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Der Fluch der Damenpantolette

Als ich ankomme, sitzt Unsaomma im Sessel, an den Beinen Stützstrümpfe, an den Füßen Komfortschuhe. Fröhlich überreiche ich ihr mein Geschenk: die beste und einzige fellbezogene Damenpantolette des Ruhrgebiets.

Versonnen fummelt Unsaomma das Geschenkpapier vom Schuhkarton, öffnet den Deckel und -
"Pantoffeln????" Verwirrt sieht sie vom Karton zu mir, zu Mutter und zurück zum Karton.

"Hast du dir doch gewünscht, Omma", sage ich gepresst und schaue mit einem stirngerunzelten "Etwa nicht?"-Blick meine Mutter an. Mutter ist sofort bemüht, die Situation zu retten. Sie reißt eine Pantolette aus dem Karton - das weiße Papier fliegt hinaus und gleitet vor Ommas Gehstock zu Boden.

"Oooooch, wie schön! Guck mal, Omma, ganz warm!" Mit einer runden Bewegung streicht Mutter über Filz und Fell und zupft dabei das Preis- und Größen-Schild ab. "Die probierst du gleich mal an, woll?" Bevor Unsaomma sich wehren kann, greift Mutter ihren Fuß, zieht ihn zu sich hoch, hebelt ihr den Schuh von der Haxe und stopft ihr die Pantolette auf die Zehen.

"Das ist aber ein bisschen knapp." Vorwurfvoll schaut Mutter mich, noch über den großmütterlichen Fuß gebeugt, von unten herauf an.

Ich nehme Verteidigungshaltung ein. "Das ist 39, wie bestellt."

"Hast du sie denn nicht anprobiert?" Mutter versucht, die Pantolette weiter auf den Fuß von Unsaomma zu schieben. Doch Ommas Frist ist zu hoch, der Fuß zu mopsig. Unsaomma haut Mutter auf den Arm und jammert: "Lass das!"

Ich seufze. "Wie soll ich denn die Latschen anprobieren? Das ist doch gar nicht meine Größe." Ich erübrige mich, die Pantolette wieder mitzunehmen und gegen eine größere umzutauschen.

Nun gib Gott, dass Größe 40 vorrätig ist. Sonst beginnt alles von Neuem.

Offensichtlich

machen Sie ja nie was richtig, Frau Nessy. Ihre Mutter hat da schon Recht...

Sehen Sie. So entstehen Amokläufer. Oder Anorektiker. Oder Wollfetischisten.

Vorstandsvorsitzende

ebenfalls?

Kapitalismuskritik - oh-ha. Und das hier bei Kaffee und Kuchen.

Vielleicht dann doch Baklava?

Einen gesegneten Appetit hat sie ja, Unsaomma.

War

damit doch eher eine Reise oder eine Muetze gemeint?

Frau Unterholz meinte das nicht mehr existente Sanitätshaus, in dem nun ein türkisches Café eingezogen ist.

Mützen - so generell - braucht Unsaomma nicht. Sie ist ein Stubenhocker.
URi

Hoffentlich

werde ich noch gefragt, was ich denn gerne auf Geburtstag hätte, wenn ich die 70 (oder so) mal überschritten habe.
Wobei: In diesem biblischen Alter wissen die armen Omis und Opis ja einfach nicht mehr, was gut für sie ist und was sie brauchen könnten, da bedarf es dann der Kinder, die das natürlich viiiiieel besser wissen... [inkl. der richtigen Größe]

"Omma, was wünschst du dir?"
"Ach, lohnt nicht mehr."

So kann ich nicht arbeiten. Abgesehen davon, werden diese Ommas und Oppas, bei denen sich keine Anschaffung mehr lohnt, am ältesten.

Also Frau Nessy, wo ich bei den Beiträgen jetzt schon einmal rundumgrinsen musste, hat mir dieser Kommentar ("ach, lohnt nicht mehr") jetzt die Lachtränen in die Augen getrieben.

Ich glaub, ich mag Unsaomma. :D
Marlies (Gast)

Das war auch immer der Standardspruch meiner Uroma - sie starb letztes Jahr mit 100.

"Lohnt nicht mehr" ist echt gut. ich glaube, damit werd ich meine Erben später auch ärgern.

Vergeblich, fürchte ich. Die Erben sind doch froh um jeden Cent, den Sie einsparen.

