Arbeitswelt

Mittwoch, 23. April 2008

Kurz notiert

Ehemalige Kollegen führen also Gedenkgespräche über mich. Und das, obwohl seit meinem Austritt aus dem Club bereits mehr als ein Jahr vergangen ist. Dem sei nur hinzugefügt, dass ich mittlerweile nichts Selbstgekochtes mehr auf Schicht mitbringe. Die neue Kantine ist nämlich besser als die alte. Schlechter war allerdings auch nicht zu erwarten gewesen.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Angebaggert

Es begab sich gestern früh, dass ein Bagger mir das Internet wegbaggerte. Mit seiner Schaufel kappte er ein Kabel. Nicht irgendein Kabel, sondern das Kabel. Das einzige, verantwortungsbeladene Kabel, das mich und meine Firma, die ganze Straße und die gesamte Umgebung mit der Welt verband.

Gestern war mein erster Arbeitstag nach dem Weihnachtsurlaub. In meinem Mailaccount lagen - das hatte ich während des Urlaubs schon über den Webmailer gesehen - 30 wichtige, unbeantwortete, aber noch nicht abgerufene Mails. Es gab gestern morgen neben diesen 30 wichtigen, unbeantworteten Mails keine nicht-virtuelle Arbeit, die auf anderem Weg als per Mail zu mir gekommen war. Arbeitseinstieg nach dem Urlaub halt.

Kein Internet also. Kein Zugriff auf die Arbeit. Nach vier Telefonaten und einigen persönlichen Gesprächen habe ich mir überlegt, was ich noch so ohne Internet und Mails tun könnte, um meine Schaffenskraft konstruktiv in den Dienst meines Arbeitgebers zu stellen.

Mir fiel nicht viel ein, so dass ich begann, aus vier überquellenden Aktenordner acht zu machen und sie optisch neu zu arrangieren. Ich ging frühzeitig in die Kantine und habe das Altpapier weggebracht. Hätte ich Blumen in meinem Büro, ich hätte sie liebevoll gegossen, ihnen braune Blätter von ihren hübschen, grünen Leibern gezupft, sie hinter den Ohren gekrault und ihnen zwei Stunden Rilke vorgelesen. Zum Glück hatte ich am frühen Nachmittag einen langen Termin, so dass ich mich dann doch irgendwie gebraucht fühlte.

Heute war das Internet wieder heile. Heute hatte ich aber eine nicht-virtuelle Besprechung nach der anderen. Plus natürlich die 30 Mails von gestern. 30 Mails = 30 Antworten = 30 kleine und große Dinge, die sich aus den Mails ergeben. Wie und was haben eigentlich die Leute gearbeitet, als es noch kein Internet gab? Und warum mache ich und nicht der depperte Baggerfahrer heute die Arbeit, die ich normalerweise gestern gemacht hätte und deretwegen ich bis eben im Büro saß?

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Hospitalismus bei Silberfischen

Unser Büro-Silberfisch läuft seit gestern ununterbrochen in Kreisen um die Klobürste. Mache mir Sorgen.

Dienstag, 11. Dezember 2007

Betrifft: Foto-Shooting

Sehr geehrter Herr Riegel,

haben Sie vielen Dank für die kurzfristige Bereitstellung von Laiendarstellern. Die Damen und Herren haben mir sehr geholfen, den kooperierenden Projektteams mein Konzept zu Arbeitsabläufen und Personalstrukturen in unserem Hause zu veranschaulichen.

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Nichtsdestotrotz erlaube ich mir anzumerken, dass Ihre Mitarbeiter sich während des Shootings weder als ausdauernd noch als standhaft erwiesen haben. Bitte schicken Sie mir das nächste Mal eine professionellere Truppe.

Für den Fall einer erneuten Zusammenarbeit bitte ich darüber hinaus um eine größere Variation an Farben, um komplexere Systeme nachbilden zu können.

Mit freundlichen Grüßen nach Bonn,
Ihre Frau Nessy

Dienstag, 20. November 2007

Feierlaune

Wenn man viele Kollegen hat, ist es so, dass regelmäßig jemand heiratet, ein Kind bekommt, geschieden wird, Clubjubiläum feiert, Geburtstag hat, wieder Geburtstag hat und wieder Geburtstag hat. Gefühlt: ein Geburtstag im Quartal, eine Hochzeit pro Jahr, ein Kind pro Abrechnungszeitraum. Jedesmal sammeln und schenken wir. Das ist teuer, aber wir haben uns ja lieb und tun das gerne. Unschlagbarer Vorteil ist, dass es ununterbrochen Kaffee, Kuchen und Cannapées gibt. Und Sekt natürlich. Bin schon ganz beschwingt.

