente (mehr sind sie nicht!) basieren nicht wie der Wahl-o-Mat nur auf den Parteiprogrammen, sondern vergleichen Thesen und Schwerpunkte mit denen der Kandidaten in Ihrem Wahlkreis! Ich konnte mich so z.B. davon überzeugen, dass bei mir im Wahlkreis die Grüne Kandidatin die beste Wahl für mich und meine Erststimme ist.

Ergänzend können Sie natürlich noch das Abstimmungsverhalten ihres Wunsch-/ oder auch Alptraum-Kandidaten auf http://www.abgeordnetenwatch.de überprüfen um eine abschließende Meinung zu bekommen.

Und im übrigen: Vielen Dank, dass Sie zur Wahl gehen! Auch wenn es keinen Spaß macht. Man hat eben nur alle 4 Jahre die Wahl. Zumindest im Moment noch. Mit Parteien wie den Piraten könnte das irgendwann anders werden.

hätten alle wähler in den letzten jahren, hätten wir trotzdem dieselbe politik.
grund 1:
usa und eu bestimmen die grundregeln.
grund 2: macht korrumpiert und alle geliebten propheten werden später zu unerträglichen typen (siehe joschka fischer, clinton, blair......)

die wahlen sind nur zum schein da, damit das volk glaubt, dass es was mitzubestimmen hat. die spd macht aber politik für die reichen genausowie die cdu. und ausserdem regieren sie miteinander, in frieden , lachen und eintracht.
trotzdem soll man natürlich wählen gehen, allerdings ist das ergebnis für die zukunft des landes wiegesagt schnurzegal.

Danke für den Hinweis auf wen-waehlen.de.

Wenn es danach geht, war mein Entscheidungsfindungsprozess der vergangenen Wochen erfolgreich und ich entscheide mich für die richtige/n Partei/en.

(Möchten noch andere Parteien hier für sich werben?)

Gerade...

...im Bereich Bildung kann ich da nur sehr zustimmen. Ich habe mich immer gefragt, warum die Leute sich freuen, wenn der Prof ankündigt, dass er zur nächsten Veranstaltung nicht da ist und diese ausfällt - Hallo? Der Mann hat da zu sein, das ist sein Job. Eventuell wächst mit den Studiengebühren auch das Bewusstsein, dass der Student einen Dozenten dafür bezahlt - ich lass doch meine Putze auch nicht einfach mal nächste Woche zum Kaffeetrasch und bezahl sie dafür.

eigentlich fasse ich es ja nicht.
es gibt leute, die lassen sich von den "politkommissären" themen aufplaudern, die zwar irgendwo wesentlich sind...aber ich frage:
ist das das geschäft einer regierung zu bestimmen, obs studiengebühren gibt oder nicht? das ist die wichtigste frage in deutschland?
in österreich gabs jahrelang keine studiengebühren , dann wieder, jetzt wieder nicht.....das ist doch nur das diskussionsfutter um von den wesentlichen fragen abzulenken, die zum beispiel wären:
warum hat der verdienst eines unternehmens pro angestellten in den letzten jahren schon wieder rapide zugenommen?

@Herr Mike: Hinter dieser Episode, die Sie schildern, steckt mehr. Nämlich unter anderem der Aspekt, dass es für den Professor keinen Anreiz gibt, Studenten zu unterrichten. Allein Forschungsergebnisse zählen. Die Unterrichtung und Förderung junger Menschen verschafft weder Drittmittel noch Reputation. Und damit sind wir - im zweiten Schritt - wieder bei der Frage der Wertschätzung von Leistung in Lehr- und Erziehungsberufen und der Suche nach einem Gesamtkonzept.

@Errorking: Warum sprechen wir eigentlich immer nur über Verdienste und Renditen? Als ob "Wert" sich nur über den ökonomischen Wert definiert.

Also...

