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Die Kiste

family500

Nach familiären Wirrungen sind verschiedene Erbstücke in meinem Haushalt gelandet. Darunter ein Schlafsofa, das meine Großmutter 1940 zu ihrer Aussteuer zählte, altertümliche Nachthemden und eine handbetriebene Brotschneidemaschine. Ebenso jene stählernen Ausstechförmchen, die mein Großvater während des Krieges schweißte, damit seine Frau den Kindern in diesen schwierigen Zeiten süße Kekse für ein gesundes Gemüt backen konnte.

Unter den Dingen, die nun bei mir wohnen, befindet sich auch eine große Kiste mit Fotos und Dokumenten. Am Wochenende habe ich begonnen, sie einzuscannen und zu katalogisieren, um gemeinsam mit der Familie zu ergründen, wer darauf abgebildet ist. Im oberen Bild etwa ist es meine Großmutter, die - als Dritte von links - mit fremden Herrschaften posiert. Es muss um 1930 gewesen sein.

Der Blick in die Vergangenheit und zu den eigenen Wurzeln hat etwas seltsam Tröstliches. So meine ich mich in dem ein oder anderen Gesicht, einer Nase oder einer Augenpartie wiederzuerkennen. Was die familiären Ohren betrifft, empfinde ich es außerdem als wohltuend zu wissen, dass schon die Generationen vor mir einen Hang zum Dumbo-ismus hatten und meine Lauscher lediglich das Ergebnis ungünstiger evolutionärer Entwicklungen sind.

Schade nur, dass man heute keine Hüte mehr trägt.

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