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Der Verwandtschaft geht das Altglas aus

Opa Konni, unser Familienbäcker, hat ein neues Steckenpferd.

Früher war Opa Konni Maurer. Über Umwege wurde er Manager, leitete Abteilungen im In- und Ausland, flog von Deutschland nach Übersee und wieder zurück, bis auf einem der vielen Rückflüge sein Ruhestand in Kraft trat und er plötzlich Pensionär war. Er war überrumpelt. Von Natur aus raschelig, musste er von einem Tag auf den anderen stillsitzen. Höchste Unzufriedenheit stellte sich ein.

Er besann sich deshalb auf sein gelerntes Handwerk: das Rühren und Schichten. Statt zu Putz und Mörtel griff er zu Mehl und Eiern. Seitdem quirlt, knetet und formt er Guglhupfe und Bienenstiche, Stollen und Eierschecken - täglich, stündlich, immerzu; ein kalter Backofen zeugt von Trägheit und Senilität, und wenn Opa Konni sich eins nicht nachsagen lässt, dann das. Jede Woche verschenkt er mehrere Kubikmeter Backwaren. In allen Schaften seines Umfelds - Verwandtschaft, Nachbarschaft, Bekanntschaft - häufen sich Fälle von Diabetes und Gallensteinen.

In seinem sechsten Rentnerherbst hat er nun eine Ausweichtätigkeit gefunden: das Einkochen. Mit hingebungsvollem Eifer pflückt er seit einigen Wochen Kirschen, zupft Beeren, döppt Pflaumen, entkernt Äpfel und verarbeitet sie zu fantasievollen Marmeladen. Doch um neue Kreationen herzustellen, bedarf es großer Mengen an Abfüllgefäßen. Die Schaften sind deshalb zum Sammeln aufgerufen. Sie lagern Klappkörbe voller leerer Gläser in den Kellern ihrer sauerländischen Reihenhäuser, geben sie leer bei Opa Konni ab und bekommen sie voll zurück. Bis zu Beginn des nächsten Jahrtausends ist für Brotaufstrich gesorgt.

In banger Voraussicht fragen wir uns jetzt, welche Leidenschaft er als nächstes entdecken wird - und uns ist klar: Es kommen nur Viehhaltung und hauseigene Schlachtung in Frage. Wir brüten schon über Bauplänen reihenhauskompatibler Stallungen.

so ein exemplar pensionärer backtriebigkeit gibts bei uns auch in der verwandtschaft. die weihnachtkekse von tante reichen immer bis in den august hinein. und ihre mutter selig hatte in den neunzehnachtzigern noch selbstgemachte marmelade aus den späten sechzigern im keller.
obwohl es einige jugendliche aus der nachbarschaft halluzinogen für gut befunden hatten landete das zeug trotzdem im sondermüll.

Den jungen Leute hätte auch der Waldbeerlikör, aufgesetzt 1972, geschmeckt, den wir nach ihrem Tod bei meiner Oma im Keller fanden.

Für Weihnachten erwarte ich Produktionsspitzen und Synergieeffekte in Sachen Backwaren/Marmelade.

es scheint eine weit verbreitete angewohnheit der kriegsgeneration gewesen zu sein, nichts "essbares" wegschmeissen zu können.

"Die ist doch noch gut!" Plüschigen Belag könne man mal von der Wurstscheibe runterkratzen, meinte meine Großmutter.
URi

Runterkratzen? Für so etwas nimmt man einen Rasierer. Ist viel komfortabler...

Nee, reihenhauskompatible Stallungen benötigen sie nicht. Mein Vater hält sich Galloways (weil auch in Rente und nix zu tun ;) ) mit ein paar Freunden zusammen. Die können Sommers wie Winters draußen stehen und brauchen höchstens im Winter Heu dazu (gern auch selbst gepresstes). Der einzige Nachteil ist, so ein Galloway braucht so an die zwei Jahre, bis ein gutes Schlachtgewicht hat. Deswegen hält mein Vater mit seinen Freunden mehrere, verschiedenen Alters, damit jedes Jahr eins zum Schlachter gehen kann.
Das einzige was er, bzw. vielleicht auch Sie bräuchten, wäre eine zusätzliche Kühltruhe, denn irgendwo muss man das Fleisch ja auch lagern...

Ach ja und er hat auch noch Bienen, da hat man auch immer was zu tun, auch im Winter, es gibt lecker Honig, man kann Wachs gewinnen (und Kerzen machen zB, das tut mein Vater allerdings nicht) und aus dem Honig auch Honigschnaps machen.

Liebe Grüße

Feine Idee!