Samstag, 3. November 2007

Rastplatzbegegnungen

Herrje, wann ersetzen Jeans und Sweatshirt endlich den Business-Zwirn? Oder anders: Wann bin ich endlich so berühmt, dass ich mit fehlgeleiteten Outfits gesellschaftliche Akzente setzen und Botschaften für den Weltfrieden verbreiten darf?

Vor dem Wochenende stand also ein Ausfug nach Berlin an. Schon der zweite innerhalb von vier Wochen. Inklusive war ein Mittagessen bei der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft im Reichtagspräsidentenpalais. Morgens nach dem Duschen kam ich deshalb nicht umhin, meine Haare aufzutüdeln, meine Wimpern volumig zu tuschen und mich in mein feinstes, bügelgefaltetes und nadelgestreiftes Leinen zu werfen. Der Aufwand erwies sich als weise Maßnahme, denn das Ambiente stellte sich als so gediegen heraus, dass die livrierten Kellner mir zum Nachtisch sogar das Besteck rückten, in Handschuhen und mit Serviette über dem Unterarm.

Nach der Veranstaltung stieg ich direkt ins Auto. Doch der feine Fummel zwickte und zwackte schon auf dem Berliner Ring so doll, dass er die Atmung beengte und meine Verdauungsorgane mit solch einer Vehemenz zusammendrückte, dass das Tomatensüppchen, die Entenbrust, der Apfelstrudel, das Vanilleeis, der Kaffee und die Kekse unangenehm von innen gegen die Magenwand boxten (was auch einfach an der Menge an Nahrung gelegen haben könnte, aber egal: Mein Körper sehnte sich nach textiler Gemütlichkeit). Um nicht dauerhaft Schaden zu nehmen, fuhr ich bei erster Gelegenheit rechts ran, tüdelte mir die Haare ab, band sie zum Zopf und stieg in Jeans und Sneakers um.

Als ich aus der Autobahnraststätte Buckautal Nord zurück zu meinem Auto kam, mit Hose und Ausgehschühchen unterm Arm, und das Abgelegte gerade im Kofferraum verstaute, lächelte mir ein BMW-Fahrer, der neben mir geparkt hatte, durch seine Seitenscheibe zu. Er mochte Mitte 30 sein und trug Schlips und Kragen. Ich lächelte zurück, schließlich habe ich ein sonniges Gemüt, hatte lecker gegessen und überhaupt war es alles in allem ein guter Tag. Er bedeutete mir mit einer Geste zu warten, öffnete die Fahrertür und stieg aus. Er sagte allerdings nichts, sondern ging zu seinem Kofferraum, holte mit einem Griff eine Jeans, einen Kapuzensweater und ein Paar Turnschuhe heraus und hielt sie bedeutungsvoll in die Höhe. "Ist frei jetzt, die Umkleidekabine, ja?" fragte er und zwinkerte. Ich lachte, nickte. Er lachte zurück und verschwand im Buckautal.

Montag, 15. Oktober 2007

Das wahre Dasein der Alice S.

Auf der Buchmesse gibt es viele Bücher. Auch gibt es auf der Buchmesse viele Menschen, die Bücher schreiben. Alice Schwarzer ist so einer.

Selbst wenn Frau Schwarzer mit einer gewissen schrebbeligen Penetranz ihrer Berufsausübung nachgeht, hatte ich bislang ein entspanntes Verhältnis zu ihr. Was ich bis vergangenen Freitag nicht geahnt habe, ist, dass sie ein dunkles Geheimnis hat.

Denn wo ich ging und stand: Frau Schwarzer war schon da. Im Vorlesezelt im Messe-Hof, im Signierzelt, am FAZ-Stand in der Diskussion mit Herrn Schirrmacher (der etwas seltsam Schuljungenhaftes hat und sich offenkundig lieber selbst reden hört als seine Gesprächspartner), schwadronierend in einer Traube schaulustiger, Give-away sammelnder Promigaffer oder auf dem Klo: Es gab kein Entrinnen. Frau Schwarzer war allerorten. Auch als ich begann, mich ziellos, unsystematisch und (um den Feind auf die Probe zu stellen) im Zickzack durch die Hallen zu schieben - Frau Schwarzer, die soeben noch dort war, war nun hier, gebeamt von hüben nach drüben, das Raum-Zeit-Kontinuum durchbrechend, während ihr Mund Geräusche produzierte. Ihre Omnipräsenz lässt nur einen Schluss zu: Sie ist ein Klonunfall. Bestimmt.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Schaffe, schaffe ...

