Schon seit mehreren Wochen ist es an der Zeit, mal wieder umzutopfen. Damals, als ich noch studiert habe, habe ich das öfter getan. Damals hatte ich ja auch mehr Zeit dafür. Regelmäßig habe ich 40-Liter-Säcke-Erde eingekauft und meinen grünen Freunden ein größeres Zuhause geschenkt, was zu dschungelähnlichen Zuständen in meiner 35-Quadratmeter-Woh-
nung führte.
Die Umtopfaktionen fanden in meiner Studentenküche statt. Ich hatte sie damals von meiner Vormieterin übernommen. Sie war schrottig, aber zweckmäßig. Kurz nach meinem Einzug begann das ablaufende Spülwasser, in den Unterschrank zu schwappen. Ich behalf mir damit, dass ich ein Zwei-Mark-Stück in das offene Ende des Rohrs legte, welches offensichtlich für einen Waschmaschinenablauf gedacht war. Das Geldstück hatte genau den Durchmesser, den es brauchte, um den Spülschrank trocken zu halten. Leider zog ich erst nach der Euro-Umstellung aus der Wohnung aus, so dass das Zwei-Mark-Stück danach wertlos war. Ich nahm es trotzdem mit - in alter Verbundenheit.
Zwar putzte ich nicht oft, aber wenn ich einmal putzte, vergaß ich jedesmal einen wichtigen Sachverhalt: Wenn ich den Toaster anfasste und gleichzeitig meine Hand unter laufendes Wasser hielt, bekam ich einen elektrischen Schlag, der eine herzkranke Oma ohne Zweifel ins Jenseits befördert hätte. Ich musste mich danach immer eine Minute lang auf einen Stuhl setzen, um mich wieder zu sammeln, was mich nicht wirklich motivierte, die Frequenz meiner Putzeinheiten zu erhöhen.
Das Eisfach in meinem Kühlschrank hatte die Angewohnheit, binnen zwei Tagen derart zuzufrieren, dass Regisseur Luc Jacquet problemlos seinen Film "Die Reise der Pinguine" dort hätte drehen können. Mehrmals bemühte ich mich, es abzutauen. Jedesmal endete es damit, dass ich mit dem Schraubenzieher (Herr Nessy: "Das heißt Schrauben
dreher, Frau!!!") Schollen von Eis aus dem Fach brechen musste, da es auch nach zwei Hochsommertagen keine Anstalten machte, den Aggregatzustand von fest zu flüssig zu verändern.
Als ich nach fünf Jahren aus der Wohnung auszog, war ich trotzdem ein wenig wehmütig. Erst, als ich in meiner neuen Luxusküche stand, die gar keine Luxusküche war, mir aber angesichts meiner Vergleichsmöglichkeiten wie eine vorkam, ließ das Heimweh nach.