Mit den Bienen ... nun gut, für Maja und Willi braucht man eine ruhige Hand. Er besitzt aber doch diese Grund-Nervösität.

Galloway-Rinder ist ganz prima. Die Nachbarn haben auch jede Menge Garten. Allerdings sind sie etwas pingelig mit ihrem Zierrasen; dahingehend müsste er in Verhandlungen treten.
opatios (Gast)

Wenn Rinder zu groß wären, wie stehts dann mit Schafen? Wolle, Schafskäse...

Und wenn keine RasenMÄHer, wie wärs dann mit Vogelhäuschen bauen? Kann man auch auf dem Flohmarkt verkaufen, zusammen mit der übriggebliebenen Marmelade. ;-)

Angeln, was ist mit angeln? Die Kühltruhe immer voller Fische haben. Oder ist ihm das zu ruhig?

Auf einem Klappstuhl sitzen und eine Rute ins Wasser halten? Wenn überhaupt irgendwas mit Wassertieren, dann traditioneller Walfang im Ruderoot und mit Harpune. Action!

*flüsterflüstertuscheltuschel* wie wär's denn mit Schnapps brennen? Die Früchtchen die man sonst einkocht kann man nämlich auch anders verwenden, und nicht nur zum aufsetzen...

Eine hervorragende Idee! Schnaps brennen liegt darüber hinaus in unserer Familie. Brauchtümer sollte man pflegen.

//*nickt bekäftigend

Einfach wieder mal klasse geschrieben. Ich wünsche allen Schaften ihren Opa Konni!

So ein Opa Konni bedarf einer guten Pflege, einer freundlichen, gut geheizten häuslichen Umgebung und eines kleinen Waldstücks in der Nähe zwecks Spaziergänge außerhalb der Backzeit.
sarah (Gast)

Wieder einmal ein richtiges Lese-Schmankerl, vielen Dank! :-)

Sehr gerne.

Wenn er einen Versandhandel für selbst gemachte Marmelade im Internet auf macht, ist er doch ein wenig beschäftigt?!
Sonst, selbstschlachtende Verwandschaft, nicht sich, sondern die Tiere, kenne ich. Die habe ich nie gerne besucht, denn erst stand das Schwein im Stall und dann befand es sich pürriert im Glas, als Leberwurst.

Opa Konni und Computer - geh mir wech, das wird in diesem Leben nichts mehr. Er negiert ja schon die Existenz von Taschenrechnern und Mobiltelefonen.

Ach ja...

//* zieht Parallelen
//* stapelt noch ein paar Gläser in den Korb


Brüderlein verkocht, verschnapst und versirupt auch alles, was im Garten zu finden ist.

Uns geht, als Gegenleistung, die Marmelade nie aus - wobei einige Kreationen SEHR gewöhnungsbedürftig sind. Und gewisse *hicks* Reaktionen auslösen können...

Seinerzeit aß ich Birne - Banane - Weiße Schokolade, allerdings nicht von Opa Konni. Obwohl Banane in Verarbeitung eher schwierig ist, schmeckte die Kreation nach der Gewöhnungsphase großartig. Ich kann Ihnen also nur Mut zusprechen.

Das scheint ein weitverbreitetes Phänomen

(könnte ich Ihnen Gläser zuschicken und bekäme Marmelade im Gegenzug?)

In dieser Familie geht der Trend auch in die Richtung. Unsa Mutter schafft noch Marmelade einzukochen neben der Arbeit, wie wird das erst, wenn sie mal in Rente geht?
Meineeine sucht sich andere Hobbys. Letzten Winter wurde genäht, diesen Winter will ich mich in stricken versuchen. Aber ob das Serientauglich wird, bleibt abzuwarten.

Falls Sie beginnen, Socken zu stricken, die Sie großmütig verschenken, achten Sie bitte auf die richtigen Größen. Die Schwiegermutter strickt immer zu groß, weshalb ich ihre Socken nur in ihrer Gegenwart trage, und weshalb zu diesem Zeitpunkt eine erhöhte Unfallgefahr besteht. Schon mehrmals wäre ich beinahe ausgeglitten. Als ich mich einmal an einer vorbeischlitternden Kommode festklammerte, gab es Opfer unter den Porzellanwaren.

So weit bin ich noch lange nicht.

Meine Oma strickt mit Leidenschaft Socken und die passen immer. In Kindertagen haben wir Kinder ihr immer eine aktuelle Fußschablone gemacht, Fuß auf die Pappe stellen, ummalen, ausschneiden. Vielleicht wäre das was für die Schwiegermutter?