Frau Nessy, was war das denn jetzt wieder!
Erst die Pummeldings, dann der verpatzte Schluffenkauf und jetzt auch noch die gesundheitliche Gefährdung von Usaomma!
Da entstehen Druckstellen, wenn die Pantoffeln zu klein sind! Ganz gefährlich! Hätten Sie sie denn nicht anprobieren können, quasie zwei im Sinn minus den Ödemen? Dann wäre das auch gegangen, aber bitte, wenn man ständig kräftiger wird, dann schlägt das auch aufn Kopf, wegen der Schilddrüse, sie wissen schon.

Schon klar.

Hätte ich Unsaomma mal öfters besucht, würde ich ihre Füße auch kennen und hätte die richtige Größe gekauft - per Augenmaß; und hätte ich in meiner Kindheit mal mehr Interesse an häuslichen Dingen gezeigt, könnte ich jetzt Pummeldings backen und wüsste, wie man Keksdosen aus Salzteig knetet.

Sehen Sie, da lob ich mir meine Oma, Gott hab sie selig! Sie packte ihre Geschenke erst garnicht aus, sondern verstaute sie (bereits viele viele Jahre vor ihrem Tod) oberhalb des Schlafzimmerkastens. Nach ihrem Tod wurden die Geschenke unter den Töchtern verteilt, was die Schwiegertochter mit: "Jetzt bekomme ich noch nicht mal meine Geschenke an sie zurück!" kommentierte!

Wenn man das weiß, kann man ja zielgerichtet schenken - also sich selbst.

Was könnte ich denn in ein paar Jahren gebrauchen? Vergammeln darf's natürlich nicht ...
//*überlegt intensiv

Vielleicht

Pantoffeln?

Ach, geh'n Sie mir weg, Herr Pé.

//*murmelt vor sich hin: Verarschen kann ich mich alleine ...
Anne (Gast)

Tosca

Nach dem Tod meiner Oma Mausi fanden wir literweise Tosca-Duftwässerchen, teilweise noch in violettblö-changierenden Nichtknister-Geschenkpapier (diese papierne Äquivalent zur Seersucker-Bettwäsche, weisste?)
Na, jedenfalls könntest Du Omma vielleicht mit einer Flasche Boss-Woman oder so erfreuen......?

An Tosca habe ich gute Erinnerung. Ist ein Duft, den ich mit einem lieben Menschen verbinde.

Ebenso Kästchen mit Seife.

Es ist so wichtig für Frauen, dass sie flexibel und vielseitig sind! Da geht die Hausarbeit so leicht von der Hand! Sie hätten dann auch Únsaomma, natürlich in der richtigen Größe, Pantoffeln selber filzen können, mit Pummeldings gefüllt! Gibt es in ihrer Nähe denn keine Haushaltsschulen mehr?

Selberfilzen, jetzt hört es sich aber auf. Wissen Sie, was ich in der Schule in "Textilgestaltung" hatte? Eine vier. Zurecht. Mit Stolz.

So'n Schnokus, mann.
Knopf annähen, das reicht mir.

ich glaub ja euaomma würd sich über so'n schönes schnäppschen freuen. war jedenfalls immer das lieblingsgeschenk von unsaomma

Wat Aufgesetzen, meinen Sie? Oder ein Likörchen? Einen Eierpunsch deluxe? Oder Glühwein für die kalten Wintertage?
Ich weiß nicht recht. Unsaomma muss immer so aufstoßen vom Alkohol.

unsaomma war das ziemlich egal, da tats dann auch mal der vodka vom Schlesier auf der Ecke. Aber wenn sie sich was aussuchen durfte, ja dann am liebsten Grappa.

Das nächste mal kaufen Sie welche, die vorne offen sind, Frau Nessy. :)

Das nächste Mal kaufe ich Latschenkiefer zum Einreiben.
emanuela (Gast)

Also die 40 wird auf jeden Fall zu groß sein. Gibt es denn keine halben Größen? Boah, diese Enkeltöchter immer ,)

Noch jemand, der sich damit auskennt. Wir teilen alle das gleiche Schicksal.

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Kaffeeklatsch

Die simpelste Lösung...
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Chris (Gast) - 10. Feb, 11:20
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Der ganze fachliche Gehalt dieser Diskussion geht grad...
Not quite like Beethoven - 10. Feb, 11:18
Dazu ganz passend
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SBee (Gast) - 10. Feb, 11:02
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Und das ausgerechnet im Apfelgeschäft! Dört...
nessy - 10. Feb, 11:00
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Wenn ich mal richtig Geld habe, so Ackermann-mäßig,...
nessy - 10. Feb, 11:00

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