Viel zu tun grad. Deshalb ist es hier etwas still.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Prokrastinationsbloggen

To Do:
  • Termine koordinieren
  • Präsentation mit vielen Bildchen für nur Russisch sprechende Russen vorbereiten
  • Russen bespaßen
  • kranke Schulter angucken lassen
  • kranken Fuß angucken lassen
  • kranke Schulter und kranken Fuß trotz allem durch Sporthalle schieben
  • Fotoausrüstung ordnen
  • Koffer packen
Doof, das alles. Grmpf. Kann bitte jemand für mich den Tag erledigen? Ich geh derweil wieder ins Bett.

Oh, huch! Gerade huscht der Kollege an mir vorbei und hinterlässt einen Hauch äußerst ansprechenden Aftershaves. Das macht das Arbeiten direkt angenehmer. Nur die Konzentration fällt schwerer.

Dienstag, 11. September 2007

Mitspielen

Ende dieses Monats findet in Herrn Nessys Firma wieder ein Quartalsessen statt. Quartalsessen sind Zusammenkünfte gelangweilter Offiziere mit ihrem Bataillonskommandeur zwecks Selbstbeweihräucherung und gleichzeitiger Zusichnahme feiner Speisen. Die Anwesenheit der lieben Gattin wird stets gerne gesehen. Man möchte fast sagen: Je öfter die Angetraute auf dererlei Veranstaltungen zugegen ist und je devoter sie dabei zu den ordensgeschmückten Herren aufblickt, desto förderlicher wirkt sich das Mahl auf die Karriere des Partners aus.

Weil das so ist, bin ich während des Quartalsessens stets bemüht, das herzigste und unbedarfteste Wesen im ganzen Raum zu sein. Das Signal, das davon ausgeht: Die Ehefrau, die bewundernd zu ihrem Mann aufblickt, unterwirft sich nicht nur ihm, sondern auch dem Unbill, das seine Tätigkeit beim Verein mit sich bringt. Ergo: Der Gemahl gehört der Firma.

Die wichtigsten Regeln eines Quartalsessens sind deshalb:
  • Die gereichten Speisen sind außerordentlich köstlich.
  • Alle essen erst, wenn der Kommandeur isst.
  • Weil der Kommandeur zunächst viel redet, empfiehlt es sich, auf der Fahrt zur Veranstaltung ein belegtes Brot zu sich zu nehmen.
  • Nach der Vorsuppe kommt erstmal lange nichts, abgesehen von vielen wichtigen Worten über das Wohl und Wehe des deutschen Heeres, angefangen bei der Erfindung der Panzerhaubitze.
  • Über den Tisch hüpfende Salat-Croutinos dürfen nicht mit einem beherzten Stoß der Gabel eingefangen, sondern müssen vielmehr ignoriert werden.
  • Das emaillierte Bataillonswappen, das der Gatte geschenkt bekommt, ist total sexy und bekommt deshalb einen Ehrenplatz im Keller über dem ehelichen Federbett.
  • Je blöder eine Frau tut, desto mehr erfährt sie über den Charakter der anwesenden Hohen Herren.
  • Je mehr sie über den Charakter der anwesenden Hohen Herren erfährt, desto mehr hilft es ihrem Mann, sich dieses Wissen zunutze zu machen.
  • Blond ist in diesem Zusammenhang nicht hinderlich.
  • Alles ist ein Spiel.
Beim nächsten Mal gibt es übrigens Rehrücken. Ob es sich dabei um das seit Wochen durch die Kaserne hüpfende Wild handelt, dessetwegen eigens ein Förster einbestellt wurde, ist bislang nicht geklärt.

Kaffeeklatsch

Frankfurt
klingt ja schon mal SEHR vielversprechend! Ruhrgebi et...
Jekylla
Ich hätte dieses...
Ich hätte dieses Jahr ganz sicher noch Berlin...
nessy
Das, Frau nessy,
geht eindeutig nicht so weiter! Ich hätte dieses...
Jekylla
Der
Elektrozaun dient lediglich der Roestung der Kaffeebohnen....
pathologe
Das habe ich mir als...
Das habe ich mir als Student abgewöhnt. Ging ganz...
nessy

Keks dazu

“Die besten Geschenke werden nicht in Schachteln verschenkt.”

T9
Aktuellstes, dem Telefonino beigebrachtes Wort: spargelig

Mood

Soundcafé



Kundschaft

Kaffeemühle

 

Pächter

Im Geschäft seit 863 Tagen.
Letzte Bestellung: 16. Mai, 11:53

Hinterzimmer
Ich brühe Ihnen gerne persönlich einen Kaffee auf: die.liebe.nessy [bei] gmail [punkt] com

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