...der Verdienst eines Unternehmers ist Ertrag seiner Leistung - zu der auch das Risiko gehört. Wenn sein Engagement den Bach runter geht, dann werden die Arbeitnehmer auch nicht sammeln gehen - von daher halte ich auch staatliche Rettungsschirme für sehr zwielichtig.
Jeder Arbeitnehmer, der ein Problem mit dem Verdienst seines Chefs hat, der kann sein eigenes Unternehmen starten und sehen, ob er es besser kann.

Zur Wertschätzung: In Hamburg habe ich einen Prof kennen gelernt, der hat nix anderes gemacht, als zu dozieren - und er wurde quasi über diesen Weg Professor. Keine Robert-Langdon-Berühmtheit, aber ein von seinen Studenten geliebter Professor. Das ist manchen Wertschätzung - oder Reputation - genug.

Ich halte Studiengebühren für eine gute Sache, denn die Idee "Jeder muss studieren können." ist sehr theoretisch, wenn man sich mal die Studenten ansieht. Der Arbeitersohn ist da in der Regel nicht dabei, aber seine Eltern zahlen der Mittelschicht die Studienplätze. Studienkredite - ja. Stipendien - ja. Aber Bildung vorgeworfen bekommen, Sonnenscheinrevoluzzer spielen ohne einen Geschmack auf das Leben zu bekomemn, das halte ich für Möchtegernsozialdenken.

Zum Verdienst: Sehe ich auch so - solange wir von den Unternehmern reden, die wir beide vor Augen haben: redliche Mittelständler, die sich für ihren Betrieb den Arsch aufreißen und für ihre Entscheidungen unmittelbar einstehen (müssen). Ein anderes Ding sind angestellte (und jetzt kommt das böse Wort:) Manager, die keinen gewachsenen oder empfundenen Bezug zum Unternehmen oder zur Mitarbeiterschaft haben und diesen nicht vorhandenen Bezug auch durch ihr Handeln zum Ausdruck bringen. Alles Weitere zu Boni und Abfindungen wurde schon mehrfach anderorts gesagt - wobei eine gesetzliche Deckelung von Gehältern in diesem Fall keine Lösung ist.

Ihr Hamburger Hochschullehrer sei beglückwünscht. Solch ein Fall ist nahezu einmalig.

Die Idee "Jeder sollte studieren können" mag zwar in ihrer Kompromisslosigkeit nicht realistisch sein - erstrebenswert ist sie schon. Die aktuelle Wirklichkeit ist jedenfalls so weit von diesem Ideal entfernt, dass wir ihm noch ein wenig nachhängen sollten - allerdings nicht mit einer Abschaffung von Studiengebühren, sondern mit mehr Einsatz in jüngeren Bildungsjahren.

an nessy

über die täglich steigenden verdienste und renditen der unternehmer (welche immer mehr in verarmung abhänigkeit, mangelnder gesundheit und mangelnder bildung der mittel und "harz4-unterklasse" stürzt)NICHT zu sprechen und statt dessen über studiengebühren zu sprechen ist mir nicht verständlich.
die studiengebühren sind das immer wider ausgetauschte "ablenkungsspielzeug" für die junge bevölkerung. (sieh nach bei freuds cousin bernays!)
energist (Gast)

Studiengebühren…

wollen eine Antwort auf das Problem der „ewigen Studenten“ sein, genauso wie es die Verschulung und „Bachelorisierung“ der Studiengänge sein will. Außerdem gibt es da ja noch die gefühlte Ungleichverteilung zwischen „nützlichen“ Fächern und – exemplarisch – Kunstgeschichte.

Indes, diese Probleme wurden durch all das nicht gelöst. Stattdessen wurde den jungen Studenten eine Drohkulisse aufgebaut, die dazu führt, daß Inhalte noch stärker als bisher auf Prüfungsthemen reduziert werden. Bulimielernen, Stress und stark abgefallene Leistungen durch alle Fächer sind die Folgen. In der letzten Klausur, die ich beaufsichtigte, mußte eine Probandin vom Notarzt abgeholt werden, ca. 20 brachen aufgrund von Weinkrämpfen und Atemnot die Bearbeitung ab. Die tatsächlichen Anforderungen sind indes nicht gestiegen – teilweise wurden sie auf Druck von oben (das [i]Unternehmen Uni[/i] kann es sich in der Außendarstellung nicht leisten, wenn 85% eine Klausur nicht bestehen) deutlich gesenkt.