Irgendwo habe ich unlängst einen Stift gesehen, mit dem man zB Wollsocken mit ABS-Punkten oder Schriftzügen versehen kann, vielleicht wäre das was, um die Schwiegermuttersocken rutschfest zu machen?

Das werde ich mal anregen.

Ich hätte da noch...

...unmengiges an befüllbaren Glaswaren im Keller. (Neinein, nicht Einkoch- oder Sammelwut trieb mich dazu, es war schnöde Faulheit, oder zu viel Kellerplatz.)

Zur Weihnachtzeit tun Sie gut daran, auch größere Behältnisse zu sammeln. Das Mürbegebäck ist nämlich auch nicht zu verachten.

Liebe Frau Nessy,

bitte geben Sie mir sofortigst die Adresse vom Opa. Weihnachten steht an und ich kann nicht backen.
Letzte Woche habe ich z.B. versucht, Obstspieße mit Kouvertüre zu überziehen. Ein Desaster. Wirklich!
Meine Famile ist dringend auf Opa Konni angewiesen. Jedes Jahr die selben gequälten Blicke beim Verzehr totgebackener Kekse - das können Sie doch nicht verantworten, oder? Denken Sie doch bitte an mein Besenwesen! Die hat doch Besseres verdient als Oetkers Keksmutantfertigmischungen, die ich im ürbrigen auch nicht hinkriege. BIIITTTEEE! Revanchiere mich mit selbstgestrickten Bettschuhen, damit sich der Opa beim nachts-raus-müßen nicht auch noch ne Blasenentzündung holt und noch mehr nacht-raus-muß.

Oh ja, oh ja ja, Opa Konni muss viel nachts raus. Er ist allerdings nicht sehr mildtätig, sondern dringt eher auf Fleiß, Disziplin und Übung und unterweist Hilfsbedürftige - wenn überhaupt -, Dinge selbst zu tun. Schreiben Sie ihm ("Opa Konni, Sauerland") - dann gibt er Ihnen sicherlich einen Kurs.

ich habe genau das gegoogelt. ich komme nicht weiter bei auswürfen wie "probleme mit mutter-kind-kur". werde einen mir befreundeten im sauerland lebenden sonderpädagogen vor ort auf die suche schicken. möglicherweise winkt damit für opa konni auch ein total pädagogisch wertvolles backevent mit benachteiligten kindern. WIR müssen das nur aushandeln. und für opa konni wär das doch auch was tolles für den lebensabend. so backen mit lernschwachen....

Wenn opa Konni durchstartetm ist Schluss mus Kuschelpädagogik. Er ist dahingehend sehr konservativ.

Im Allgemeinen gibt es keinen Mangel an Damen und Herren, die ihre eigenen Anverwandten mit süßem Überfluß quälen. Besitzt man kein eigenes Exemplar in der Verwandtschaft, empfiehlt es sich, mal im Bekanntenumkreis zu schnüffeln und wenn man jemanden gefunden hat, sich nach und nach durch kleine Geschenke und Nettigkeiten in den Kreis der Begünstigten einzuschleichen. Man sollte aber vorsichtig sein, es könnte funktionieren und dann bekommt man zweimal im Jahr einen Riesenkarton mit dreissig Marmeladengläsern geliefert und darf nichts anderes mehr zum Frühstück essen... Ich spreche aus Erfahrung.

Man kennt ähnliche Begebenheiten, in denen man - zu Gast im fremden Hause - erwähnte, man möge gerne, sagen wir, Bircher-Müsli. Dann wird zu jedem Besuch Bircher-Müsli gereicht, egal ob es Vormittag oder Abend ist. Und wehe, die eigene Bircher-Müsli-Phase ist vorbei.

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Kaffeeklatsch

Oh, ist das schön! Vielleicht...
Oh, ist das schön! Vielleicht ist es dann noch...
nina (Gast) - 17. Dez, 15:55
So ähnlich
http://redders.wordpress.c om/2009/12/14/ich-wurd-sie -nie-hergeben/
Marco (Gast) - 17. Dez, 07:47
Sie könnten ja auch...
Sie könnten ja auch den Jetzigen behalten und...
nessy - 16. Dez, 11:41
Wunderschön! Ich...
Wunderschön! Ich möchte auch mal solche...
LeilaCouleur - 15. Dez, 23:45
Ich bin auch schon mehrfach...
Ich bin auch schon mehrfach anlässlich von Hamburgbesuchen...
lordfoltermord (Gast) - 15. Dez, 18:23

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Aktuellstes, dem Telefonino beigebrachtes Wort: schnorcheln

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