Ich schweife ab, Verzeihung. Die geplante Wirkung haben diese Änderungen jedenfalls verfehlt. Meiner Meinung nach müssen sich zwei Dinge ändern, damit die Universitäten wirklich profitieren: A) Aufwertung der Fachhochschulen zu vollwertigen Alternativen als berufsausbildende Hochschulen. Konzentration der Universitäten auf die Forschung. B) Verbunden damit massive Einschränkung der Anfängerzahlen in allen Fächern. Auswahl der Geeigneten durch Einstufungsgespräche, die Trefferquote ist hier sehr gut.

Daran mag sich dann allerdings niemand wagen. Schade eigentlich. Die Abspaltung findet dennoch statt, nur nicht so offensichtlich. Und keiner mag davon etwas wissen.

"jeder soll studieren können" ist das dämlichste argument gegen studiengebühren, das die politik jemals hervorgebracht hat. es kann ja eben nicht jeder studieren, weil nicht jeder die entsprechende/ausreichende schul(aus)bildung besitzt. da kann die uni noch so kostenfrei sein, gleichheit herrscht da sicher nicht.

(...und "studienbeiträge" von 363 euro pro semester lasse ich jetzt mal unkommentiert, da werd ich immer so fuchtig und das bekommt meinem teint nicht...)

"Meine Volksvertreter sind so weit weg von mir und meinem Leben ... " das werden sie auch bleiben, egal wen man wählt!
Politiker sind Marionetten, die hängen an Fäden und die, die an den an Fäden ziehen, die sieht man nicht ...

Wenn ich das mal völlig verkürzt darstellen wollte, würde ich sagen, dass uns der Mut fehlt, ab und zu nach neuen Lösungen zu suchen und neue Ideen auszuprobieren. Das würde bedeuten, scheiternde Ansätze und Fehler miteinzukalkulieren und sie mit einem guten Schuss Gelassenheit zu tolerieren. Wir sind als Gesellschaft insgesamt zu sehr an Sicherheit und zu wenig an Innovation interessiert - mich selbst nehme ich da in keiner Weise aus. Wenn jede Herausforderung eingeebnet und alle Stolpersteine aus dem Weg geräumt worden sind, verfällt die Motivation, sich anzustrengen, dramatisch. Das ist der Konsens, der völlig falsche Anreize setzt - nicht Fördern und Fordern, sondern Ermöglichen und Befähigen sollte das Ziel der Politik bei Arbeit, Steuern, Sozialtransfers sein. Aber das erfordert ein völliges Umdenken, weg von den klassischen Milieus hin zum Einzelnen und seinen konkreten Bedürfnissen, Wünschen und Potenzialen. Wir sind einfach noch nicht so weit. LG, WilderKaiser

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Trackbacks zu diesem Beitrag

fishy.twoday.net - 25. Sep, 16:38

Wut tut manchmal gut

Ich glaub, es regt sich was im Land.... [weiter]

Kaffeeklatsch

Das glaube ich nicht.
Das glaube ich nicht.
nessy - 8. Dez, 08:49
Wolfi klingt cool. Aber...
Wolfi klingt cool. Aber so um den 8. Mai nächsten...
Maik (Gast) - 7. Dez, 21:25
Uh-Oh...
Jetzt kommt Traffic vom Bestatter herübergeschwappt....
banger - 7. Dez, 17:03
Das schöne daran...
... ist die Erinnerung darin. Klar kann da kein "modernes...
Marco (Gast) - 7. Dez, 15:37
Auf jeden Fall ist das...
Auf jeden Fall ist das alles tanzbar, wie die Mädels...
nessy - 7. Dez, 14:22

Keks dazu

T9
Aktuellstes, dem Telefonino beigebrachtes Wort: schnorcheln

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Im Geschäft seit 1433 Tagen.
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